2 x Knieschmerzen bei Heiner und Stephan 😂

Ich möchte zu Beginn meiner Schilderungen nicht verschweigen, dass ich 2008 leider rein gar nichts textlich zu diesem, landschaftlich betrachtet, sehr schönen Tag auf dem Camino Francés im seinerzeitigen Blog festgehalten habe.

Im Jahr 2008 war es zugegebenermaßen nahezu unmöglich jeden Tag einen internetfĂ€higen PC auf dem Jakobsweg ausfindig zu machen, der dazu noch einen funktionstĂŒchtigen USB-Anschluss haben sollte, damit ich ĂŒber meinen Smartcardreader wenigstens ein Bild am Tag fĂŒr die Familie und Freunde in der Heimat hochladen konnte. Es war ein so sehr schwieriges Unterfangen. Die Leitungen waren langsam, Flatrates und WLAN kannte man noch so gut wie gar nicht in Europa und Smartphones waren alles andere als verbreitet. Die Übertragung eines Fotos in das World Wide Web dauerte so manches Mal 15 Minuten und lĂ€nger!

die Karte zur Gegend der vergangenen zwei Tage

Apple hatte erst 2007 das iPhone 3G auf den Markt gebracht und wurde deswegen von der ganzen Welt „bemitleidet“. Wie konnte ein Computerhersteller die Frechheit besitzen ein „Telefon“ herstellen zu lassen? Wie sehr sich, allein schon technisch betrachtet, die Zeiten in den 14 Jahren meiner Pilgerwanderungen geĂ€ndert haben
 .

Ich hatte damals schon ein iPhone 3G der zweiten GerĂ€tegeneration in der Pilger-Tasche, habe dieses jedoch aufgrund der beschriebenen technischen Konstellation und seinerzeitigen europaweit zu beklagenden Kostenfallen nicht fĂŒr die „Live-Berichterstattung“ vom Jakobsweg genutzt.

Zum Ausgleich fĂŒr den nicht vorhandenen historischen „Tages-Pilgerbericht“ lade ich einfach mal ein paar Bilder mehr hoch, die die einzigartige Schönheit des Caminos aus meiner Sicht verdeutlichen.

Hola

Die Bilder des Tages:

ein vernĂŒnftiges FrĂŒhstĂŒck verleiht Pilgern BĂ€renkrĂ€fte
Pilger-Denkmal
So ein schöner blau weißer Himmel
Ort am Fluss
Nordspanische Hobbit-Unterkunft
Rio Najerilla
BAR Peregrino vom allerfeinsten!
bei Pepe könnte auch mal angestrichen werden!
Gasse zum Red Rock
Pilgerpause
hier geht es nach Santa Maria!
Bilder wie diese verzaubern den Tag
Stephan (ganz klein zu sehen)
Carstens hutloser Abstieg
Carsten und Stephan, die Vorhut
in der großen Albergue de Peregrino Azofra angekommen
2er Pilger-KajĂŒte
Das Wahrzeichen der Region: der Stier

Mehr als 100 km vom Start unseres Caminos in Pamplona entfernt sitzen wir auf der Terrasse eines Cafes in Navarrete und genießen um 17:00 Uhr das verdiente Pilgerbier vom Fass nach getaner Pilgerarbeit.

Auf der Strecke ist allerdings unstrittig Wasser unser Treibstoff. Ich zeichne mich durch einen ungeheuerlichen FlĂŒssigkeitsverbrauch wĂ€hrend der Wanderung aus. Dementsprechend hĂ€ufig muss ich allerdings auch „technical stops“ einlegen. Dieser Umstand hat mir den schönen Kosenamen „El Bacho“ eingebrockt.

Wir sind im zweiten großen Weinbaugebiet im Norden Spaniens angekommen!

Rioja

Navarra haben wir hinter uns gelassen und Rioja erreicht.

Das Weinbaugebiet Rioja gehört mit einer AnbauflĂ€che von 60.000 ha zu den bedeutendsten in Europa. Meine regelmĂ€ĂŸigen Wassergaben werden sicherlich dazu beitragen, dass auch der 2008er Rioja ein guter Jahrgang wird …. .


Carsten entwickelt sich zum unverwĂŒstlichen KĂ€mpfer auf dem Weg! Er hetzt die HĂŒgel hoch und fordert mich auf das Heftigste. Den Kreislaufkollaps bei mittlerweile steigenden Temperaturen verhinderte die Traubenzuckerzufuhr aus dem Hause Dextro-Energen.

Kim und Stephan

Einen zweiten zweifelhaften Spitznamen schenkte mir mein „schickes“ Leder-Outfit. Die supersympathische Kim aus Frankreich (aka „Mona Lisa“) nennt mich „Crocodile Dundee“ aus Deutschland. 🙂

Carsten grĂŒĂŸt herzlich die Ingrid aus Hannover.

Mein Lederhut vom Rucksack halb verdeckt

Buenos dĂ­as desde Navarrete

Die Bilder des Tages:

Mystischer Morgen auf dem Weg
Pilgerstempel for free
Kunst auf dem Weg
urgemĂŒtliche nordspanische Bar
ausgelatschte Treter an jeder Ecke des Caminos
Wasser das Lebenselixier
Pilgerpiste
passt das GepÀck noch?
eine von vielen BrĂŒcken auf dem Weg
ich darf vorstellen: Tom Sawyer und Huckleberry Finn
Willkommen im Rioja Weinbaugebiet

zauberhafter bewölkter Camino de Santiago
das Bett in der Herberge ist safe
Ein LOWA mit flexibler Sohle

01.06.2008 15:15 Uhr
Weiß der Teufel in welchem Ort wir heute gelandet sind. Viana, oder so Ă€hnlich? Die heutige Strecke war bei Dauerregen und tiefem Matsch wieder ein „klein wenig“ ermĂŒdend, sodass wir nach unserer Einkehr in Viana geradewegs in die Bodega einfielen. Die erste Flasche Rioja wurde bereits um 13:30 Uhr geköpft und verbesserte schlagartig unsere regengeplagte Pilgerlaune. Beste Stimmung bei Stephan, 31 Jahre, Erzieher aus Heilbronn, Carsten, 38 Jahre, Tischlermeister aus Hannover und Heiner, 44 Jahre, Beamter aus BrĂŒggen.

3 Pilger und eine Flasche Pilgerwein

Zur Abrundung des hervorragenden Pilgermenues gab es dann noch ein großes spanisches Bier und damit waren wir am Sonntagnachmittag gegen 15:00 Uhr bereits reif fĂŒr das Pilger-Etagenbett. Die spanische Kapelle in der Tapas Bar schmetterte zu unseren Ehren auf das heftigste bekannte spanische Volkslieder. „La Bamba“ kam besonders gut bei uns an. Gesundheitlich gibt es nicht viel neues zu berichten. Pilger gewöhnen sich offensichtlich schnell an die Belastungen des Tages und der Rotwein scheint pilgerheilende KrĂ€fte zu entfalten! Wie anders ist zu erklĂ€ren, dass man zu jedem Pilgermenue eine Flasche Hauswein spendiert bekommt.

nordspanische Kapelle


Der „gastronomische Betrieb“ hat uns auf jeden Fall so gut gefallen, dass wir heute Abend dort wieder einziehen werden.

Viva Espania.

Es lebe der Camino de Santiago!

Die Bilder des Tages:

FrĂŒhstĂŒck in der Herberge
Man trÀgt heute Plastik auf dem Camino
namenloser Ort auf dem Camino
typische Landschaft auf dem Camino Frances
Stephan bleibt bei uns, nun laufen wir den Camino zu dritt 🙂
Welcher Pilger liebt sie nicht. Mohnblumen!
ĂŒberraschendes Tagesziel Viana
beeindruckende Kunst
die Gassen von Viana
welch schönes GebÀude
verschwommener Blick aus der Herberge nach einem besonders schönen Abend
Pilgerromantik, GemÀlde auf dem Weg: Klatschmohn und Berge

Welcher Wahnsinn treibt mich eigentlich auf diesen Camino?

und so sah die Wirklichkeit am heutigen Tag aus

Die gestrigen Fußschmerzen verstĂ€rkten sich heute Morgen um ein vielfaches. Mit 11 kg PilgergepĂ€ck stand ich frisch gestiefelt vor der Pilgerherberge in Estela um den hĂŒgeligen Weg nach Los Arcos in Angriff zu nehmen. Der Spann des rechten Fußes war dermaßen blockiert, dass ich fast nicht losgegangen wĂ€re. Mein Beinansatz meldete permanent Stiche und Dauerschmerzen. Ein GefĂŒhl, als ob ich die ganze Nacht in einer Eishalle in zu engen Schlittschuhen Pirouetten fĂŒr das Guiness Buch der Rekorde gedreht hĂ€tte. Alter Schwede! Ich humpelte in bester „Schnarchi-Manier“ zwei Stunden lang an der Seite meines Pilgerfreundes Carsten, der sich köstlich ĂŒber meine eigenartigen Bewegungen amĂŒsierte.

gefĂŒhlt 25 kg GepĂ€ck lasten auf Carstens RĂŒcken 😉

Die Kollegen in der Heimat hatten mir vor dem Abflug nach Nordspanien „das Aus“ am 19. Tag meiner Pilgerwanderung vorausgesagt. Am 3.Tag bereits aufgeben zu mĂŒssen kam ĂŒberhaupt nicht in Frage! So biss ich im wahrsten Sinne des Wortes auf die ZĂ€hne und nach 2 Stunden lösten sich tatsĂ€chlich alle Blockaden und ich war wieder wie ein Erstliga-Fohlen unterwegs!

Bei Dauerregen erreichten wir unser Etappenziel die Casa de Austria – Fuente des Los Arcos in 5 1/4 Stunden.

trĂŒbe Aussichten auf dem Camino de Santiago

Merke: Aller Pilgeranfang ist schwer!

Hola aus Los Arcos

Die Bilder des Tages:

Wasser und Wein am Morgen kostenlos fĂŒr die Pilger in der Bodegas Irache
Mitpilger mit Hut
Wiedersehen auf dem Camino
endlich angekommen!
in der Albergue Casa de Austria
hört es denn gar nicht mehr zu regnen auf?
Kirchenportal Los Arcos
Geht es auch ne Spur freundlicher? Nein.
wie soll bei diesem Wetter die Kleidung nur trocknen?
zauberhafter Camino

30.05.2008 06:15 Uhr
Unglaublich! 10 wuselige Pilger stehen zeitgleich um 06:00 Uhr auf und packen ihren Kram. Spanier, Franzosen, Österreicher und Deutsche sprechen dabei eine Sprache, sie hĂŒsteln und schnupfen sozusagen international. Das schlechte Wetter in den PyrenĂ€en scheint vielen in den letzten Tagen, erkĂ€ltungstechnisch gesehen, „den Rest“ gegeben zu haben. Bei einer Ă€lteren Frau aus Frankreich ist ein Ă€rztlicher Einsatz nach unserer EinschĂ€tzung der Lage unausweichlich. Die Feldbetten mit der semibequemen Sperrholzplatte bestĂ€tigen eindrucksvoll und spĂŒrbar: „Wir sind im Lazarett gelandet!“

FĂŒr meinen Teil habe ich zumindest am Abend göttlich gespeist. Ein tolles Pilger-Menue mit Seehecht als Hauptspeise und lokalem Navarra-Wein wurde mir aufgetischt.

Merke: Ohne „Mampf“ am Abend kein Pilgerkampf am Morgen.

30.05.2008 14:40 Uhr
Die Mitpilger/-innen erhalten von uns auf dem Weg Kosenamen. Heute lief uns einer von den „50 Prozent Schnarchern“ der ersten Nacht ĂŒber den Weg. Schnell war ein Name fĂŒr ihn gefunden: „Schnarchi“! Schnarchi lief wie ein „Pflege-Stufe4-Pilger“ durch die Klatschmohnfelder und wir Pilgernovizen amĂŒsierten uns auf halbem Weg nach Estella unverschĂ€mter Weise ĂŒber Schnarchis entenartigen Gang. Das Lachen sollte insbesondere mir spĂ€ter am Tag noch vergehen … .
In Top-Verfassung lernte ich frĂŒh am Tag auf dem Camino die 31 jĂ€hrige Koreanerin Cum Jung Chun aus Seoul kennen.

Cum Jung und Carsten

Cum Jung war sehr stoisch und zielorientiert. Die verhaltene Kommunikation mit der zierlichen Dame aus Asien wÀhrte nur wenige Minuten.

SpĂ€ter am Tag ĂŒberholte uns eine topfitte österreichische „Bergkletterin“ namens Klara (1,53 m GrĂ¶ĂŸe bei 53 kg Körpergewicht) auf dem Weg. Die Salzburgerin mag kein Internet, kein Handy und hat auch ansonsten keinen Kontakt nach Hause wĂ€hrend ihrer Pilgerzeit.
Zum Ende des Tages, nach 22 km und 6 Stunden mit einigen Steigungen und HĂŒgeln, verließen mich meine „jugendlichen“ KrĂ€fte. Mein rechter Fuss bereitet mir Probleme. Nun bin ich froh und glĂŒcklich ĂŒberhaupt in der Herberge angekommen zu sein. Gesellige NĂ€chte scheinen bei dieser Form der Belastung und Uebernachtung kategorisch ausgeschlossen zu sein. Auch hier herrscht eine strenge Disziplin: 22:30 Uhr Bettruhe, 6:00 Uhr FrĂŒhstĂŒck und um 7:00 Uhr am Morgen dann der musikuntermalte Rausschmiss aus der Herberge. Im 16 Betten Zimmer liege ich im Hochbett, unter mir die so sehr hĂŒstelnde Französin, die ab sofort als „Madame Lazarett“ Einzug in diesen Blog halten wird.

Madame Lazarett erreichte ĂŒbrigens das Pilgerziel des heutigen Tages trotz ihrer körperlichen Angeschlagenheit nur wenige Minuten nach uns. Kompliment und Anerkennung fĂŒr diese Energieleistung.

Camino de Santiago

Carsten und ich gehen gleich auf die Pilgerpiste! Mineralwasser, Obst und Pflegecreme werden dabei unsere bevorzugten Kaufobjekte sein … .
Brave new Pilger-World!

Hola aus Estella!

Die Bilder des Tages:

Carsten schreitet voran
einheimische „Mitpilger“
die BrĂŒcke am Fluss
Pilgerpause
Hospital Peregrinos
Estella

Fremdenverkehrswerbung
zauberhafter Pilgerort
Pilgertreffen beim Abendessen
Fußpflege, so wichtig fĂŒr den Pilger
Blick aus dem Zimmer der Casa Paderborn

29.05.08 06:05 Uhr
Die erste Nacht im Refugio ist ĂŒberstanden. Von Pilgerromantik leider keine Spur. Gegen 21:00 Uhr hatten Carsten aus Hannover und ich die Casa Paderborn erreicht. Gleichwohl wir lediglich 30 Minuten durch Pamplona liefen waren wir bis auf die Haut tropfnass. Der Weg vom Busbahnhof bis zur Herberge reichte dafĂŒr leider aus. Etwas zu essen bekamen wir im nahe gelegenen Schwimmbadrestaurant leider auch nicht mehr. Da die TĂŒren der Pilgerherberge bereits um 22:00 Uhr schließen, blieb lediglich Zeit fĂŒr ein erstes spanisches Bier und eine kleine TĂŒte Lacy Chips.

Wir schliefen danach hungrig im Etagenbett eines mit 4 Pilgern belegten kleinen Zimmers mit dem Raummaß von 3×3 Metern. Willkommen im wahren Pilgerleben!

Pilgerbett obere Etage

SaunagefĂŒhle pur fĂŒr sympathische fĂŒnf Euro. Der Schnapper schlechthin! Leider schnarchten 50 Prozent der anwesenden Fußpilger. Ohne Ohrenstöpsel wĂ€re ich wohl nicht durch die Nacht gekommen! Überhaupt herrschen hier in den Herbergen strenge Gesetze: 06:00 Uhr Wecken, danach FrĂŒhstĂŒck zum Pilgerpreis von 2 Euro und anschließendem Rausschmiss aus der Herberge gegen spĂ€testens 8:00 Uhr. Fehlt nur noch der FrĂŒhsport! Hoffentlich bleiben wir heute vom spanischen Dauerregen verschont.

Carsten beim ersten PilgerfrĂŒhstĂŒck



29.05.08 16:45 Uhr
Mein „Credencial del Peregrino“ / Pilgerausweis hat schon wieder einen neuen Stempelabdruck!

Carsten und ich sind im Refugio P.P. Reparadores in Puente La Reina (Navarra) gelandet. 27,5 km anstrengende Tageskilometer liegen hinter uns und haben mir verdeutlicht, dass die Trainingskilometer auf dem platten Land, sprich in der Heimat am Niederrhein, absolut kein Maßstab sind. Die Passhöhe Puerto del Perdon liegt beispielsweise auf 780 Meter Höhe. Eine 6 1/2 stĂŒndige Wanderung ist zu Beginn der Pilgerreise doch ganz anstĂ€ndig, oder?

auf dem Weg nach Puente la Reina

Zur Belohnung stand anschließend die Körperpflege und das WĂ€schewaschen auf dem Programm. Das angebotene Pilgermenue war mit 8,90 Euro erneut erschwinglich und durchaus schmackhaft.


Nebenbei bemerkt habe ich auf der heutigen Tagesetappe nahezu vier Liter Wasser getrunken.

Das Wetter war mit sonnigen 22 Grad ĂŒberraschend angenehm. Morgen soll laut Wettervorhersage reichlich Wasser von oben kommen. Was solls! Dann streif ich einfach meine Plastiktextilien (Aldi preist diese als „Funktions-Regenbekleidung aus hochwertigem Tectex-Material“ an) ĂŒber.

Buen Camino aus Puente la Reina

Die Bilder des Tages:

Der Beginn meiner ersten Pilgerreise am Bahnhof Kaldenkirchen
Dier ersten Schritte von der Casa Paderborn auf den Camino de Santiago
Pamplona
gleich sind wir endlich aus der Stadt raus!
Carsten
Heiner
typische Landschaft
nur noch 747 km
das erste Tagesziel ist erreicht – Puente la Reina
Ende fĂŒr 2022

Die letzte Etappe meiner ganz persönlichen Tour de France in diesem Jahr liegt nun schon zwei Tage zurĂŒck. WĂ€hrend die Radprofis der einzig wahren „Tour de France“ heute noch mal in Richtung der Champs-ÉlysĂ©es mit dem Ziel des l’Arc de Triomphe in Paris in die Pedale treten, habe ich meine sieben Sachen heute Morgen in Trier gepackt und sitze derzeit im Zug, der mich umweltfreundlich in meine niederrheinische Heimat befördert.

Übrigens gibt es bei einer Pilgerwanderung, anders als bei den gedopten Radrennfahrern heute in Paris, keine Siegerehrung.

Vielleicht sollte ich die Geschehnisse der vergangenen Tage besser chronologisch „erzĂ€hlen“. Mann/Frau kommt ansonsten ja ganz schön durcheinander. Allein an der Tatsache, dass ich mir so eine lange Zeit gelassen habe, um diesen letzten Etappenbericht zu verfassen und ein Gesamt-Resumee zu ziehen, kann man erkennen, wie schwer mir der erneut temporĂ€re Abschied vom Jakobsweg fĂ€llt.

Die letzte Klappe fiel am frĂŒhen Nachmittag des vergangenen Freitag in Beaune nach insgesamt 377 gelaufenen Kilometern und 16 Tagesetappen.

Stadttor Porte Saint-Nicolas Beaune

Beaune ist ĂŒbrigens das Zentrum des Weinbaugebietes der CĂŽte de Beaune und voller touristischer SehenswĂŒrdigkeiten.

Stadtzentrum Beaune

Genau das war mein Problem! Die 19 km lange Wanderstrecke, erneut ĂŒberwiegend durch die Rebstöcke und Weinfelder der Region, hatte mich bei der StĂ€rke der Sonnenstrahlung mĂŒde werden lassen. Nach der Einsamkeit des Tages dann mit dem pulsierenden Stadtleben, Kommerz und Konsum konfrontiert zu werden, ist fĂŒr einen Pilger nur schwer zu verarbeiten.

Was kostet die Welt, Geld spielt keine Rolex!

Man sehnt sich danach, den Staub des Tages aus den Klamotten zu schĂŒtteln und diese schnellstmöglich zu wechseln. DAS war in Beaune leider nicht möglich. Pilger-Lonely-Planet, Outdoor Handbuch und sĂ€mtliche Portale im World Wide Web konnten da am Vortag schon nicht helfen. Das schmucke StĂ€dtchen war zum Wochenende in der ĂŒberaus angesagten Cote D‘or Weinbauregion ausgebucht! Einmal in Beaune angekommen, hatte ich aufgrund meiner Wahrnehmung und meinem Empfinden auch gar keine Lust mehr nach einer Krippe zu suchen. Einfach bedauernswert, dass eine eigentlich sehr schöne und bedeutende Stadt auf dem Jakobsweg nullkommanull an die BedĂŒrfnisse der Pilger denkt und keinerlei UnterkĂŒnfte fĂŒr diese zur VerfĂŒgung stellt.

GlĂŒcklicherweise hatte Clotilde, die Mitarbeiterin des BĂŒrgermeisteramts in Ahuy, auf meinen Anruf hin, wieder eine private Übernachtungsmöglichkeit bei Freunden in Dijon fĂŒr mich ausfindig machen können. Erleichterung pur bei mir, da ich wirklich keine Lust mehr hatte, die Gassen von Beaune in Kir-Royal-Laune weiter zu erkunden. So wanderte ich schnurstracks und schnellstmöglich zum außerhalb der Stadt gelegenen Bahnhof und war schier erlöst als der Trubel vorbei war.

Gare de Beaune

Die noch nicht einmal halbstĂŒndige Zugfahrt von Beaune nach Dijon verging wie im „Flug“. All die Örtchen und HĂŒgel der vergangenen zwei Tage bekam ich so noch einmal prĂ€sentiert, ohne dass der Schweiß mir erneut von der Stirn laufen sollte.

Das Ticket zum Paradies

In Dijon ging es dann völlig unkompliziert in die Tram Nr. 2

Lila Tram in Dijon

und schwupps stand ich im Norden Dijons vor dem Haus von MichÚle und François. Willkommen im Paradies!

Die wunderschöne Terrasse der Familie, der einladende Pool, der blumenĂŒberhĂ€ufte, fĂŒr Naturliebhaber begeisternd große Garten, die sympathische BegrĂŒĂŸung der Gastgeber und zweier anwesender Freunde, das alles und noch viel mehr, waren so wohltuend fĂŒr mich nach den mich so sehr störenden TouristenschwĂ€rmen des frĂŒhen Nachmittags in Beaune.

Christiane, François und der Pilger

In Kenntnis meiner „MĂŒller fĂŒr eine Nacht – Story“ erlaubte sich François einen schelmischen Spaß und zeigte mir die in seinem Haus angeblich fĂŒr mich zur VerfĂŒgung stehende Duschwanne. „Immerhin grĂ¶ĂŸer als die vom MĂŒller tatsĂ€chlich benutzte verblichene SpĂŒlschĂŒssel“ dachte ich beim Anblick der eisernen Wanne.

Körperpflege wie bei Oma frĂŒher in Bayern

Die Wirklichkeit sah natĂŒrlich ganz anders aus. Ein sehr modernes GĂ€stezimmer mit einer noblen Dusche und einem superbequemen Bett durfte ich am letzten Abend meines Pilgerabenteuers in Frankreich fĂŒr mich ganz alleine nutzen. Regionale KĂ€sespezialitĂ€ten, Biere, Weine und ein wohlschmeckendes Menue rundeten fĂŒr mich den Besuch ab.

8 Umdrehungen Café-Bier, regionale SpezialitÀt, haut garantiert jeden Pilger um!

Das allein war es aber nicht, was den Tag bei François und MichĂšle zu einem besonderen Camino-Erlebnis fĂŒr mich machte. Es waren vielmehr der tiefgrĂŒndige Austausch ĂŒber aktuelle Themen der Zeit, Familie, Beruf und darĂŒber hinaus auf englisch, französisch und erfreulicherweise auch auf deutsch đŸ‡©đŸ‡Ș!

Die Zeit im Paradies verging fĂŒr mich wie im Flug. Neben den bereits geschilderten Dingen hinterließen die vielen wunderschönen GemĂ€lde von François, in den schillerndsten Blautönen, einen besonderen Eindruck auf mich. Ich hoffe, dass François mit der Veröffentlichung eines seiner Werke an dieser Stelle einverstanden ist. 😉

Die Kunst von François, total klasse!

Geschlafen habe ich ĂŒbrigens wie ein Engel auf der superbequemen Matratze im riesengroßen Bett.

Nach einem mich sehr verwöhnenden FrĂŒhstĂŒck galt es dann leider wieder Abschied zu nehmen, da meine Zugfahrt ĂŒber Nancy, Metz nach Luxemburg ja schon um 10:55 Uhr ab „Gare Dijon“ auf dem Programm stand.

Au revoir chĂšre MichĂšle et cher François. Merci beaucoup pour tout ! À bientĂŽt, j’espĂšre.

MichĂšle, François, Heiner –
Gastgeber und Pilger Selfie

Als ich bereits im Zug nach Nancy saß erhielt ich die „freudige“ Nachricht, dass zwei Zugverbindungen (Bettembourg- Luxembourg u. Luxemburg-Trier) aufgrund von Bauarbeiten durch Schienenersatzverkehr, sprich Busse 🚌, ersetzt werden mĂŒssen.

Das schönste bei diesen „Hiobsbotschaften“ war, dass es mich noch nicht einmal elementar störte. Die „unendliche Leichtigkeit des Seins“ war wieder da zum Ende meiner Pilgerreise!

Der Plan, auf dem Weg nach Haus noch eine Übernachtung in Deutschland oder Luxembourg einzuschieben, war allerdings schon vorher in meinem Kopf. Doch jetzt schritt ich nach den angekĂŒndigten VerspĂ€tungen tatsĂ€chlich zur Tat und rief das KlostergĂ€stehaus in der Franz-Ludwig-Str. 7 in 54290 Trier an (Tel.: +4965197690, Übernachtung nur fĂŒr Pilger mit Ausweis; Zimmer/Etagendusche inkl. Beherbergungssteuer: 25,53 €) .

TatsĂ€chlich konnte man mir so kurzfristig noch fĂŒr den Abend ein Bett reservieren. Was fĂŒr eine angenehme Überraschung, die am 27.05.2016 in Trier begonnene Wanderung auf dem „Chemin des Allemandes“ endete dann (vorlĂ€ufig) mit einer Übernachtung an gleicher Stelle. Schon 2016 ĂŒbernachtete ich in Trier im KlostergĂ€stehaus der Schwestern vom Hl. Joseph. Dazwischen lag bedingt durch eine hartnĂ€ckige Verletzung am Fuß und C19 eine unfassbar lange Pilger-Auszeit.

Caminopilger im Kloster

Wenig ĂŒberraschend endete aber auch diese VerlĂ€ngerung meiner Pilgerzeit in der von der Vergangenheit so sehr geprĂ€gten stolzen Stadt Trier und ich bin wieder am Ausgangspunkt meines heutigen Textes gelandet. Köln, Mönchengladbach und dann hoffentlich Kaldenkirchen heißen die Etappenziele der andauernden Zugfahrt. StĂ€dte und Orte, die neben dem privaten auch mein berufliches Leben bestimmt haben. Die verbleibenden 10 km zu meiner Heimatgemeinde BrĂŒggen werde ich dann per pedes durch den Grenzwald von Kaldenkirchen bewĂ€ltigen. Training fĂŒr das nĂ€chste Pilgerabenteuer, wer kann diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt schon beantworten? Ein kurzer Blick in den ungeliebten Outdoor-WanderfĂŒhrer weist die noch verbliebene Strecke von Beaune bis Le Puy-en-Velay mit 17 Tagesetappen und 387 Kilometern aus. Rein zufĂ€llig habe ich auf meinem zurĂŒckliegenden Pilgerweg der vergangenen 16 bis 17 Wandertage (einschließlich Prolog) nahezu exakt solch eine Wanderleistung bewĂ€ltigt. Es wĂ€re doch jammerschade das Pilgerprojekt (Trier – Le Puy) nicht in den nĂ€chsten Jahren zu veredeln. Wann genau das stattfindet, das steht noch in den Sternen geschrieben. Nur eins möchte ich nur all zu gerne versprechen.

Wiedervorlage Beaune – Le Puy-en-Velay

Ich werde diesen Weg zu Ende gehen, soweit meine Gesundheit und andere Dinge, auf die wir alle keinen wirklichen Einfluss haben, dieses Vorhaben in Europa zulassen.

Dokumentation Trier – Beaune (2016-2022)
16 Felder im Pilgerausweis sind noch frei 😀

Bedanken möchte ich mich zum Schluss bei meinem „Alter Ego“, Herrn Innenmeniskus,

DehnungsĂŒbungen fĂŒr den Innenmeniskus

dass er bis zum Schlusspfiff in Beaune tatsÀchlich durchgehalten hat.

Mein weiterer Dank gilt Euch da draußen, Familie, Freunden, Bekannten und Unbekannten, die sich die tĂ€gliche Berichterstattung von mir „angetan“ haben. Mein Weg war so sehr einsam in den zahlreichen französischen Departements, dass ich ohne Eure UnterstĂŒtzung und das Interesse so manche Tiefe mehr auf dem Weg erlebt hĂ€tte. Die Wehwehchen, Pleiten und Pannen sind bald vergessen. Was bleibt sind die Menschen am Ende jeden einzelnen Tages, die unbeschreiblichen Erlebnisse, die verrĂŒcktesten ÜbernachtungsplĂ€tze, die KĂŒhe, Schmetterlinge, der Jakobsweg und die Stadt Dijon, die ich wirklich in mein Herz aufgenommen habe. J’adore Dijon!

J’adore Dijon!

Buen Camino. Ultreia!

Heiner

Caminopilger im Cote‘D‘or Weinberg

PS: Glaubt dem Menschen kein Wort, er ist und bleibt 


der grĂ¶ĂŸte Caminopilger-Schwindler đŸ„Ÿ aller Zeiten!

Die Bilder der letzten Tage:

Eva aus Nuits-Saint-Gorges
hier geht es lang
ChĂąteau Corton C.
Yellow von Coldplay so ein starker Song!
Nic ht wahr?
Le Vin
Vier Blumen Stadt Beaune
Heilige FrĂŒchte in Beaune, frei nach Forough!
Beaune
Gare de Dijon
Gare de Nancy
Bettembourg zum Bus
Gare de Luxembourg
Luxemburg ist der Hammer!
Trier am Tag
Bitburger, nicht meine zweite Heimat, aber zur Not geht das Bier aus der Eifel auch 

Trier in der Nacht
Leckeres arabisches Essen in der Wunderlampe/Trier
lasst mich bitte noch ins Kloster rein, ich weiß, dass es spĂ€t geworden ist!
Mohnkuchen im Zuch, Pilgerfreund was willst du Meer?
Welcome to Deutsche Bahn; auf dem Weg nach Kaldenkirchen!
Grenzwald auf dem Fußweg nach Hause
Da lĂ€uft Mann nach Hause und denkt er wĂ€re immer noch auf dem „Chemin des Allemandes“. Dabei ist es nur der linke Niederrhein. Meine schöne Heimat đŸ€ !
Zusammen ist man weniger allein!
Mein kleiner Freund in den Weinbergen des Burgunds.

Ich verließ mein in der NĂ€he des „Place de la LibĂ©ration“ gelegenes „Studio 1“ in Dijon „frĂŒh“ am Morgen gegen 7:30 Uhr. Über die „Route der Grands Crus Dijon“ ging es dann 5 km stadtauswĂ€rts westlich in Richtung ChenĂŽve um von dort aus wieder auf den „Chemin des Allemandes“ zu gelangen.

SonnenĂŒberflutete Kirche auf dem Weg nach ChenĂŽve

Dort begann am Rathaus in die eigentliche Tagesetappe nach Nuits-Saint-Gorges. Welch großer Unterschied es dann doch wieder war auf dem Jakobsweg „zurĂŒckgekehrt“ zu sein. Aus der pulsierenden, wunderschönen, geschichtstrĂ€chtigen und kulturell verwöhnenden Stadt Dijon direkt in die Weinberge zu gelangen ist ein eindrucksvolles Kontrastprogramm.

Der Wein und der Jakobsweg

Die von weit her schon leuchtenden DĂ€cher der Kirchen mit ihren bunt glasierten Dachziegeln in der Region hatten es mir heute besonders angetan. Ich kam an keinem Gotteshaus vorbei ohne nicht zumindest ein paar Fotos zu schießen.

Der Wein und die Kirche

Zahlreiche vom Weinanbau lebende kleine Örtchen galt es auf dem Weg nach Nuits-Saint-Gorges zu durchwandern und dabei WeingĂŒter, ChĂąteaux und andere schöne Anwesen zu bewundern. Das Burgund verfĂŒgt im Departement Cote D‘dor wirklich ĂŒber eine eindrucksvoll schöne Landschaft. Wo in den Tagen zuvor noch Weizen, Gerste und Roggen die landwirtschaftlichen Bilder des Tages bestimmten, waren heute, zum ersten Mal in dieser Ausschließlichkeit, die Weinreben allgegenwĂ€rtig. Gepaart mit ein paar ordentlichen Höhen oberhalb der Weinberge, die mich bei der hohen Luftfeuchtigkeit mit ihren Steigungen zu SchweißausbrĂŒchen fĂŒhrten.

Best of Steigung von oben betrachtete 27 Prozent!

Am Ende des Tages war ich wieder einmal froh gut angekommen zu sein, ein Bett zu haben und stellte mit einem erschöpften Bedauern fest, dass dies der vorletzte Streich auf meinem 2022er Camino gewesen ist.

Ich trödelte in meinem kleinen Airbnb-Zimmer in der „Rue Gelix Tisserand“ nach der wohltuenden Körperpflege gemĂŒtlich vor mich hin und hielt anschließend im Ort relativ spĂ€t nach einem Restaurant Ausschau. Das hatte leider zur Folge, dass ich in keinem der erstaunlicherweise zahlreichen GasthĂ€user einen Platz mehr bekam. Meine Schuld. Die Franzosen lieben eben das Leben und strömen nach den so sehr belastenden gesellschaftlichen EinschrĂ€nkungen der vergangenen zwei Jahre verstĂ€ndlicherweise in Scharen in die Restaurants der Orte und StĂ€dte.

Ortsmitte Nuits-Saint-Gorges

Ich habe dann eben ersatzweise eine vegetarische Pizza zum Mitnehmen bestellt und diese auf einer gemĂŒtlichen Parkbank gegessen. Sie hat mir ĂŒbrigens sehr gut geschmeckt und der schöne Blick auf die „Les Caves Du Palais“, den ich beim Essen hatte, ist sicherlich klein wenig entschĂ€digend fĂŒr das Dilemma meiner erfolglosen Tischsuche im Burgund.

Les Caves du Palais

C‘est la vie! Morgen geht es zum Abschluss nach Beaune.

Bon nuit des Nuits-Saint-Gorges

Die Bilder des Tages

Auszug aus Dijon
ganz schön warm heute
da will ich aber nicht hin
beeindruckendes Dach
Die FrĂŒchte der Pilger; hier: Mirabellen
Pilgerdoping in bleu
Dali, oder was? Kunst auf dem Weg.
Heute schon in den Spiegel geguckt?
Weingut
bescheidenes Cru Weingut
Napoleon!
auch hĂŒbsch anzusehen
Der Weg
Das Symbol
Winzer Snapshot
Friedhof Nuits-Saint-Gorges
Kirche Nuits-Saint-Gorges
BlĂŒtenmeer/Pflanzenpracht
Nuits-Saint-Gorges
Rathaus Nuits-Saint-Gorges
Pilgerbelohnung vor dem Schlaf
noch 1 x schlafen und dann ist Schluss
Dijon!

Gleichwohl ich voranstellen muss, dass ich mich heute definitiv in die Stadt Dijon verliebt habe, gehören die nÀchsten Zeilen Daniel meinem ebenfalls pilgernden Gastgeber in Ahuy.

Der 83 jĂ€hrige verwitwete Rentner und ich hatten uns so viel zu erzĂ€hlen ĂŒber unsere Erfahrungen auf den Jakobswegen und darĂŒber hinaus. ZunĂ€chst war ich doch baff erstaunt, dass sich Daniel nahezu ausschliesslich auf Deutsch mit mir unterhielt. Der Grund fĂŒr seine Sprachkenntnisse liegen lange Zeit zurĂŒck und hĂ€ngen mit der Liebe seines verstorbenen Vaters zusammen, der 40 Jahre in Deutschland lebte, mit einer deutschen Frau liiert war und mit dieser und seinem Sohn Daniel lange Jahre in der NĂ€he von Freiburg lebte.

Pilger unter sich, Daniel und Heiner im Garten des Gastgebers

Das Haus von Daniel könnte glatt als Heimatkundemuseum durchgehen, Orden ĂŒber Orden, Pilgerurkunden und andere Pilgerutensilien, aber auch Lauf-Teilnehmerurkunden in jeder Ecke seines großen, von ihm allein bewohnten, Hauses. TeilnahmebestĂ€tigungen von MarathonlĂ€ufen in New York, Berlin, Tokyo und Ultra-Laufveranstaltungen ĂŒber 100 km Strecke deuten nur ansatzweise an, welch großartiger Sportler Daniel gewesen sein muss. Bei allen gelebten und geliebten AktivitĂ€ten scheint die Pilgerei aber Daniel am meisten am Herzen zu liegen. Nahezu euphorisch redet er ĂŒber dieses Thema und verrĂ€t in einem kleinen Nebensatz seine auf den Jakobswegen nach Santiago de Compostella insgesamt gelaufene Gesamtstrecke in Höhe von 10.000 Kilometern.

Daniels Tampon Sammlung

Mit meinen ungefĂ€hr 3.800 gepilgerten Kilometern gelte ich da ja fast noch als Pilger-Novize, merke aber demĂŒtig an, dass ich ja noch ein wenig Zeit habe Daniel nachzueifern.

Merci beaucoup Daniel. Ohne den „Lonely Planet fĂŒr Pilger“ hĂ€tte ich diese schöne Zeit mit dir wohl nicht erlebt! Bon camino. Ultreia!

Daniels HaustĂŒre verziert mit der Jakobsmuschel

Nachdem ich Daniels Haus verlassen hatte, ging es zunĂ€chst einmal zum Rathaus der Gemeinde Ahuy mit seinen 1.464 Einwohnern. Das Chef-Sekreteriat kĂŒmmerte sich höchstpersönlich um den Stempelabdruck in meinem „Credencial del Peregrino“ und erklĂ€rte sich bereit, in den nĂ€chsten Stunden nach einer Pilgerunterkunft fĂŒr mich in der Stadt Dijon suchen zu lassen. Meine Versuche etwas in diese Richtung vorab alleine auf die Beine zu stellen waren dieses Mal trotz aller Tricks und Lonely Planet Listen gescheitert.

Mit reichlich VerspĂ€tung ging es dann auf den „Chemin“ und aus den grauen Wolken fiel tatsĂ€chlich etwas Nasses. Regen im Departement Cote D‘dor! Dieser sollte bis zu meiner Ankunft in Lyon immer wieder mal schauerartig vom Himmel fallen.

Der Pilgerverein im Burgund hat eine wunderbare StreckenfĂŒhrung durch die Natur festgelegt, die dadurch leider auch einen großen Bogen um das Zentrum der Stadt Dijon macht. Ich finde es sehr schade, dass den Pilgern dieses schöne Etappenziel genommen wird. Was wĂ€r beispielsweise der Camino Frances ohne die Etappenziele im Stadtzentrum von Burgos und Leon?

der Jakobsweg geht um Dijon herum

Ich hatte von Anfang an zum Ziel, bei meinem diesjĂ€hrigen Pilgerabenteuer Dijon zu erreichen und die Stadt dann aber auch fĂŒr ein paar Stunden besichtigen zu wollen.

Über Fontaine-lĂšs-Dijon, Talant, den Lac Chanoine Kir und den Bahnhof von Dijon erreichte ich dann frĂŒhnachmittags die riesige Altstadt von der Hauptstadt der Region Bourgone-Franche-ComtĂ©. Eigentlich hatte ich das GefĂŒhl, dass ganz Dijon eine einzige große Altstadt ist, soviel kann man dort besichtigen und Kultur erleben.

Aufgeweicht vom bis dato in 14 Tagen nicht aufgetretenen Regen wollte ich nicht bis zum Anruf der ChefsekretĂ€rin des BĂŒrgermeisters von Ahuy warten und bezog kurzerhand ein gĂŒnstiges hervorragend gelegenes Airbnb-Studio unmittelbar am „Place de la LibĂ©ration“. Ich kam aus dem Staunen ĂŒber die Schönheit und die AtmosphĂ€re der Stadt nicht mehr heraus.

Besonders kennzeichnend fĂŒr die Freundlichkeit und VerlĂ€sslichkeit der Menschen hier im Burgund erreichte mich dann gegen 19:30 doch noch ein Anruf, dass man endlich eine Unterkunft bei „Bekannten“ fĂŒr mich gefunden hĂ€tte, die sich freuen wĂŒrden, wenn ich heute Abend ihr Gast sein wĂŒrde. Die Frau am anderen Ende der Leitung sprach Deutsch und ich fĂŒhlte mich fast schon ein wenig schuldig, die schnelle Unterkunftslösung in meinen nassen Klamotten sehr frĂŒhzeitig vorgezogen zu haben, bedankte mich fĂŒr diesen rĂŒhrigen Einsatz.

Je taime Cote d‘Dor.

es ist nicht die Schokolade, die kommt nicht aus Frankreich, sondern aus Belgien 🇧đŸ‡Ș ! 🙈

Beim nÀchsten Mal bringe ich definitiv ein besseres Französisch mit auf den Pilgerweg.

Nach dem Stadtrundgang und guter indischer KĂŒche ging es dann wieder zurĂŒck ins Studio Nr. 1, schließlich stehen ja noch zwei vollwertige Etappen bis Freitagnachmittag auf dem Pilgerplan .

Morgen frĂŒh benötige ich erstmal wieder 5-6 Kilometer um auf den Jakobsweg zurĂŒckzukehren.

Danach gehts ĂŒber ChenĂŽve, Marsannay-la-CĂŽte und andere nicht genannte Orte nach Nuits-Saint-Georges! Insgesamt, wenn ich mich nicht verlaufen werde 🙈, ist das dann eine „anstĂ€ndige“ 27 Kilometer lange Pilgerwanderung.

Bon nuit de Dijon (Studio 1)

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages zum Teil, aus schlaftechnischen GrĂŒnden, ohne Untertitel

Rathaus Ahuy
Wer ist der Mann im Regen? Wo ist sein Hut?
Purple rain!
zauberhafter Weg nach Dijon
Welcome to Dijon. Geschafft!
Regen in Dijon und in Deutschland brennt der Baum
Studio 1 bepilgert
Eglisé Saint-Michel
Die Wahrheit steht im KĂŒhlregal
Konzert 30 Meter vom Studio 1 entfernt!
Konzertmitschnitt ohne GEMA-GebĂŒhren
Hab den Kleinen beim indischen Restaurant geschenkt bekommen weil ich meinen Spinat so schön verputzt habe đŸ„ŸđŸ€ 
Den Morgen verbringe ich gerne im Sonnenblumenfeld.

Die Unterkunftssuche stellt den Pilger auf dem Chemin des Allemandes mitunter, wie an dieser Stelle wiederholt aufgezeigt, vor unlösbare Aufgaben. Nach ein paar Wochen hier auf dem Jakobsweg in Frankreich habe ich endlich verstanden wie es besser laufen kann! Die privaten und gewerblichen Anbieter der UnterkĂŒnfte besitzen in allen Departements umfangreiche DatensĂ€tze und Listen ĂŒber anderweitig nicht publizierte private Unterkunftsmöglichkeiten entlang des Weges.

Der Datenschutz lĂ€sst ein schĂ€rferes Foto nicht zu 😈!

Diese „Betten“ sind zwar nicht immer direkt am Weg gelegen, aber auf ein paar hundert Meter kommt es bei den zumeist machbaren Tagesetappen dann auch nicht mehr an. Das schöne an den Listen ist, dass die privaten UnterkĂŒnfte sehr hĂ€ufig von Leuten zur VerfĂŒgung gestellt werden, die selbst Pilger sind und gegen „Donativo“ die Übernachtung nur fĂŒr auf dem Weg befindliche Pilger zur VerfĂŒgung stellen. Wenn es schon kaum Herbergen auf dem Weg gibt, dann ist das fĂŒr mich zumindest immer noch authentischer als „Hotelbesuche“ und passt einwandfrei zum Jakobsweg, da die Gastgeber die mĂŒden Pilger in den allermeisten FĂ€llen mit Pilger-Herzblut empfangen. Bisher habe ich jedenfalls beste Erfahrungen mit dieser Art der Übernachtungen machen dĂŒrfen. Auffallend ist, dass die meisten Gastgeber die angesprochen Listen, sozusagen den Lonely Planet Übernachtskatalog fĂŒr Pilger, ungern rausrĂŒcken und im Höchstfall einzelne Fragmente in Zettelform dem Pilger mit auf den Weg geben. Ich habe diesen gehĂŒteten Goldschatz mittlerweile von einem der bisherigen Gastgeber dankenswerter Weise vollstĂ€ndig ausgehĂ€ndigt bekommen und benutze ihn seitdem tĂ€glich bei meiner Quartiersuche.

Kennzeichnung des Weges im Cote D‘dor

So landete ich gestern bei Monsieur Sabatier in Marcilly sur Tille und staunte nicht schlecht als ich gegen 17:00 Uhr zum verabredeten Zeitpunkt vor einem abgeschlossenen Tor stand.

Das Tor zum PilgerglĂŒck

Dahinter befand sich ein riesiges parkĂ€hnliches Anwesen am Fluss und der historischen MĂŒhlenanlage des Ortes Marcilly-sur-Tille. Mittendrin ein riesiges malerisch gelegenes großes Herrenhaus. Beim Anblick dieser kinowĂŒrdigen Kulisse lief der Spielfilm in meinem Kopf schon ab. WasserhĂ€hne aus Gold, EntmĂŒdungsbecken fĂŒr Pilger, eisgekĂŒhlter Burgunder am Pool und Barbecue. Man da habe ich heute ja das ganz große Los gezogen! Nach kurzer Zeit kam Herr Monsieur zum Tor, öffnete es aus der Ferne mit ner Funkverbung, und begrĂŒĂŸte mich freundlich auf seinem Anwesen. Als ich in freudiger Erwartung in Richtung des feudalen Herrenhauses gehen wollte, zeigte er ĂŒberraschenderweise mit einer eindeutigen Handbewegung in die andere Richtung, also wieder vom Anwesen weg auf die Straße. Was soll das denn geben, dachte ich leise vor mich hin, zumindest leicht irritiert in diesem wieder zuhöchst bĂŒhnenreifen Moment. Ich hatte mich doch schon so sehr auf das Pilgerluxusleben eingestellt
 . Der weitere Weg war dann zumindest nicht weit, genau gesagt waren es lediglich 10 Meter. Das Anwesen von Monsieur Sabatier ist unter anderem von der historischen MĂŒhlenanlage eingegrenzt, die wohl offensichtlich auch noch zu seinem Anwesen zĂ€hlt.

MĂŒllers MĂŒhle

Zugleich öffnete er das erste erreichbare Schloß und schwupps standen wir vor einem niedlich hellen historischen HĂ€uschen.

mein MĂŒhlenreich

„Voila“, dies war also meine puristische Übernachtung. Das historische Haus des MĂŒllers, der erschöpft von der harten Arbeit in vergangenen Zeiten nicht all zu weit von der MĂŒhle wohnen sollte um quasi stĂ€ndig verfĂŒgbar zu sein. Genau genommen zĂ€hlt das KnusperhĂ€uschen damit zur MĂŒhlenanlage. Monsieur erklĂ€rte mir mit einem besonderen Schalk im Nacken, dass ich fĂŒr eine Nacht in die Rolle des MĂŒllers schlĂŒpfen wĂŒrde.

1 MĂŒhlen-Mann-Albergue

Mir gefiel das Szenario, dennoch war ich mir irgendwie nicht sicher, ob der MĂŒller in frĂŒheren Jahrhunderten eine Dusche und ne Toilette kannte. Damit lag ich mal zu 100 Prozent richtig, die Toilette war 50 Meter entfernt in einem Schuppen des NachbargebĂ€udes untergebracht. Um diese zu benutzen wurden mir sage und schreibe drei SchlĂŒssel ausgehĂ€ndigt. Auf meine ergĂ€nzende Frage nach der Duschmöglichkeit, zeigte Monsier mit einem breiten Grinsen auf eine im Haus befindliche verblichene gelbliche PlastikschĂŒssel mittlerer SpĂŒlgrĂ¶ĂŸe.

Mann achte auf die SpĂŒl-/DuschschĂŒssel

Anschließend begutachtete er gemeinsam mit mir die Stelle am Fluß, wo ich mich zur Körperpflege unbeobachtet entkleiden könne.

Duschplatz am Fluss

Ich nahm alles mit ner großen Prise Humor und sagte zu ihm, dass es in Indien am Ganges genauso sei. Willkommen im naturverbundenen puristischen Pilgerleben! Ich tat, wie mir beFOHLEN wurde und machte mich am Fluss nackig. Herrlich! Das Pilgermenue stellte ich mir im örtlichen Einkaufsmarkt zusammen, da die Restaurants vort Ort ( Achtung: running gag) geschlossen hatten.

Des MĂŒllers Abendmahl in der MĂŒhle

Geschlafen habe ich ĂŒbrigens herrlich als MĂŒller fĂŒr eine Nacht. Am heutigen Morgen brachte Monsieur mir gegen 07:00 Uhr dankenswerterweise frisch gebrĂŒhten Kaffee zum MĂŒllershaus, setze den Tampon (deutsch: Stempel) in meinen Pilgerausweis und ich war 10 Minuten spĂ€ter wieder auf meinem Weg, ohne auch einen weiteren Blick vom Herrenhaus im Park wĂ€hrend meines gesamten Aufenthalts erhascht zu haben. So ist eben das harte Leben eines MĂŒllers!

Der MĂŒller und sein Chef

Die heutige Tagesetappe nach Ahuy war insgesamt betrachtet eine staubtrockene und menschenleere Angelegenheit deren Höhepunkte zum einen eine zum 2ten FrĂŒhstĂŒck verzehrte leckere, mit Carte D‘or Schokolade und Bourbonne Vanillepudding gefĂŒllte, Schnecke 🐌 und ein geniales Mittagsmenue in Messigny-en Vantoux waren.

so schaut es aus wenn ich nach unten gucke

GlĂŒcklicherweise hatten die Streckenplaner wieder ein Einsehen mit mir im Glutofen. Den kerzengeraden, langen und smarten Aufstieg nach Ahuy konnte ich im schattigen Wald gut meistern. Mein Lonely Pilger Planet FĂŒhrer hat mir heute eine Übernachtung bei dem vitalen 83 jĂ€hrigen Daniel geschenkt. Von ihm werde ich morgen an gewohnter Stelle ein bisschen mehr erzĂ€hlen.

Es lebe der Camino.

Ahuy!

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages:

WĂŒstenblumen
Pilgerziel ist 

Cote D‘or Schnecke 🐌
ist das Mittagsmenue wirklich ne gute Entscheidung? Aber
 Siesta muss sein.
auf dem Weg zum feudalen Mittagsmenue
der Blick zurĂŒck auf den gegangenen Weg
schönes Haus auf dem Weg
Weinstöcke đŸ· im Burgund
Friends will be Friends, oder was wĂ€re ich ohne die KĂŒhe auf dem Weg!
bescheidenes Pilgermahl
Durch den Wald nach Ahuy
bei Daniel angekommen
und die tĂ€gliche PilgerwĂ€sche ist auch schon erledigt đŸ€ 
Der Caminopilger ist noch 3 Tage auf dem Weg.
So sieht ein Vorzeige-Morgen auf dem Jakobsweg aus

Ich muss zu Beginn meiner AusfĂŒhrungen etwas zum gestrigen Aufenthalt nachreichen. Völlig unverhofft bin ich erneut in einer Herberge gelandet. Namentlich die Unterkunft des Pfarrzentrums „Centre Paroissial Nazareth“ in Grancey-le-ChĂąteau. Die voll ausgestattete Herberge hat Platz fĂŒr 8 Pilger. Wie sehr ĂŒberraschend, dass sie fĂŒr mich gestern wieder zur Einzelbelegung bestimmt war. Die auf dem Zettel von Madame Vollmer angegebene Familie Naudet, die ihr Haus nur einen Steinwurf entfernt von der Herberge bewohnt, hat mich dann kulinarisch mit vier herumtollenden Enkelkindern hervorragend am Abend verwöhnt und am heutigen Morgen mit einem leckeren FrĂŒhstĂŒck versorgt. Ein bunter Sprachmix aus Französisch, Englisch und Deutsch sorgte fĂŒr eine sehr kurzweilige Zeit, in der viel gelacht wurde. Madame Naudets Rhabarbermarmelade und der KĂ€se aus der KĂ€serei des Schwiegersohns sind einfach unschlagbar gut. Als Pilgermedizin wird auch im Hause Naudet unmittelbar nach dem Eintreffen belgisches Abteibier gereicht!

die zweite Herberge auf dem Weg
Pilgermedizin die Zweite

Am heutigen Morgen bemerkte ich schon bald beim Blick auf eine Straßenmarkierung kurz nach dem Verlassen von Grancey-le-ChĂąteau, dass ich wohl schon gestern erneut das DĂ©partement gewechselt hatte. Nun pilgere ich durch das sonnenĂŒberverwöhnte Departement CĂŽte D‘or. Warum nur bekam ich bei diesem klangvollen Namen Heißhunger auf Schokolade?

SchokoladengelĂŒste bei 38 Grad Außentemperatur

Hauptstadt der Gebietskörperschaft CĂŽte D‘or ist Dijon. Damit ist klar, dass ich schon bald mein diesjĂ€hriges Pilgerziel erreichen sollte.

Aus der Heimat erreichte mich am heutigen Nachmittag ĂŒbrigens ein fĂŒrsorglicher und flehender Anruf. „Ich sollte doch bitte meine Wanderung wegen der verheerenden Temperaturen vorzeitig abbrechen.“ FĂŒr den heutigen Tag darf ich Entwarnung geben. Traumhaft schattige Pfade und sonnenĂŒberflutete Wege hielten sich in etwa die Waage. Den Streckenplanern in CĂŽte D’or darf man an dieser Stelle einmal ein Kompliment machen. Ich hatte meine GedankengĂ€nge bei der Tagesetappe noch beisammen und torkelte auch nicht herum. Übermorgen sollen die Temperaturen, wie auch in Deutschland, schon wieder deutlich heruntergehen und das erleichtert die letzten Tage meiner Pilgerwanderung doch sehr. Die morgige Hitzeetappe ist von der StreckenlĂ€nge (ca. 22 km) entsprechend dem Wetterszenario angepasst.

Wandern đŸ„Ÿ in der CĂŽte d‘Or Sahara

Gestört hat mich heute vielmehr, dass ich kurz hinter Marey-sur-Tille ca. 300 Meter auf einer frisch geteerten Straße laufen musste. Mein Einwand, dass dieser Belag doch sicherlich nicht all zu gut fĂŒr meine Schuhsohlen sein werde, ließen die Bauarbeiter nicht gelten und gaben auch mir das Fahnenzeichen zum Start. So wurde ich dann von oben und von unten gegrillt und wunderte mich nach dem Verlassen der Piste in Richtung Waldweg, dass ich eine klebrige schwarze Masse im rechten Schuh und an der Socke zu beklagen hatte. Es muss wohl an meinem Laufstil im Fohlengalopp gelegen haben, dass ich soviel schwarzes Zeug hochgewirbelt habe. Die örtliche Straßenmeisterei von Marey-sur-Tille hat sich auf jeden Fall bereit erklĂ€rt, die erforderlichen Instandsetzungskosten des der Schuhwerkes zu ĂŒbernehmen. Die Sohlen meiner Lowa-Boots haben die Geschichte hingegen erstaunlicherweise schadlos ĂŒberstanden.

Die abenteuerliche Geschichte meiner heutigen BettstÀtte erzÀhle ich dann erst morgen, sonst komm ich ja gar nicht mehr zur dringend gebotenen Nachtruhe.

Bon nuit de Grancey-le-ChĂąteau

Die Bilder des Tages:

Der Pilger vor dem Haus der Familie Naudet
Bienen 🐝 und Hummeln sind dieses Jahr viel zu kurz gekommen, oder gibt es sie vielleicht auch in Frankreich đŸ‡«đŸ‡· gar nicht mehr so hĂ€ufig ?
Rotes Gartentor
Cñrte d‘dor Schmetterling 80 % Schokolade
Im Zauberwald
„eigentliches Tagesziel“ Is sur Tille erreicht!
„kleine“ Pilgerbelohnungen
Sightseeing in Is-sur-Tille
Marcilly-sur-Tille, Holland oder was?
Der Caminopilger wandert 2022 noch 4 Tage auf dem Chemin des Allemandes!
Der Caminopilger hat am 29.08.2023 Le Puy-en-Velay gehenden Fußes erreicht.

*Siebenmeilenstiefel bezeichnen in der Mythologie Stiefel mit Zauberkraft, die dem TrĂ€ger die FĂ€higkeit verleihen, in kurzer Zeit weite Entfernungen zurĂŒckzulegen.

Dienstagnachmittag, 29.08.2023:

Die Camino-Euphorie der in Le Puy beginnenden Pilger kann ich nicht mehr teilen.

Stadtrundgang in Le Puy-en-Velay
Eingang zur Kathedrale

Ich suche in den schönen Gassen tatsÀchlich keinen Pilgerkontakt, obwohl ich in den Wochen zuvor quasi förmlich danach lechzte. Hier in Le Puy scheint der Chemin Saint Jacques in Richtung Spanien Hochkonjunktur zu haben.

welche großartige Baukunst in Le Puy

An so mancher Ecke der stolzen Stadt sehe ich mit Jakobsmuscheln verzierte RucksÀcke und blicke mit einigem Abstand in Gesichter, die voller Vorfreude sind.

Gasse in Le Puy-en-Velay

Bei mir stellt sich, neben der Freude und dem Stolz es bis Le Puy als Fußpilger geschafft zu haben, auch eine gewisse Leere ein.

buntes Treiben in der Stadt

Mein Körper schaltet in den Sparmodus und möchte sich erholen.

Marienstatue Le Puy

Ich atme nach insgesamt 18 Wandertagen ohne Unterbrechung einmal tief durch ohne stundenlang an den nĂ€chsten Übernachtungsort denken zu mĂŒssen.

Le Puy-en-Velay

Nach dem Stadtrundgang höre ich beispielsweise zum ersten Mal seit Wochen meine geliebte Musik. Tides from Nebula, Marillion und unvermeidbar die Band „from the north side of Dublin“, die mir so sehr viel im Leben bedeutet: U2!

Ein Übergleiten ins fast schon „normale“ Freizeit-/Urlaubsverhalten ist da mehr als ansatzweise erkennbar. Mit MĂŒhe schaffe ich es vorab zwei Fotos aus Le Puy mit der Nachricht meiner Ankunft zu posten.

Als Schreibblockade am Pilgerziel muss man das vielleicht nicht unbedingt deuten. Ich weiß ja, dass ich heute im Zug

Pilger auf dem Weg zurĂŒck in die Heimat

und am Flughafen in Lyon ausreichend Zeit habe, ĂŒber den letzten Tag auf meinem diesjĂ€hrigen Jakobsweg zu berichten und bin selber gespannt, welche Ereignisse und Geschichten ich dabei erzĂ€hlen werde.

Futuristischer Flughafenbahnhof in Lyon

Auf dem Weg zum Bahnhof lasse ich es ebenfalls langsam angehen, besuche einen Park

Letzter Blick aus dem Park auf die Wahrzeichen von Le Puy

und meide damit weiterhin das bunte Pilgertreiben in der Stadt.

Gare de Le Puy en Velay

Nicht nur ich befinde mich im Zeitlupenmodus 
 ĂŒberraschenderweise auch die französische Bahn, die 20 Minuten VerspĂ€tung fĂŒr meinen Zug nach St. Etienne ChĂąteaucreux angekĂŒndigt hat.

Da verwöhnt „Mann“ sich doch glatt die zusĂ€tzliche Wartezeit mit einem weiteren Cafe und sĂŒĂŸem Schoko-GebĂ€ck.

Cafe

Doch so langsam sollte ich mal zu Potte kommen und mit dem Bericht meines letzten Tages auf dem Chemin des Allemandes auch beginnen 
 .

Der Anfang des gestrigen Tages war im Hinblick auf die kurze letzte Etappe schon einmal frohlockend. Ich blieb einfach lÀnger als vorgesehen im Pilgerbett der Familie Cubizolle liegen.

Nach dem Aufstehen wartete ein ĂŒberaus großzĂŒgiges FrĂŒhstĂŒck auf mich. Sabine, Frederic, MĂ©lina und auch Titouan erfĂŒllten mir in meiner schönen Zeit in ihrem Haus nahezu jeden Wunsch.

FrĂŒhstĂŒck deluxe

Es war mir insbesondere eine große Freude von Frederics Bio-Honig naschen zu dĂŒrfen, den er als Hobby-Imker in kleinen Mengen fĂŒr die Familie und Freunde produziert.

Ein „Parfume“, das ich sogar in Form eines randgefĂŒllten großen Glases „Miel“ als Souvenier mit nach Hause nehmen durfte.

Ein weiterer Höhepunkt war fĂŒr mich das PflĂŒcken von Obst und Tomaten aus dem heimischen Garten der Familie. Alles selbstredend chemiefrei angepflanzt und aufgewachsen, ganz so, wie es Mutter Natur bestimmt hat.

Mélina und Henry

Im Nachhinein erzĂ€hlte mir MĂ©lina, dass ich bereits der vierte Pilger gewesen sei, den die Familie in ihr Haus aufgenommen habe und sie selbst im Jahr 2022 einige Etappen auf dem Chemin ab Le Puy-en-Velay gelaufen sind. Als Beweis wurde mir stolz ein französisches „Credential“ mit den entsprechenden StempelabdrĂŒcken prĂ€sentiert.

Ich wurde damit tatsĂ€chlich von Pilgern beherbergt und kann der erfrischend natĂŒrlichen MĂ©lina gar nicht genug danken, dass sie es war, die mir dieses Pilgererlebnis in erster Linie ermöglichte.

Zum Abschied schossen wir ein paar Erinnerungsfotos vor dem „Pilgeranbau“ und dann hieß es auch schon „Merci becoup et au revoir“.

Familie Cubizolle und der Caminopilger

Wie liebenswert diese tolle Familie doch ist, konnte man an der abschließenden Geste erkennen. Sie hatten fĂŒr mich in ihrem Garten einen Becher voller sonnengereifter köstlicher Tomaten geerntet und ĂŒberreichten mir diese als Proviant fĂŒr die kurze Etappe nach Le Puy.

Köstliche Bio-Tomaten

Nach all der Trödelei meinerseits lief ich dann endlich gegen 10:00 Uhr los, um an der nĂ€chsten Ecke schon wieder Fotos zu knipsen und mit der Welt außerhalb des Jakobsweges zu kommunizieren.

Brombeerfarbene trÀumerische Motive

Aus meiner TrĂ€umerei wurde ich dann plötzlich durch den Anruf der Vermieterin des von mir in Le Puy gebuchten Studios gerissen. Diese teilte mir kurz und knackig mit, dass ich aufgrund ihrer beruflichen Pflichten unbedingt gegen 13:30 Uhr in Le Puy sein mĂŒsste um frĂŒhzeitig in das Appartement kommen zu können.

Blick zurĂŒck auf Saint Paulien

Wollte ich etwa meine verbleibende Zeit auf dem Chemin Saint Jacques kĂŒnstlich verlĂ€ngern?

Beim Blick auf die Uhrzeit bemerkte ich, dass ich bei einer verbleibenden Strecke von 13 Kilometern mich schon 30 Minuten im Hintertreffen gegenĂŒber der im WanderfĂŒhrer angegeben Streckenzeit befand um Le Puy um 13:30 Uhr tatsĂ€chlich erreichen zu können.

Wie von der Tarantel gestochen schnĂŒrte ich meine Siebenmeilenstiefel noch einmal neu und lief, so schnell ich konnte und die abgelaufenen Vibramsohlen es noch zuließen.

Das letzte Tagesziel: Le Puy-en-Velay

UnzÀhlige fotografisch einfach nicht zu vernachlÀssigende Motive und zusÀtzlich, infolge meiner Unachtsamkeit, gelaufene Meter verschlimmerten meinen zeitlichen Druck.

Burg Polignac

Letzendlich lag ich 1,8 Kilometer vor dem Etappenziel trotz aller HĂŒrden punktgenau in der vorgegebenen „Deadline“.

Diese Energieleistung hÀtte ich mir am letzten Tag wirklich nicht mehr zugetraut, zumal mein vor dem Chemin bereits angeschlagener linker Huf sich in den letzten Tagen immer hÀufiger bei mir meldete 
 .

Fohlenhufe

Der kraftzehrende Aufwand war letztendlich völlig unnötig, da Madame Souvignet mich kurz danach völlig tiefenentspannt anrief und mir mitteilte, dass ich jetzt doch langsam pilgern könne, da sich ihre PlĂ€ne geĂ€ndert hĂ€tten und sie erst nach 14:00 Uhr an der Wohnung zur Übergabe sein wird.

Pilger auf dem Weg nach Le Puy

Schlagartig legte ich mich ins Gras eines Parks vor dem Stadtkern Le Puys und zog die Siebenmeilenstiefel einfach aus.

Wahnsinn, diese Frau hatte es tatsĂ€chlich geschafft, meinen Puls auf diesem Teil des Jakobswegs erstmalig auf 180 zu bringen um dann den Stecker auf der Strecke „kurz vor knapp“ zu ziehen.

C‘est la vie!

ein bequemes Bett zum Abschluss

Belohnt wurde ich dafĂŒr aber von Madame Souvignet mit einem toll gelegenen und bestens ausgestatteten Apartement, das mir sehr behagte.

Luxus fĂŒr einen Tag in Le Puy

Sollte ich jemals Le Puy als Pilger wiedersehen, werde ich mich bei der Unterkunftssuche auf jeden Fall erneut vertrauensvoll an Madame Souvignet wenden!

Nachdem der Umstieg in Saint Etienne in den Anschlusszug nach Lyon in Sekundenschnelle doch noch klappte, kann ich meine kleine Geschichte ja weitererzÀhlen 
 .

Nach der wohltuenden Körperpflege und letzmaligen WĂ€sche der am Tag zum Einsatz gekommenen Pilgerklamotten, schaute ich mir meine Lowa Stiefel đŸ„Ÿ (Modell Trekker) einmal genauer an. Äußerlich sahen sie nach dem dritten Langstreckeneinsatz noch ganz ordentlich aus. Beide Vibram-Sohlen waren hingegen völlig abgelaufen.

gutes Schuhwerk ist die halbe Miete

Das fĂŒr sich allein betrachtet ist sicherlich nicht ganz so schlimm.

In vergleichbaren FĂ€llen hatte ich meine vormalig eingesetzten Trekker fĂŒr knapp 100€ bei der Firma Lowa direkt besohlen lassen.

ZusĂ€tzlich hatte ich mir dieses Mal bei den „Bergetappen“ leider auch noch die „Hackenseite“ des linken Stiefels von innen schwer beschĂ€digt.

Dort fehlte am Ende des Weges in Le Puy ein ganzes StĂŒck des Innenleders, das auf abenteuerliche Weise offensichtlich weggescheuert wurde und ein Loch in der Fersenpolsterung ans Tageslicht brachte.

Aus diesem Grund klebte ich in den letzten Tagen auch tÀglich meinen Fersenbereich dick mit Hansapflast zu, um keine offenen und wunden Stellen im Achillessehnenbereich heraufzubeschwören!

Ich setze diesen Stiefeltyp bei meinen Wanderungen nunmehr seit 15 Jahren ein und hatte noch nie solch eine schwerwiegende BeschÀdigung zu beklagen.

Zuhause bei mir am Niederrhein lagern jedoch noch zwei Paar frischbesohlte Trekker Stiefel.

Kurzerhand entschied ich, dass die so schwer „angeschlagenen“ Siebenmeilenstiefel besser in Le Puy-en-Velay verbleiben sollten.

„Vielleicht kann jemand die Trekker in der Not noch eine gewisse Zeit auf dem Jakobsweg einsetzen, bzw. lĂ€sst sie vor Ort fĂŒr kleineres Geld als beim Schuhhersteller reparieren“ waren meine diesbezĂŒglichen Überlegungen und Gedanken.

Ich nahm die Schuhe am frĂŒhen Nachmittag verpackt in einer Einkaufstasche mit zur Erkundung der schönen Stadt und fand gleich um die Ecke meiner Unterkunft auch einen geeigneten „Friedhof fĂŒr Wanderschuhe“.

Eine wunderschöne Fassade mit Pilgermotiven in GÀnze.

Feierlich stellte ich mein Schuhwerk auf ein Podest an einer Hauswand, dekoriert mit schönen Camino-GemÀlden, ab und dokumentierte die Zeremonie.

Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, ob die Trekker bei meiner RĂŒckkehr am Abend noch am Abstellort sein wĂŒrden!

Kann man jemals noch einen schöneren Ort fĂŒr eine feierliche Stiefelverabschiedung finden?

Anschließend fand ich im Stadtzentrum einen „Barber“, der mit seinem Handwerk endgĂŒltig meine Verwandlung vom Caminopilger zum Tagestouristen vornehmen sollte.

Der Meister geht rigoros ans Haupthaar ran!

Das Ergebnis hat dann auch mich sehr belustigt.

Wer war eigentlich dieser Mann, der glattrasiert und geschoren eigentĂŒmliche Selfies vor dem bunten Barber-Salon schoss?

Ex-Caminopilger Henry

Stiefel abgelegt, Barthaare und Haupthaar rasiert, spÀtestens jetzt war ich im erstmals getragenen langÀrmigen Odlo-Hemd kein Pilger mehr.

Ich genoss diese deutlich unauffĂ€lligere neue Rolle in meinen Keen-Sandalen in der Pilgerstadt und „feierte“ meinen Abschied vom Pilgerdasein zunĂ€chst alleine in einer abgelegenen Pizzeria mit einem leckeren Essen und regionalem Bier.

Pilger haben einen gesunden Appetit 


Am Vortag hatte ich mich völlig ĂŒberraschend und zu meiner großen Freude noch einmal mit Julie, der Pilgerin aus DĂŒsseldorf die schon in Le Puy weilte, auf ein Abschiedsbier am Abend verabredet.

Mitpilgerin Julie

Ich durfte mir zur Feier meines Pilgerabschieds die Bar „le Shamrock☘“ aussuchen.

Guinness from Ireland

Julie reagierte zunĂ€chst etwas irritiert als sie mich im neuen „Style“ im Pub sah.

Da die Anzahl der GĂ€ste zu diesem Zeitpunkt sehr ĂŒberschaubar war, mußte der an der Bar sitzende fremde Mann allerdings ihr Ex-Mitpilger Henry sein. Weitere Pilger hat Julie ĂŒbrigens auf der Strecke DĂŒsseldorf – Le Puy nicht getroffen!

Nach der freudigen BegrĂŒĂŸung tauschten wir uns intensiv ĂŒber unsere letzten, getrennt verbrachten, Tage auf dem Jakobsweg aus und verweilten dabei immerhin 1 1/2 Stunden in dem renovierungsbedĂŒrftigen Irish-Pub.

Die Geschichte von meinen Stiefeln und deren Verbleib interessierte Julie dabei doch sehr.

Wir beschlossen, den Wanderschuh-Friedhof gemeinsam zum Abschluss unseres Treffens aufzusuchen und zu prĂŒfen, inwieweit die Lowa-Boots dort noch standen. 10 Minuten spĂ€ter konnten wir uns dann am Ort des Geschehens feixend davon ĂŒberzeugen, dass mein Plan aufgegangen war.

Der Abschied von den Stiefeln ist definitiv!

Die Siebenmeilenstiefel waren in der Tat weg und hatten offensichtlich einen neuen Besitzer bekommen.

Keine 25 Meter von dieser Stelle entfernt ist auf der nĂ€mlichen Straße, 42 r St. Jacques 43000 le Puy en Velay, ĂŒbrigens ein Schuster angesiedelt, der Werbung fĂŒr seinen Vibram-Sohlen-Austauschservice im Fensterladen macht.

Über diesen Zufall mussten Julie und ich ebenfalls herzhaft lachen.

Vielleicht hat sich der neue Lowa-Trekker-Besitzer vor dem EigentumsĂŒbergang sogar noch schnell einen Kostenvoranschlag fĂŒr die Reparatur bei Monsieur Aurrelle eingeholt?

Vor der Verabschiedung machte Julie aus DokumentationsgrĂŒnden noch einmal ein paar ulkige Fotos von mir und dem leergefegten Stiefel-Friedhof. Dann galt es aber wirklich Abschied zu nehmen, da Julie, im Gegensatz zu mir, am nĂ€chsten Tag weiterpilgern und verstĂ€ndlicherweise nicht so lange auf den Beinen bleiben wollte.

Henry ohne Siebenmeilenstiefel

Buen Camino liebe Julie!

Ich möchte zum Abschluss noch ein kleines Fazit ziehen dĂŒrfen.

Die Strecke von Beaune nach Le Puy-en-Velay war eindeutig der schönste Abschnitt auf dem Chemin des Allemandes.

Kapelle Saint Michel

Ich bin sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin, gleichwohl ich mit bis dahin unbekannten Schwierigkeiten bei der Quartiersuche und Essensbeschaffung konfrontiert wurde.

Zum Zelt tragenden Fußpilger werde ich in diesem Leben deshalb aber bestimmt auch nicht mehr!

Der Tag auf dem Campingplatz auf diesem Chemin war völlig okay, aber das Zelt muss man mir dann bitte schön vor Ort auch bereithalten. 😉

Der grĂ¶ĂŸte Gewinn auf diesem Jakobsweg war fĂŒr mich, so vielen hilfsbereiten und sympathischen Menschen begegnet zu sein.

Die vielen schönen Geschichten dieses Weges werde ich bis zu meinem Lebensende nicht vergessen.

Wobei das Highlight fĂŒr mich in diesem Jahr sicherlich die fĂŒr einen Pilger völlig surreale „Champagnerparty“ inklusive der Beherbergung im Holzverschlag war.

Die Franzosen sind ein stolzes Volk!

Die Menschen haben das Herz am rechten Fleck und meistern in vielerlei Hinsicht mit Lebensfreude und Gemeinschaftssinn das tĂ€gliche Leben. Sie haben mir als Pilger unglaublich viele schöne Momente beschert. Ich bin sehr glĂŒcklich diese Erfahrungen gemacht haben zu dĂŒrfen. Auf all meinen Jakobswegen in Deutschland, Spanien und Portugal habe ich das bis dato in dieser IntensitĂ€t noch nicht ansatzweise erlebt!

Un grand merci pour cette hospitalité, chers Français !

Im nÀchsten Jahr werde ich aller Voraussicht nach eine Pilgerauszeit nehmen wollen.

Mein Ziel ist es aber auf jeden Fall noch einmal nach Le Puy-en-Velay als Fußpilger zurĂŒckkehren zu dĂŒrfen.

Le Puy-en-Velay UNESCO Weltkulturerbe

Den Weg nach Roncevalles, den Julie in den nÀchsten Wochen bewÀltigt, möchte ich ebenfalls bestreiten und als SahnehÀubchen noch bis Pamplona verlÀngern wollen, da ich im Jahr 2008 meinen Camino Frances, aufgrund der schlechten Wetterlage, nicht in Saint-Jean-Pied-de-Port (Frankreich) sondern in Pamplona (Spanien) begonnen habe.

Wie sehr wĂŒrde ich mich freuen, wenn meine Pilgerfreunde der ersten Stunde, Carsten und Stephan, mich dabei begleiten könnten!

Carsten, Heiner und Stephan
2008
am Cruz de Ferro in den Montes de LeĂłn

Vielen herzlichen Dank fĂŒr die vielschichtige Begleitung und wunderschöne UnterstĂŒtzung auf meinem diesjĂ€hrigen Weg.

Zauberhaftes Le Puy-en-Velay

Ich habe an so manchen Tagen daraus Kraft schöpfen können!

Der letzte Stempel im Pilgerausweis

Merci und Au Revoir

Der Caminopilger Henry

Nachtrag Lyon:

Eine klitzekleine Geschichte möchte ich noch aus der an der RhĂŽne und der Saone gelegenen Stadt nachtragen dĂŒrfen.

Auf meinem Weg zurĂŒck an den Niederrhein hatte ich noch einen mehrstĂŒndigen Aufenthalt in Lyon.

In der Innenstadt sprachen mich drei halbwĂŒchsige Jungs an, lobten mein Outfit und bezeichneten mich als „Indiana Jones“.

Zum Abschluss baten Sie mich um ein gemeinsames Foto auf dem ich ein wenig böse schauen sollte. Ich stimmte dem Wunsch der Jungs unter der Voraussetzung zu, dass ich das Foto auch per „Airdrop“ erhalten wĂŒrde.

Indiana Jones Gang

Bei Betrachtung des Fotos habe ich dann schnell erkannt, dass ich mit meinem Lederhut und den Stöcken in der Tat aus der Reihe fiel. Indiana Jones lass ich so gerade noch gelten. Der ist zwar kein Pilger, befindet sich aber derzeit zumindest auf einem Kreuzzug in den Kinos Europas.

Dem jugendlichen Indiana Jones-Fanclub hab ich zum Abschluss dieser netten Begegnung einen wesentlich besseren Film empfohlen:

SAINT JACQUES… PILGERN AUF FRANZÖSISCH

Pilgerlandschaft

Das war sie also meine vorletzte Etappe auf dem Chemin Saint Jacques im Kalenderjahr 2023.

GeprĂ€gt war sie vom heutigen „niederschlagsfreudigen“ Wetter.

Frankreich in den Bergen im Regen!

Nach dem Verlassen der Herberge in Saint-Georges-Lagricol traute ich meinen Augen kaum.

Das Unheil droht am Himmelszelt

Die Temperatur betrug bescheidene 10 Grad Celsius! StĂŒrmische Winde und einsetzender Nieselregen waren daneben weitere Faktoren die nicht unbedingt motivierend auf mich wirkten.

Innerhalb weniger Tage hatte ich damit also fast 30 Grad Temperaturunterschied auf dem Chemin zu „verarbeiten“.

Da kann man ja fast schon von einer anderen Klimazone sprechen!

Erschwerend kam heute hinzu, dass ich durch die stĂ€rkere Belastung am Vortrag doch noch sehr „schwere Beine“ hatte und nicht so richtig Fahrt beim Pilgern aufnehmen konnte.

Der Caminopilger könnte ruhig mal freundlicher schauen wenn er fotografiert wird, auch wenn es draußen regnet!

Zu Beginn des Tages fĂŒhrte der erste Weg 2,5 km stramm nach oben zurĂŒck auf den Jakobsweg.

Henry‘s Trail zum Jakobsweg Vol. 2

Meine restlichen LebensmittelbestĂ€nde hatte ich in der Herberge nicht mehr anrĂŒhren wollen und unterwegs verhinderte zunĂ€chst der stĂ€ndig eintretende Nieselregen ein frĂŒhzeitiges morgendliches Picknick im GrĂŒnen.

In einer Regenpause klappte es dann doch spĂ€ter mit dem Outdoor-FrĂŒhstĂŒck!

Wie gut, dass ich auf dem Weg „an jeder Ecke“ ĂŒber ausreichend vorhandene Brombeerhecken verfĂŒge, die mir „on the fly“ das Provitamin A lastige FrĂŒhstĂŒck lieferten und ganz nebenbei meine Kalzium-, Kalium-, Magnesium- und EisenvorrĂ€te im Körper auffĂŒllten!

Nach der ersten Gabe der leckeren FrĂŒchte aus Mutters Natur klappte es dann auch mit dem Laufen!

Überrascht war ich, dass am anderen Ende eines Brombeerstrauchs plötzlich „ZermalmgerĂ€usche“ zu hören waren. Ein Blick durch die Hecke lieferte dann fĂŒr mich die ĂŒberraschende Erkenntnis: KĂŒhe mögen auch gerne Brombeeren!

Horntragende Kuh nascht auch gerne Brombeeren!

Zwei Kilometer vor Erreichen des Zielortes Saint Paulien regnete es so heftig „Cats and Dogs“ vom Himmel, dass ich 25 Minuten spĂ€ter wie ein begossener Pudel klatschnass im BĂŒrgermeisteramt (Mairie) des hĂŒbschen Ortes stand.

Das Wetter schlug weiter Kapriolen und zeigte sich im weiteren Verlauf des Nachmittags von seiner besseren Seite.

10 Minuten vor dem Bild ging hier noch die Welt unter 
 .

Nachdem meine gestrigen fernmĂŒndlichen ReservierungsbemĂŒhungen fĂŒr den heutigen Zielort ausnahmslos scheiterten, erhoffte ich mir hier vor Ort UnterstĂŒtzung beim BĂŒrgermeisteramt bei der Quartiersuche! Nach einigen, offensichtlich ebenfalls nicht erfolgreichen Telefonaten durch das Sekretariat der Mairie erhielt ich den Hinweis doch besser ins Hotel zu gehen.

Bettsuche fĂŒr den Pilger in Saint-Paulien

Meine Kommunikation mit der Verwaltung wurde im Hintergrund aufmerksam von einer Jugendlichen verfolgt, die in der Reihe hinter mir stand um Dokumente auf dem Amt in Empfang zu nehmen.

Als ich im Begriff war meine sieben Sachen wieder einzupacken um in Richtung Hotel aufzubrechen, sagte die sympathisch und zurĂŒckhaltend wirkende Jugendliche urplötzlich zu mir:

„Wir haben zuhause einen Raum fĂŒr GĂ€ste mit einer Schlafmöglichkeit zur VerfĂŒgung. Ich rufe meine „Maman“ einmal an, ob das in Ordnung geht! Gesagt, getan. Die 16 jĂ€hrige SchĂŒlerin MĂ©lina schilderte am Handy ihrer Mutter die Sachlage und Maman war offensichtlich einverstanden mit den PlĂ€nen ihrer charakterstarken Tochter, die das GesprĂ€ch mit ihrer Mutter mit einem lĂ€ssigen „Cool!“ beendete. MĂ©lina hatte dem durchnĂ€ssten Pilger somit völlig spontan ein Domizil ermöglicht!

Ich freute mich sehr ĂŒber die Motivation der Familie Cubizolle mich in ihrem tollen Haus fĂŒr eine Nacht aufnehmen zu wollen und begab mich mit MĂ©lina auf den Weg zu ihrem Elternhaus im Ortskern von Saint-Paulien.

Pilgerzimmer fĂŒr eine Nacht

Wieder erlebte ich eine solch positive Geschichte, die offensichtlich nur der Jakobsweg schreiben kann!

Wer von uns könnte sich denn ehrlicherweise in der Heimat vorstellen, sich eines verschwitzten, völlig durchnĂ€ssten auslĂ€ndischen Wanderers anzunehmen und diesen spontan zu sich als Gast fĂŒr eine Nacht mit nach Hause zu nehmen?

Das ist der Zauber des Camino de Santiago/Chemin Saint Jacques!

kaum zu glauben, aber wahr 
 nur noch eine Etappe in diesem Jahr!

Au revoir

Henry

Die wenigen sonstigen Bilder des Tages:

(Anmerkung der Redaktion: Unerwarteter Weise funktioniert die Bedienung des Displays beim iPhone SE nur eingeschrÀnkt bei französischem Regen)

The Way
nasser Pilgerweg
die tĂ€gliche PilgerbrĂŒcke
glitschiger Untergrund
Esel und Pferd stellen sich unter, der Caminopilger nicht!
klatschnasse KĂŒhe
dĂŒstere Aussichten in den Bergen
Symbole
schöne WÀlder
rainy clouds
verschiedene Varianten des Chemins
es ist nicht mehr weit nach Saint-Paulien
Pilgerblick
begossener Pudel mit nassem Deckel bei der Ankunft im Zielort
Saint-Paulien
Saint-Paulien Ortskern
Honig- und Senfverkostung
The Trail of Henry

Nach der „ausschweifenden“ Nacht im Logis HĂŽtel le BĂ©franc standen heute einige Fragezeichen hinsichtlich der LeistungsfĂ€higkeit, des Streckenverlaufs und der Schwere der Etappe im Raum.

Black Beauty am Abend

Vor dem Verlassen des „Ausweichshotel“ stand selbstredend noch das Begleichen der Rechnung im Hotel an. Drei „zĂŒgellose“ kleine „BiĂšre noire“, sowie die Übernachtung mit Halbpension machte summa summarum 108,85€.

Da hat der Caminopilger es aber einmal anstÀndig krachen lassen!

Facture

Herzhaft lachen musste ich bei der AushĂ€ndigung und Begleichung der Facture dennoch, da diese auf den geheimnisvollen Klienten „HENRY FRANCE“ ausgestellt war.

Einfach herrlich unkompliziert diese Franzosen.

Nachdem der Chef des Hauses mich in langer Hose und Regenkleidung zum Abschied im Hotel fotografiert hatte,

Auf Wiedersehen!

stĂŒrzte ich mich in das mit 12 Grad wohltemperierte Nass, DAS der Himmel bis zum Mittag auf mich niederprasseln ließ.

Von den Spitzen der HĂŒgel und Berge war auf jeden Fall nicht mehr viel zu sehen.

Berge im Nebel

Die schöne Sicht schluckte dabei der unbarmherzige Nebel und die gnadenlos tiefhÀngenden dunklen Wolken.

Bis ich von Saint Bonnet le ChĂąteau startend wieder auf den Chemin des Allemands kam, sollten allerdings einige lange und aufstiegsreiche Abschnitte ĂŒberstanden werden.

BĂ€ume im Felsbrocken

Der erste Teil dieses Streckenabschnitts hat mir heute besonders gut gefallen, da ich fĂŒnf Kilometer entlang einer ehemaligen Bahntrasse komfortabel meine Schritte machen konnte.

L‘aventure du Rail

AmĂŒsiert war ich unter anderen darĂŒber, dass an einigen Stellen plötzlich alte Waggons in den schrĂ€gsten Farbtönen auf Eisenbahnschienen stehend zu sehen waren.

Waggon in Mittel-Rosa!

Diese Herrlichkeit

Die gute alte Postbeförderung!

war aber mit Erreichen des Bahnhofs Estivareilles abrupt beendet!

Bahnhof Estivareilles

Von nun an durfte ich auf einer Strecke von mehr als fĂŒnf Kilometern auf der viel und zu schnell befahrenen Landstraße D 498, zumeist bergauf, um mein Leben pilgern
 .

Grenzwertiges Pilgern auf der Landstraße!

Diese Idee war sicher nicht ganz so gut von mir.

Rasende Autofahrer teilten sich die Fahrbahn mit Henry

Erleichtert und glĂŒcklicherweise unversehrt erreichte ich gegen Mittag wieder den Jakobsweg.

zurĂŒck auf dem Jakobsweg

Diesen genoss ich von der ersten Sekunde in vollen ZĂŒgen. Schlagartig war alles wieder so, wie ich es zumeist in den vergangenen Wochen vorgefunden hatte.

Weiche Böden, tolle Landschaften und WÀlder, die nach dem langanhaltenden Regen besonders gut dufteten.

ein schöner Jakobsweg

Auch der Regen hatte ein Einsehen mit mir und stellte seinen Betrieb mit meinem Erscheinen auf dem „Chemin des Allemandes“ plötzlich ein.

die ersten Schritte auf dem Chemin auf sandigem Boden

Zu allem Überfluss der auszuschĂŒttenden GlĂŒckshormone hatte ich dann heute auch noch völlig ĂŒberraschenden Pilgerkontakt auf dem Jakobsweg.

Nein, es war nicht Julie 
 sondern Clement!

Der junge Franzose aus Nancy ist vor einigen Wochen in seiner Heimatstadt aufgebrochen und zieht seitdem ein GefĂ€hrt wie eine „Ochsenkarre“ auf zwei Reifen hinter sich her.

In dieser Karre befindet sich sein Rucksack und ein Zelt. Heute ĂŒbernachtet Clement auf dem Campingplatz in Craponne-sur-Arzon.

Henry et Clement!

Das GesprÀch unter Pilgern dauerte nur wenige Minuten, ein Selfie von uns beiden zur Erinnerung an den historischen Moment war im Kasten und schon zog Clement mit einem Affenzahn weiter durch den Acker.

Clement mit Ochsenkarre!

Insoweit passte mein Bild von der Ochsen🐂 karre ja wieder!

Clement hat auf seinem bisherigen Weg von Nancy kommend sage und schreibe zwei Pilger getroffen. Einer davon war heute ein gewisser Henry aus Allemagne :-).

Auf seinen noch folgenden 1.500 Kilometern nach Santiago de Compostela wird diese Zahl schon recht bald krÀftig nach oben schnellen lieber Clement.

Erneute Begegnung mit Clement, der Einheimischen seinen Weg nach Santiago de Compostela erklÀrt.

Vielleicht lag es am guten Schwarzbier am Abend, dass ich heute so eine Laufleistung abrufen konnte!

Am Ende der Etappe war ich bemerkenswerte 9 Stunden auf den Beinen und hatte dabei, im Gegensatz zum Vortag, keinen Restaurantbesuch und kein Rockkonzert im Rahmenprogramm meiner Pausen inklusive.

am spĂ€ten Nachmittag war sogar die Sonne ☀ wieder da

Heute ĂŒbernachte ich in der Herberge in Saint-Georges-Lagricol und verspeise meine gestern Morgen auf dem Markt in Montbrisson kĂ€uflich erworbenen Lebensmittel.

Pilgermahlzeit

Die Herberge befindet sich leider in keinem guten Zustand, hat daneben keinerlei BestĂ€nde an Lebensmitteln, inbesonders nicht an Kaffee, Tee, GewĂŒrzen oder Ölen aufzuweisen.

Herberge Saint-Georges-Lagricol Bild 1

Ich fĂŒhle mich hier nicht wohl und werde morgen fĂŒh sehr zeitig meine vorletzte Etappe auf dem Jakobsweg im Jahr 2023 beginnen.

Herberge Saint-Georges-Lagricol Bild 2

Ein Pluspunkt bekommt die Herberge dennoch von mir. Da es am heutigen Sonntag auch hier nichts zu kaufen gibt, fragte ich den stellvertretenden Verwalter der Herberge nach ein paar HĂŒhnereiern von den HĂŒhnern, die hier auf dem GrundstĂŒck der Herberge gehalten werden.

Herbergseier: frischer gehts nicht!

Nach der freundlichen Gabe von Maurice erweiterte sich mein Speiseplan um drei gekochte HĂŒhnereier.

Luxuspilger war gestern.

Herzlich Willkommen in der RealitÀt des Chemin Saint Jacques Henry!

kaum zu glauben, aber wahr 
 nur noch zwei Etappen in diesem Jahr!

Au revoir

Der Caminopilger

Die sonstigen Bilder des Tages:

Schneckenwanderung, die Bilderserie Teil 1
Schneckenwanderung, die Bilderserie Teil 2
Schneckenwanderung, die Bilderserie Teil 3
Wanderung entlang der leicht verwitterten Eisenbahnschienen!
Pilgern auf der Route des Balcons
Landleben
Die Hausnummer 43 mag ich sehr
unser tÀgliches Obst gib uns heute!
meine geliebten Tiere stehen zur BegrĂŒĂŸung wieder in Reih und Glied
auf dem Jakobsweg wird gejagt!
Allez les bleus
badisches Haus
Bar-Tipp
Die Kirche in Usson-en-Forez und die Versuchung
Chateau in Usson-en-Forez
matschige Wege
tolle Pfade
massive BrĂŒcke
so einladend, aber geschlossen!
schönes Haus!
bald bin ich da, oder etwa nicht?
endlich am Zielort angekommen!
in der 1. Etage befindet sich die Herberge!
Kirche in Saint-Georges-Lagricol
Dorfbar in Saint-Georges-Lagricol
Geschenk von der Gemeinde zum Einzug
historische HolztĂŒre
Morgendlicher Blick aus dem Pilgerzimmer

Nach der Verabschiedung von der herzensguten Marie-Martine

Marie Martine und der Caminopilger

kaufte ich morgens auf dem riesigen Marktplatz in Montbrison noch etwas Brot

Brot vom Markt

und KĂ€se ein,

KĂ€se vom Markt

bevor ich mich dann auf den Weg in die „Berge“ machte.

Auf in den Regen!

Das Wetter war wie angekĂŒndigt ĂŒber Stunden nass und regnerisch. Meine heute erstmals von mir getragene Regenjacke bewĂ€hrte sich ausdrĂŒcklich bei dem schlechten Wetter.

Auf dem Weg in die Berge

Vor dem heftigen Anstieg ins Zielgebiet ergriff ich mittags in Margerie-Chantagret die Gelegenheit beim Schopfe und stÀrkte mich wohlschmeckend in einer Pizzeria.

Lasagne und ein Glas Bier (0.0) zur StÀrkung

Ich erfreute mich zusÀtzlich beim Essen an den Liveproben einiger Musiker, die an diesem Tag wohl noch einen Auftritt in der Location hatten.

Livemusik in der Pizzeria

Das war eine rundum schöne Erfahrung, die mir wieder einmal zeigte, dass man die wenigen Einkehrmöglichkeiten hier auf dem „Chemin des Allemands“ unbedingt nutzen sollte, wenn dann tatsĂ€chlich auch mal etwas geöffnet ist
 .

erneut traumhafte Pfade

Nach siebenstĂŒndiger abwechslungsreicher Wanderung bis auf fast auf 900 Meter Höhe erreichte ich gegen 16:10 Uhr meinem heutigen Zielort Marols.

Marols

Hektisch schoss ich die obligatorischen Erinnerungsfotos vom historischen Ortskern und lief noch schnell in die „Maison du Tourisme“ um mir den Stempelabdruck an die richtige Stelle in meinem Pilgerausweis setzen zu lassen.

Malerisches Marols

Um 16:24 sollte mich ja die Buslinie 32 ins 10 Kilometer entfernte Saint Bonnet le ChĂąteau befördern um mein 2 ⭐ ⭐ Ausweichhotel beziehen zu können.

Schönes Haus in Marols

Ich stellte immer mehr fest, dass ich eigentlich gar nicht mehr von hier wegfahren wollte. Mir gefiel es in Marols auf dem Chemin einfach viel zu gut!

Auch die freundlichen Damen im vor Ort befindlichen TouristikbĂŒro haben auf meine Kritik hin, dass Pilgern heute keine Übernachtungsmöglichkeit in Marols und direkter Umgebung ermöglicht wird, leider kein Domizil fĂŒr mich in letzter Minute aus dem Hut zaubern können.

Die letzte Seite vom abgegriffenen Pilgerausweis

So blieb es dabei, dass ich laufenden Schrittes weiter zur Bushaltestelle Le Bourg in Marols eilte um dort zu erfahren, dass meine vermeintliche Busverbindung am Wochenende um diese Uhrzeit gar nicht existiert.

Ich wurde damit völlig spontan zum „Tramper“ und saß kurze Zeit spĂ€ter „nach dem ersten Daumenzeig“ im Auto einer Ă€lteren Dame, die mich und mein PilgergepĂ€ck dankenswerterweise einen großen Teil der langen Strecke nach Saint Bonnet le ChĂąteau in ihrem PKW beförderte.

Car Sharing

Zum Abschluss lief ich die restlichen zwei Kilometer entlang der Landstraße zum Logis HĂŽtel le BĂ©franc um endlich meinen Rucksack ablegen zu können.

Saint Bonnet le ChĂąteau

Die Menschen im abgelegenen Hotel sind sehr freundlich, das Zimmer ist schön und die Bewirtung bestens. Dennoch bin ich unglĂŒcklich mit der gesamten Situation.

Derzeitiger Status: Luxuspilger

So weit vom Weg entfernt zu ĂŒbernachten ist mir in meiner 15 jĂ€hrigen Pilgerzeit noch nie passiert.

Saint Bonnet le ChĂąteau

Kurzerhand habe ich beschlossen, mich morgen nicht wieder in die AbhĂ€ngigkeit von Dritten zu begeben um nach Marols zurĂŒckzukehren. Ich werde einen alternativen Weg finden um „per pedes“ auf meinen geliebten Jakobsweg zurĂŒckzukehren und die Pilgerwanderung nach Le Puy-en-Velay fortzusetzen.

Pilger auf dem Weg

Marols werde ich damit morgen nicht mehr wiedersehen.

Die Muschel, das Symbol fĂŒr den Jakobsweg

Au revoir

Henry

Die sonstigen Bilder des Tages:

Reich gefĂŒllte StĂ€nde auf dem Markt
Ich verlasse Montbrison am Morgen
Hier ein Blick
Da ein Blick
MĂ€chtige Kirche in Montbrison
Montbrison
ein letzter Blick auf Montbrison
ich bin wieder in der Natur gelandet
Saint Thomas La Garde
Feigen auf dem Weg
Weinbergpfirsisch
erholsame BĂ€nke
tolle Aussicht
Sonnenblumen
PilgerbrĂŒcke
Bergwelt
Pilgersymbole
ein weiter Weg nach Santiago
Saint Bonnet le ChĂąteau
lila Pilgerbier

Die 14. Etappe meines Weges stand heute leider nicht im Fokus meiner GedankengÀnge.

Saint Jacques de Compostela

Das leidige Thema der Quartiersuche scheint in der letzten Phase meines „Chemin de Allemandes“ noch einmal omniprĂ€sent zu werden.

Meine Mitpilgerin Julie hatte mir schon gestern offenbart, dass es dieses Wochenende wĂ€hrend der Ferienzeit in Frankreich sehr eng fĂŒr uns Pilger werden wird, eine Bleibe entlang des Chemin St. Jacques zu finden. Heute Morgen stand ihre Entscheidung dann fest, die vormalige Etappenplanung mangels Unterbringungsmöglichkeiten ĂŒber den Haufen zu werfen und anderweitig zu planen.

Ich hingegen möchte morgen frĂŒh weiterhin den ursprĂŒnglichen Plan verfolgen und in Richtung „Montarcher“ in die Berge pilgern.

Julie und Caminopilger heute gemeinsam auf dem Weg

Heute haben Julie und ich nach dem Verlassen der Backstube und des sensationell humorvollen BĂ€ckerehepaars das erste und letztendlich wohl auch einzige Mal auf dem „Chemin des Allemands“ ein TeilstĂŒck des Weges gemeinsam pilgernd verbracht.

Der humorvolle BĂ€ckermeister in seinem Verkaufsladen

Sage und schreibe 4 Kilometer dauerte diese unterhaltsame Episode an, dann war Julie auch schon wieder alleine in Richtung Montbrison unterwegs.

Julie „zieht von dannen“

Ich hingegen wartete, unter großen BĂ€umen stehend, das erste heftige Gewitter des Tages im „schĂŒtzenden“ Wald ab, bevor ich meinen Weg fortsetzte.

Der Himmel ĂŒber Frankreich deutet Ungemach an

Im Laufe des Tages trafen wir uns dann noch zweimal. ZunĂ€chst beim gemeinsamen ObstpflĂŒcken in der Pampa und nach meiner verspĂ€teten Ankunft im schmucken ZielstĂ€dtchen Montbrison.

Obst in HĂŒlle und FĂŒlle entlang des Weges

Es lag heute ausnahmweise nicht an meiner Grundeinstellung, es in diesem Jahr auf dem Jakobsweg etwas beschaulicher angehen zu lassen. Der wahre Grund fĂŒr meinen „verspĂ€teten“ Einlauf in das ZielstĂ€dtchen war mein einstĂŒndiger Aufenthalt beim BĂŒrgermeisteramt in Champdieu!

Champdieu

Hier kĂŒmmerten sich sage und schreibe drei Bedienstete eine geschlagene Stunde um meine „Unterbringungslösung“ am morgigen Samstag.

Die DrĂ€hte zwischen den „Mairies“ glĂŒhten heiß und letztendlich konnte auch nach zig Telefonaten mit Privatleuten, GĂźtes und anderen Anbietern niemand Vollzug melden.

Champdieu ist einen Besuch wert.

Ich hatte immer noch keine Unterkunft fĂŒr den anstehenden Samstagabend auf dem Chemin!

Pilger ohne Bleibe

Leider schlĂ€gt das Wetter morgen wohl endgĂŒltig in die falsche Richtung um.

Die mittlere Gewitterwarnung fĂŒr die zu durchwandernde Region am Wochenende nehme ich durchaus ernst.

Aus diesem Grund marschierte ich in Montbrison angekommen geradewegs in die Touristeninformation, die sich nach meinem „Vortrag“ ebenfalls motiviert auf die Suche nach einer 20 – 30 Kilometer von Montbrison am Weg befindlichen Unterkunft fĂŒr mich begab. Trotz aller MĂŒhe und unzĂ€hliger Anrufe 📞 fĂŒhrte dies leider zu keiner Status-Verbesserung!

Madame findet bestimmt eine Lösung fĂŒr den Samstag, oder etwa doch nicht? Der mittelschwere Zweifel in einem Foto festgehalten.

Ich bedankte mich innig fĂŒr die erneut so sehr aufwĂ€ndige erfolglose UnterstĂŒtzung und verließ desillusioniert das HĂŽtel de Ville Montbrison, in dem die Touristen-Information untergebracht ist.

Montbrison im Sonnenschein

Ich hinterließ jedoch fĂŒr alle FĂ€lle meine Handynummer und die besonders motivierte Mitarbeiterin sagte mir zu, in meiner Abwesenheit nach einer Lösung zu suchen.

Montbrison im Regen

SpĂ€ter am Nachmittag klingelte dann tatsĂ€chlich mein Handy. Die Mitarbeiterin der Touristik-Information reichte fĂŒr mich die dringende Empfehlung nach, schnellstmöglich ein ca. 8 km vom Jakobsweg entferntes Hotel in Saint-Bonnet-le-ChĂąteau zu buchen, bevor die zwei letzten verfĂŒgbaren Zimmer auch noch weg sein sollten.

Damit hatte ich endlich eine zumutbare Lösung und gehe, nach der fernmĂŒndlich erfolgten Reservierung, am morgigen Tag auf dem Jakobsweg bis Marols um abseits des „Chemins“ im Hotel Le Befranc zu ĂŒbernachten.

C’est vraiment compliquĂ© !

Meine Unterbringung in Montbrison war hingegen völlig unproblematisch. Ein kurzer Anruf bei Marie-Martine Reynaud und schon hatte ich ein Himmelreich auf Erden unmittelbar am historischen Stadtzentrum gelegen. Die 74 jĂ€hrige Französin, die in ihrem Leben selbst schon nach Santiago de Compostela und Jerusalem pilgerte, machte meinen Aufenthalt in ihrem im Jahr 1900 prachtvoll erbauten Haus zu einem Highlight meiner Pilgerwanderung. Die Zeit mit ihr war wunderschön und das von Marie-Martine zubereitete Essen mit frischem Salat und GemĂŒse aus dem eigenen Bio-Garten einfach nur köstlich!

Das Haus von Marie-Martine

Die sympathische, zierliche und sportlich aktive Frau hat ein unfassbar großes Herz fĂŒr die Pilger, die regelmĂ€ĂŸig den Weg zu ihr nach Montbrison finden.

Au revoir

Heiner

Die sonstigen Bilder des Tages:

Frisches Brot vom BĂ€cker am Morgen
Au revoir Montverdun!
Verabschiedung von den Tieren Teil 1
Verabschiedung von den Tieren Teil 2
Pilgerpause
Diese schöne BrĂŒcke!
Blumen am Wegesrand
Schöner Weg
Das Wetter bessert sich langsam wieder.
Landleben
Ankunft in Montbrison
Montbrison
Maison Henrys Dite Des Lions – Renaisance
Marie-Martine bei der Quartiersuche fĂŒr den Pilger fĂŒr die kommende Bleibe
Spitzenklasse Pilger-Menue
Pilgerzimmer
welch schöne Terrasse
Dies war der 14. von 18 Wandertagen

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