
Oh mein Gott! Nach dem heutigen Tag glaube ich an das Gute im Menschen, die Zukunft und das Leben in Frankreich. Es gibt so viel zu erzählen, dass ich gar nicht weiß, was ich zuerst erzählen soll…. .
Mein heutiger Zielort Bénisson-Dieu war auch in meinem ursprünglichen Etappenplan eine feste Hausnummer.
Nachdem ich aber bei meinen Reservierungsanfragen für die wenigen gelisteten Gîtes und sonstigen Unterkünfte im Vorfeld nur Absagen oder gar keine Antworten erhielt, erschien es mir besser zu sein, im vor Bénisson-Dieu gelegenen Ort „Brienonn“ nach einem Bett Ausschau zu halten.

Dort verplemperte ich am Nachmittag sage und schreibe 75 Minuten für die erfolglose Quartiersuche.
Ich war so verzweifelt, dass ich sogar das örtliche Altersheim aufsuchte und nach einer bescheidenen Bleibe fragte (Herzhaftes Lachen ausdrücklich erlaubt an dieser Stelle!). In Spanien war auf einem meiner Caminos solch eine Anfrage schon einmal erfolgreich. Die am Wochenende dienstverrichtenden Altenplegerinnen in Brienonn bedauerten, mir aufgrund ihrer fehlenden Entscheidungskompetenz „in der Sache“ keine Zusage geben zu dürfen. Nachdem ich bestimmmt nen Kilometer hin und her durch den Ort herumgeirrt war und überhaupt keinen Erfolg zu verzeichnen hatte, zusätzlich der Pastor der Gemeinde an einem Sonntag nicht erreichbar war, nahm ich missmutig die zusätzlichen 5 Kilometer nach Bénisson-Dieu in Angriff, ohne wirklich eine fundierte Hoffnung auf Erfolg zu haben.
Beim Betreten des schnuckligen Zielortes konnte ich auch sofort mein Notquartier ausfindig machen!
Nach den guten Erfahrungen der Vortage musste es selbstredend ein Holzhaus sein!

Das Wartehäuschen an der einzigen Bushaltestelle des Ortes erfüllte diese Anforderungsprofil, gleichwohl die Sitzbänke zum Übernachten zugegebenermaßen ein wenig schmal geraten waren.
„Für eine Nacht klappt das schon!“ , lautete meine Ersteinschätzung des potentiellen Okjekts.
Zuvor wollte ich aber noch einen allerletzten Versuch an der Kirche des Ortes unternehmen bevor ich mir mein offenherziges Bushaltehäusschen einrichten würde.
Auf dem Weg zur Kirche sah ich auf meinem Weg ein Eckhaus mit der Beschriftung „La ferme des Agnes“.
War das nicht auch als potentielle Übernachtungsmöglichkeit in einer der vielen Verzeichnisse aufgeführt.
Durch das Holztor konnte ich erkennen, dass bereits einige Menschen im Garten des „La Ferme des Agnes“ offensichtlich bestens gelaunt feierten.
Nachdem ich auf mich aufmerksam gemacht hatte, öffnete ein elegant in Weiß gekleideter Mann in meinem Alter das Tor und hörte sich meine Geschichte an. Spontan verließ der Herr die Feiergesellschaft um mit mir in Richtung Kirche zu gehen. Er stellte sich bei mir als Leiter des örtlichen Musikchors vor und erzählte, dass man heute mit dem Chor ein großes Konzert gegeben habe und deshalb im Hof eine kleine Feier organisiert hat. Wir haben eine Unterkunft für Sie und wenn Sie Lust haben mit uns zu essen sind sind Sie als Pilger herzlich eingeladen,.
Wow!
Wieviel Glück kann der Pilger zu so später Stunde eigentlich noch haben?
Mein Schmunzeln verließ mich von da an nicht mehr und als ich dann durch ein Hoztürchen in mein Pilgerreich kletterte war das Glück vollkommen.

Ich erledigte die notwendigsten Sachen, duschte und machte meine tägliche Wäsche, so wie sich das nach der stundenlangen Pilgerwanderung einfach gehört.

Frisch gekleidet begab ich mich dann zu den feiernden Sängern, Musikern und deren Familien.
Auch auf die Gefahr hin, dass einige mit dem Kopf schütteln, möchte ich die Schmackhaftigkeit der Weine und des Champagners betonen dürfen.

Die dazu servierte Paella und das Desert dazu waren ebenso köstlich.
Das schönste an allem war in jedem Fall die Gastfreundschaft und die Kommunikationsfreude der anwesende Menschen. Bedingt durch ihr musikalisches Repertoire kommen einige Wagner-Sympathisanten unter den Sänger wohl regelmäßig mit der deutschen Sprache in Berührung und halfen mir damit rührig an Kommunikation teilhaben zu können. Der emotionalste Moment des Abends war, als ein Musiker „zu meinen Ehren“ einen Dudelsack hervorzauberte und ein galicisches Lied aus Santiago de Compostela anstimmte. Diesen Moment werde ich in meinen Leben sicherlich nie vergessen und weiß vor lauter Freude und andererseits auch Demut nicht mehr wohin mit meinen Gefühlen … . Welch schöner Tag in meinem Leben!
Die weiterhin unbedingte Schönheit des Weges bitte ich den Fotos des Tages zu entnehmen. Mir geht es körperlich gut und das gemäßigte Streckenprofil hat heute auch mal dazu geführt, dass ich, kilometermäßig betrachtet, eine weite Strecke laufen konnte ohne meine Füße damit zu ruinieren.
The future is a big kiss!
Bonne nuit
Der Caminopilger
Die sonstigen Bilder des Tages:






















































Hinterlasse einen Kommentar