Der Camino Frances in Stein gemeißelt!

08.06.2008

Heute Morgen bin ich nur knapp einem „ätherischen Anschlag“ in der Albergue in Burgos „entgangen“. 

Bereits um 05:00 Uhr morgens packten die knapp 100 Pilger in der Holzbude ihre sieben Sachen und bereiteten sich in der Herberge physiotherapeutisch auf die anstehende schwere Tagesetappe vor. 

Ganze Salven von intensivst duftenden Salben, Wässerchen und rheumatischen Wundermitteln stiegen mir in die empfindliche Nase, da ich undankbarerweise ganz oben im Etagenbett lag. Pfeffersalbe, Pferdesalbe, Rheumon Gel und Finalgon, das ganze Programm der Pharmaindustrie wurde auf die geplagten Pilgerbeine und Füße geschmiert. 

Am frühen Morgen fühlte ich mich fast wie früher in einer besonders „aromatischen“ Umkleidekabine auf dem Land vor dem Anpfiff eines Fußballspiels. 

Hontanas auf Sand gebaut!

Wir haben auf jeden Fall die erste überaus anstrengende 30km+ Etappe blasenfrei überstanden, sind über Hornillos del Camino gut in dem pittoresken Dorf Hontanas angekommen und haben für uns drei in der Albergue erfreulicherweise zu später Stunde noch ein Bett ergattert! 

Zentrum Hornillos del Camino

a pro pro Fußballspiel:

Zur Belohnung schauen wir uns später am Abend in der einzigen Bar in Hontanas das EM-Fußballspiel Deutschland – Polen an. 

Hola amigos desde Hontanas

Die Bilder des Tages:

Der Esel und ich … eine Erfolgsstory!
Brunnen-Romantik
Bild aus der Rubrik „Ausgelatschte Treter“
Steingarten mit Jahreszahl
Wann sind wir endlich da, Carsten???
El Camino de Santiago
treue Herde
ganz normales Pilger-Outfit für die schwereren Etappen
wetterfestes Lieblingsschild von Hornillos del Camino
Natur
Blick aus der Albergue
Stephan und sein Tagebuch! Was da wohl alles für Geschichten für die Ewigkeit festgehalten sind … .
EM-Fußballspiel Deutschland-Polen auf einem riesigen „7K – Flat-Bildschirm“
„Jesus“ Stephan, „Navigator“ Carsten und „El Bacho“ Heiner

Gleichwohl die heutige Strecke, von der Entfernung her, eher dem normalen Anforderungsprofil einer Tagesetappe auf dem Camino Frances entspricht, waren wir am Ende der Etappe in Burgos „ganz schön“ platt! Burgos ist mit 175.000 Einwohner die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León.

Die Kathedrale ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe!

Da unser Frühstück heute Morgen recht spartanisch ausfiel, kehren wir gleich nach dem Beziehen der Feldbetten in die wunderschöne Stadt mit der zauberhaften gotischen Kathedrale ein.

Wir lassen uns in der Altstadt von Burgos kulinarisch verwöhnen. Am Abend wird es dann im Schlafsaal der „Albergue Amigos del Camino de Santiago“, mit sage und schreibe einhundert Mitpilgern in einer besseren Holzbude, „urgemütlich“.

Die staatlich geförderte Übernachtung in der Herberge kostet heute ganze 3,00 Euro pro Nase.

Da sollte im Pilger-Tagesbudget doch ein eher üppiges Essen mit einem leckeren Wein auf „uns Drei“ in Burgos warten.

Bon Camino desde Burgos

Die Bilder des Tages:

Erneut ein wunderschöner Morgen auf dem Jakobsweg.
Unsere Richtung stimmt!
Die heiligen drei „Pilgerkönige“ im Schattenspiel.
Schilder wie diese müsste man malen, wenn es sie nicht schon auf dem Camino geben würde!
Eine majestätisch schöne Stadt erwartet uns!
Der Bau der Kathedrale von Burgos wurde 1567 abgeschlossen.
Sicherlich das bisher eindrucksvollste Bauwerk auf dem Camino Frances.
Welch großartige Kunst!
Historisches Tor
Stephan und Carsten nach dem nachmittäglichen Schlaf in der Albergue.
Wer heiratet nicht gerne im Weltkulturerbe?
Tolle Grimasse!
Die Drei Tenöre von Burgos.
Historisches Stadttor
Heute wird es mit 100 Pilgern urgemütlich in der Albergue!
Macht Carsten rein gar nichts aus, er ist mal wieder der erste Schnarcher unterm Pilgerdach.
Erholung in der Herberge Atapuerca auf der Gartenbank.

06.06.2008 15:40 Uhr:
Heute sind wir eine anspruchsvolle „Bergetappe“ gelaufen. Wir erreichten unser in der Provinz Burgos gelegenes Etappenziel Atapuerca auf knapp 1.000 Meter Höhe.

Atapuerca steht aufgrund zahlreicher archäologischer Funde auf der Liste des Weltkulturerbes.

In Atapuerca wurden fossile Knochen der direkten Vorfahren der Neandertaler gefunden!

Unser derzeitiges Wandertempo würde es verhindern, bis zum 28.06.2008 in Santiago de Compostela ankommen zu können. Hinter Burgos werden wir also noch ne kräftige Schüppe drauflegen müssen, und dabei mehrere 30 km Strecken in Angriff nehmen, um unsere zeitliche Planung nicht „über den Haufen zu werfen“.

Meine Füße scheinen auf die Anstrengungen des Weges sehr gut vorbereitet zu sein. Mittlerweile klebe ich diese überhaupt nicht mehr mit Pflaster ab. Die sündhaft teuren Blasenpflaster werde ich wohl alle wieder unbenutzt nach Deutschland transportieren.

El Camino

Soweit man diesen Blog verfolgt, könnte man den Eindruck gewinnen, dass unser Jakobsweg eine reine Spaßveranstaltung sei. Dies ist er aber wirklich nicht. Tatsächlich haben wir tagsüber genug Zeit bei der körperlichen Anstrengung unsere Gedanken zu sammeln und über den Sinn oder Unsinn unserer Pilgerreise zu philosophieren! Dabei hat in der Tat jeder von uns „Dreien“ seinen Rucksack mit zusätzlichen mentalen oder körperlichen Belastungen zu schleppen. Die anfängliche Aktivität weicht immer mehr der Ruhe und Einkehr. Gleichwohl erlauben wir uns dabei auch gesellige Runden. Trübsal blasen kommt für uns nicht in Frage.

So langsam realisieren wir allerdings, dass die Zeit auf dem Camino endlich ist. Um so mehr genießen wir es, in vollen Zügen diese schöne Pilgererfahrung machen zu dürfen!

Hola aus Atapuerca

Die Bilder des Tages

Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Kirche am Morgen
518 km noch …
Carsten und Stephan schreiten voran
Pilger Heiner auf dem Weg.
saftige Pilgerwiese
etwas schief, aber schön
Betonbrunnen
3 französische Pilger in der Albergue
spanischer Schinken
wieder ein Stempel mehr 🤠
Der Pilger auf dem Weg zur Albergue

Die heutige Etappe nach Espinosa del Camino verlief verhältnismäßig unspektakulär.

Den Höhepunkt des Tages/Abends stellte sicherlich die in der Albergue vom Herbergsvater

Herbergsvater in Espinosa Del Camino

persönlich gekochte und hervorragend schmeckende Paella dar.

Eine besondere Geschichte vom vorangegangenen Pilgertag möchte ich an dieser Stelle noch nachreichen dürfen:

04.06.2008 21:15
Redecilla del Camino

Heute gab es nach langen Jahren wieder etwas auf die Hörner für mich!

Wir liegen auf dem Boden des Gemeindehauses, 58 km von Burgos entfernt, und müssen immer noch über den heute zu beklagenden „hinterhältigen“ Anschlag auf mich lachen.

der Boden des Gemeindehauses

Nachdem wir unsere Schlafsäcke auf dem rustikalen Steinboden ausgebreitet hatten wollten wir am späten Nachmittag „unserem“ Ortskern noch einen Besuch abstatten. Im Camino-Kurort Redecilla del Camino gab es mit dem „Cafe Lena El Horno“ allerdings nur eine Einkehrmöglichkeit. Besagte Lena erblickten wir beim Eintritt in das „Cafe“ mit missgestimmten Blick am einzig besetzten Tisch der Lokalität. In der hinteren Ecke ihres Cafés entdeckten wir zu unserer großen Freude einen spartanisch bestückten Tante Emma Laden, der sich später als einzige Einkaufsmöglichkeit im Umkreis von 15 Kilometern herausstellen sollte, mit einer angeschlossenen kleinen Backstube. Es war brütend warm in Lenas Laden. Einerseits war die Lokation etwas beklemmend, finster und grau, andererseits jedoch war diese auch mit einem sehr hohen „Kultfaktor“ behaftet! In bester Dumont-Reiseführer-Manier wollte ich das Geschehen der Nachwelt erhalten und zückte meine Digicam aus der Hosentasche. Wie von der Tarantel gestochen kam die Cafebesitzerin Lena „El Horno“ auf mich zugerannt und haute mit ihrer Faust auf meinen, noch nicht einmal ansatzweise fotografierenden, rechten Oberarm. Mit einiger Anstrengung konnte ich verhindern, dass die Digicam mit dem nordspanischen Boden Kontakt aufnahm. Doch da blies „Lena“ schon zur nächsten Attacke und schmiss mich im hohen Bogen aus ihrem Feinkostladen. Wie ein begossener Pudel stand ich da draußen ohne etwas Trinkbares oder Essbares in den Händen zu halten.

Ich bitte „Lena“ hiermit unmissverständlich um Entschuldigung für mein distanzloses Verhalten. Sie hat mich völlig zurecht auf „die Hörner genommen“.

auf dem Weg nach Redecilla del Camino

Erkenntnis des Tages: Backstuben, die nicht der EU-Norm entsprechen, fotografiert MANN besser nicht auf dem Camino de Santiago.

Hola aus Espinosa del Camino

Die Bilder des Tages:

Kunst auf dem Camino
Stephan, aka „Jesus“
Die Störche nisten sich ein!
düstere Wolken auf dem Camino de Santiago
Störche die Zweite
der Pilgertisch ist gedeckt in der Albergue
Kunst in der Albergue
Stephan bei der Abend-Lektüre
Auf dem Camino trifft sich die Welt!
Carsten aus Hannover und zwei Pilgerinnen aus Asien.

Nach einer Woche auf dem „Camino de Santiago“ scheint der Körper sich in der Tat so langsam an die steinigen Anforderungen des Tages zu gewöhnen. Leichtere Ermüdungserscheinungen werden regelmäßig mit Lachsalven behandelt und führen alsbald zur Besserung des Gesamtzustandes. Daneben bekämpfen wir „reizende“ Stiche in unseren stählernen Kniegelenken selbstredend auch mit autogenem Training. „Rechtes Knie, schmerzfrei! Linkes Knie, schmerzfrei!“ so, oder so ähnlich, lauten die Parolen, die zumeist Carsten stimmgewaltig in die Weinberge und die Kornfelder der Region Rioja ausruft. Das Verrückte an der Geschichte ist, dass die Wehwehchen im wahrsten Sinne des Wortes verschwinden. Die Kunst des Weges ist eben, den Alltag zu vergessen und zu laufen, laufen und noch einmal zu laufen!

Die mich erreichende Nachricht aus der Heimat, dass es meinem Vater nach seiner schweren OP wieder besser geht, erleichtert und verschönert mir meinen Jakobsweg auf eine besondere Art und Weise.

Ich bin sehr dankbar und erleichtert.

Heute haben Carsten, Stephan und ich fast 30 km Strecke (inklusive gelaufener Umwege😉) geschafft.

man achte auf den traumhaft blauen Himmel

Der Stern am Himmel brannte bei unseren Pilger-Aktivitäten von früh bis spät. Das stabile Frühsommerwetter ist endgültig in Spanien angekommen.

„El Bacho“ hat auf der heutigen Etappe erneut 4 Liter Wasser verbraucht und in den 8 Stunden eigentlich alles verhältnismäßig gut im Griff gehabt.

Fahndungsfoto von El Bacho

Wir legen regelmäßig Pausen ein und genießen die Kommunikation mit Pilgern aus allen Erdteilen dieser Welt. In zwei Tagen erreichen wir nach längerer Zeit wieder eine größere Stadt. BURGOS! Heute haben wir übrigens zum ersten Mal kein Bett in der Pilgerherberge in Redecilla del Camino bekommen. Wir waren einfach „zu spät dran!“ Alles ausgebucht, freundliche Spanierinnen haben den erschöpften Pilgern ersatzweise eine Notunterkunft im Gemeindehaus eingerichtet. Nun schlafen wir auf dem Boden. Streiche komfortabele Schlaraffia-Matratze, setze Kartonage und Teppichbodenreste!

Stephan im Gemeindehaus, unser heutiges Schlafdomizil

Luxus sieht anders … .🤠

Buenas tardes

Die Bilder des Tages:

Hunde haben in Nordspanien leider häufig ein schweres Leben!
The real Camino de Santiago 😇
Oktopus-Caminoblume in blau …
… und Mohnblumen in rot
Bekanntschaft für wenige Minuten, den Namen des sympathischen britischen Schriftstellers habe ich mir leider nicht gemerkt.
Campo Municipal el Rollo
ein schöner namenloser Platz
Die asiatischen Pilgerinnen halten mich fest.
Sie wollten einfach auch ein Foto mit „Crocodile Dundee aus good old Germany“!
zeitgemäße ultraleichte Pilgerbekleidung sieht anders aus 🤠!
in Redecilla de Camino angekommen
Dieser Weg wird kein leichter sein!
2 x Knieschmerzen bei Heiner und Stephan 😂

Ich möchte zu Beginn meiner Schilderungen nicht verschweigen, dass ich 2008 leider rein gar nichts textlich zu diesem, landschaftlich betrachtet, sehr schönen Tag auf dem Camino Francés im seinerzeitigen Blog festgehalten habe.

Im Jahr 2008 war es zugegebenermaßen nahezu unmöglich jeden Tag einen internetfähigen PC auf dem Jakobsweg ausfindig zu machen, der dazu noch einen funktionstüchtigen USB-Anschluss haben sollte, damit ich über meinen Smartcardreader wenigstens ein Bild am Tag für die Familie und Freunde in der Heimat hochladen konnte. Es war ein so sehr schwieriges Unterfangen. Die Leitungen waren langsam, Flatrates und WLAN kannte man noch so gut wie gar nicht in Europa und Smartphones waren alles andere als verbreitet. Die Übertragung eines Fotos in das World Wide Web dauerte so manches Mal 15 Minuten und länger!

die Karte zur Gegend der vergangenen zwei Tage

Apple hatte erst 2007 das iPhone 3G auf den Markt gebracht und wurde deswegen von der ganzen Welt „bemitleidet“. Wie konnte ein Computerhersteller die Frechheit besitzen ein „Telefon“ herstellen zu lassen? Wie sehr sich, allein schon technisch betrachtet, die Zeiten in den 14 Jahren meiner Pilgerwanderungen geändert haben… .

Ich hatte damals schon ein iPhone 3G der zweiten Gerätegeneration in der Pilger-Tasche, habe dieses jedoch aufgrund der beschriebenen technischen Konstellation und seinerzeitigen europaweit zu beklagenden Kostenfallen nicht für die „Live-Berichterstattung“ vom Jakobsweg genutzt.

Zum Ausgleich für den nicht vorhandenen historischen „Tages-Pilgerbericht“ lade ich einfach mal ein paar Bilder mehr hoch, die die einzigartige Schönheit des Caminos aus meiner Sicht verdeutlichen.

Hola

Die Bilder des Tages:

ein vernünftiges Frühstück verleiht Pilgern Bärenkräfte
Pilger-Denkmal
So ein schöner blau weißer Himmel
Ort am Fluss
Nordspanische Hobbit-Unterkunft
Rio Najerilla
BAR Peregrino vom allerfeinsten!
bei Pepe könnte auch mal angestrichen werden!
Gasse zum Red Rock
Pilgerpause
hier geht es nach Santa Maria!
Bilder wie diese verzaubern den Tag
Stephan (ganz klein zu sehen)
Carstens hutloser Abstieg
Carsten und Stephan, die Vorhut
in der großen Albergue de Peregrino Azofra angekommen
2er Pilger-Kajüte
Blick aus dem Zimmer der Casa Paderborn

29.05.08 06:05 Uhr
Die erste Nacht im Refugio ist überstanden. Von Pilgerromantik leider keine Spur. Gegen 21:00 Uhr hatten Carsten aus Hannover und ich die Casa Paderborn erreicht. Gleichwohl wir lediglich 30 Minuten durch Pamplona liefen waren wir bis auf die Haut tropfnass. Der Weg vom Busbahnhof bis zur Herberge reichte dafür leider aus! Etwas zu essen bekamen wir im nahe gelegenen Schwimmbadrestaurant leider auch nicht mehr. Da die Türen der Pilgerherberge bereits um 22:00 Uhr schließen, blieb lediglich Zeit für ein erstes spanisches Bier und eine kleine Tüte Lacy Chips.

Wir schliefen danach hungrig im Etagenbett eines mit 4 Pilgern belegten kleinen Zimmers mit dem Raummaß von 3×3 Metern. Willkommen im wahren Pilgerleben!

Pilgerbett obere Etage

Saunagefühle pur für sympathische fünf Euro. Der Schnapper schlechthin! Leider schnarchten 50 Prozent der anwesenden Fußpilger. Ohne Ohrenstöpsel wäre ich wohl nicht durch die Nacht gekommen! Überhaupt herrschen hier in den Herbergen strenge Gesetze: 06:00 Uhr Wecken, danach Frühstück zum Pilgerpreis von 2 Euro und anschließendem Rausschmiss aus der Herberge gegen spätestens 8:00 Uhr. Fehlt nur noch der Frühsport! Hoffentlich bleiben wir heute vom spanischen Dauerregen verschont.

Carsten beim ersten Pilgerfrühstück



29.05.08 16:45 Uhr
Mein „Credencial del Peregrino“ / Pilgerausweis hat schon wieder einen neuen Stempelabdruck!

Carsten und ich sind im Refugio P.P. Reparadores in Puente La Reina (Navarra) gelandet. 27,5 km anstrengende Tageskilometer liegen hinter uns und haben mir verdeutlicht, dass die Trainingskilometer auf dem platten Land, sprich in der Heimat am Niederrhein, absolut kein Maßstab sind. Die Passhöhe Puerto del Perdon liegt beispielsweise auf 780 Meter Höhe. Eine 6 1/2 stündige Wanderung ist zu Beginn der Pilgerreise doch ganz anständig, oder?

auf dem Weg nach Puente la Reina

Zur Belohnung stand anschließend die Körperpflege und das Wäschewaschen auf dem Programm. Das angebotene Pilgermenue war mit 8,90 Euro erneut erschwinglich und durchaus schmackhaft.


Nebenbei bemerkt habe ich auf der heutigen Tagesetappe nahezu vier Liter Wasser getrunken.

Das Wetter war mit sonnigen 22 Grad überraschend angenehm. Morgen soll laut Wettervorhersage reichlich Wasser von oben kommen. Was solls! Dann streif ich einfach meine Plastiktextilien (Aldi preist diese als „Funktions-Regenbekleidung aus hochwertigem Tectex-Material“ an) über.

Buen Camino aus Puente la Reina

Die Bilder des Tages:

Der Beginn meiner ersten Pilgerreise am Bahnhof Kaldenkirchen
Dier ersten Schritte von der Casa Paderborn auf den Camino de Santiago
Pamplona
gleich sind wir endlich aus der Stadt raus!
Carsten
Heiner
typische Landschaft
nur noch 747 km
das erste Tagesziel ist erreicht – Puente la Reina
Verfasst von: Caminopilger | 5. August 2022

Missing Camino Frances 2008

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Die Stiefel aus dem Jahr 2008 – LOWA Trekker UK 10,5


Nun laufe ich ja seit etlichen Jahren auf den diversen Jakobswegen in Spanien, Portugal, Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Rund 4.250 km als Fußpilger stehen da bis heute (Stand: August 2022) zu buche. Leider habe ich meinen ersten Jakobsweg im Jahr 2008 noch nicht über diesen wordpress-Blog dokumentiert. Dies möchte ich in den nächsten Tagen und Wochen nachholen.
Ich werde die Zeitmaschine anschmeißen, ins Jahr 2008 reisen und die Beiträge Tag für Tag in diesen Blog einpflegen. Die rund 740 km auf dem Camino Frances von Pamplona nach Santiago de Compostela werden mithin in ein paar Wochen auch Bestandteil dieses Blogs sein.

Ende für 2022

Die letzte Etappe meiner ganz persönlichen Tour de France in diesem Jahr liegt nun schon zwei Tage zurück. Während die Radprofis der einzig wahren „Tour de France“ heute noch mal in Richtung der Champs-Élysées mit dem Ziel des l’Arc de Triomphe in Paris in die Pedale treten, habe ich meine sieben Sachen heute Morgen in Trier gepackt und sitze derzeit im Zug, der mich umweltfreundlich in meine niederrheinische Heimat befördert.

Übrigens gibt es bei einer Pilgerwanderung, anders als bei den gedopten Radrennfahrern heute in Paris, keine Siegerehrung.

Vielleicht sollte ich die Geschehnisse der vergangenen Tage besser chronologisch „erzählen“. Mann/Frau kommt ansonsten ja ganz schön durcheinander. Allein an der Tatsache, dass ich mir so eine lange Zeit gelassen habe, um diesen letzten Etappenbericht zu verfassen und ein Gesamt-Resumee zu ziehen, kann man erkennen, wie schwer mir der erneut temporäre Abschied vom Jakobsweg fällt.

Die letzte Klappe fiel am frühen Nachmittag des vergangenen Freitag in Beaune nach insgesamt 377 gelaufenen Kilometern und 16 Tagesetappen.

Stadttor Porte Saint-Nicolas Beaune

Beaune ist übrigens das Zentrum des Weinbaugebietes der Côte de Beaune und voller touristischer Sehenswürdigkeiten.

Stadtzentrum Beaune

Genau das war mein Problem! Die 19 km lange Wanderstrecke, erneut überwiegend durch die Rebstöcke und Weinfelder der Region, hatte mich bei der Stärke der Sonnenstrahlung müde werden lassen. Nach der Einsamkeit des Tages dann mit dem pulsierenden Stadtleben, Kommerz und Konsum konfrontiert zu werden, ist für einen Pilger nur schwer zu verarbeiten.

Was kostet die Welt, Geld spielt keine Rolex!

Man sehnt sich danach, den Staub des Tages aus den Klamotten zu schütteln und diese schnellstmöglich zu wechseln. DAS war in Beaune leider nicht möglich. Pilger-Lonely-Planet, Outdoor Handbuch und sämtliche Portale im World Wide Web konnten da am Vortag schon nicht helfen. Das schmucke Städtchen war zum Wochenende in der überaus angesagten Cote D‘or Weinbauregion ausgebucht! Einmal in Beaune angekommen, hatte ich aufgrund meiner Wahrnehmung und meinem Empfinden auch gar keine Lust mehr nach einer Krippe zu suchen. Einfach bedauernswert, dass eine eigentlich sehr schöne und bedeutende Stadt auf dem Jakobsweg nullkommanull an die Bedürfnisse der Pilger denkt und keinerlei Unterkünfte für diese zur Verfügung stellt.

Glücklicherweise hatte Clotilde, die Mitarbeiterin des Bürgermeisteramts in Ahuy, auf meinen Anruf hin, wieder eine private Übernachtungsmöglichkeit bei Freunden in Dijon für mich ausfindig machen können. Erleichterung pur bei mir, da ich wirklich keine Lust mehr hatte, die Gassen von Beaune in Kir-Royal-Laune weiter zu erkunden. So wanderte ich schnurstracks und schnellstmöglich zum außerhalb der Stadt gelegenen Bahnhof und war schier erlöst als der Trubel vorbei war.

Gare de Beaune

Die noch nicht einmal halbstündige Zugfahrt von Beaune nach Dijon verging wie im „Flug“. All die Örtchen und Hügel der vergangenen zwei Tage bekam ich so noch einmal präsentiert, ohne dass der Schweiß mir erneut von der Stirn laufen sollte.

Das Ticket zum Paradies

In Dijon ging es dann völlig unkompliziert in die Tram Nr. 2

Lila Tram in Dijon

und schwupps stand ich im Norden Dijons vor dem Haus von Michèle und François. Willkommen im Paradies!

Die wunderschöne Terrasse der Familie, der einladende Pool, der blumenüberhäufte, für Naturliebhaber begeisternd große Garten, die sympathische Begrüßung der Gastgeber und zweier anwesender Freunde, das alles und noch viel mehr, waren so wohltuend für mich nach den mich so sehr störenden Touristenschwärmen des frühen Nachmittags in Beaune.

Christiane, François und der Pilger

In Kenntnis meiner „Müller für eine Nacht – Story“ erlaubte sich François einen schelmischen Spaß und zeigte mir die in seinem Haus angeblich für mich zur Verfügung stehende Duschwanne. „Immerhin größer als die vom Müller tatsächlich benutzte verblichene Spülschüssel“ dachte ich beim Anblick der eisernen Wanne.

Körperpflege wie bei Oma früher in Bayern

Die Wirklichkeit sah natürlich ganz anders aus. Ein sehr modernes Gästezimmer mit einer noblen Dusche und einem superbequemen Bett durfte ich am letzten Abend meines Pilgerabenteuers in Frankreich für mich ganz alleine nutzen. Regionale Käsespezialitäten, Biere, Weine und ein wohlschmeckendes Menue rundeten für mich den Besuch ab.

8 Umdrehungen Café-Bier, regionale Spezialität, haut garantiert jeden Pilger um!

Das allein war es aber nicht, was den Tag bei François und Michèle zu einem besonderen Camino-Erlebnis für mich machte. Es waren vielmehr der tiefgründige Austausch über aktuelle Themen der Zeit, Familie, Beruf und darüber hinaus auf englisch, französisch und erfreulicherweise auch auf deutsch 🇩🇪!

Die Zeit im Paradies verging für mich wie im Flug. Neben den bereits geschilderten Dingen hinterließen die vielen wunderschönen Gemälde von François, in den schillerndsten Blautönen, einen besonderen Eindruck auf mich. Ich hoffe, dass François mit der Veröffentlichung eines seiner Werke an dieser Stelle einverstanden ist. 😉

Die Kunst von François, total klasse!

Geschlafen habe ich übrigens wie ein Engel auf der superbequemen Matratze im riesengroßen Bett.

Nach einem mich sehr verwöhnenden Frühstück galt es dann leider wieder Abschied zu nehmen, da meine Zugfahrt über Nancy, Metz nach Luxemburg ja schon um 10:55 Uhr ab „Gare Dijon“ auf dem Programm stand.

Au revoir chère Michèle et cher François. Merci beaucoup pour tout ! À bientôt, j’espère.

Michèle, François, Heiner –
Gastgeber und Pilger Selfie

Als ich bereits im Zug nach Nancy saß erhielt ich die „freudige“ Nachricht, dass zwei Zugverbindungen (Bettembourg- Luxembourg u. Luxemburg-Trier) aufgrund von Bauarbeiten durch Schienenersatzverkehr, sprich Busse 🚌, ersetzt werden müssen.

Das schönste bei diesen „Hiobsbotschaften“ war, dass es mich noch nicht einmal elementar störte. Die „unendliche Leichtigkeit des Seins“ war wieder da zum Ende meiner Pilgerreise!

Der Plan, auf dem Weg nach Haus noch eine Übernachtung in Deutschland oder Luxembourg einzuschieben, war allerdings schon vorher in meinem Kopf. Doch jetzt schritt ich nach den angekündigten Verspätungen tatsächlich zur Tat und rief das Klostergästehaus in der Franz-Ludwig-Str. 7 in 54290 Trier an (Tel.: +4965197690, Übernachtung nur für Pilger mit Ausweis; Zimmer/Etagendusche inkl. Beherbergungssteuer: 25,53 €) .

Tatsächlich konnte man mir so kurzfristig noch für den Abend ein Bett reservieren. Was für eine angenehme Überraschung, die am 27.05.2016 in Trier begonnene Wanderung auf dem „Chemin des Allemandes“ endete dann (vorläufig) mit einer Übernachtung an gleicher Stelle. Schon 2016 übernachtete ich in Trier im Klostergästehaus der Schwestern vom Hl. Joseph. Dazwischen lag bedingt durch eine hartnäckige Verletzung am Fuß und C19 eine unfassbar lange Pilger-Auszeit.

Caminopilger im Kloster

Wenig überraschend endete aber auch diese Verlängerung meiner Pilgerzeit in der von der Vergangenheit so sehr geprägten stolzen Stadt Trier und ich bin wieder am Ausgangspunkt meines heutigen Textes gelandet. Köln, Mönchengladbach und dann hoffentlich Kaldenkirchen heißen die Etappenziele der andauernden Zugfahrt. Städte und Orte, die neben dem privaten auch mein berufliches Leben bestimmt haben. Die verbleibenden 10 km zu meiner Heimatgemeinde Brüggen werde ich dann per pedes durch den Grenzwald von Kaldenkirchen bewältigen. Training für das nächste Pilgerabenteuer, wer kann diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt schon beantworten? Ein kurzer Blick in den ungeliebten Outdoor-Wanderführer weist die noch verbliebene Strecke von Beaune bis Le Puy-en-Velay mit 17 Tagesetappen und 387 Kilometern aus. Rein zufällig habe ich auf meinem zurückliegenden Pilgerweg der vergangenen 16 bis 17 Wandertage (einschließlich Prolog) nahezu exakt solch eine Wanderleistung bewältigt. Es wäre doch jammerschade das Pilgerprojekt (Trier – Le Puy) nicht in den nächsten Jahren zu veredeln. Wann genau das stattfindet, das steht noch in den Sternen geschrieben. Nur eins möchte ich nur all zu gerne versprechen.

Wiedervorlage Beaune – Le Puy-en-Velay

Ich werde diesen Weg zu Ende gehen, soweit meine Gesundheit und andere Dinge, auf die wir alle keinen wirklichen Einfluss haben, dieses Vorhaben in Europa zulassen.

Dokumentation Trier – Beaune (2016-2022)
16 Felder im Pilgerausweis sind noch frei 😀

Bedanken möchte ich mich zum Schluss bei meinem „Alter Ego“, Herrn Innenmeniskus,

Dehnungsübungen für den Innenmeniskus

dass er bis zum Schlusspfiff in Beaune tatsächlich durchgehalten hat.

Mein weiterer Dank gilt Euch da draußen, Familie, Freunden, Bekannten und Unbekannten, die sich die tägliche Berichterstattung von mir „angetan“ haben. Mein Weg war so sehr einsam in den zahlreichen französischen Departements, dass ich ohne Eure Unterstützung und das Interesse so manche Tiefe mehr auf dem Weg erlebt hätte. Die Wehwehchen, Pleiten und Pannen sind bald vergessen. Was bleibt sind die Menschen am Ende jeden einzelnen Tages, die unbeschreiblichen Erlebnisse, die verrücktesten Übernachtungsplätze, die Kühe, Schmetterlinge, der Jakobsweg und die Stadt Dijon, die ich wirklich in mein Herz aufgenommen habe. J’adore Dijon!

J’adore Dijon!

Buen Camino. Ultreia!

Heiner

Caminopilger im Cote‘D‘or Weinberg

PS: Glaubt dem Menschen kein Wort, er ist und bleibt …

der größte Caminopilger-Schwindler 🥾 aller Zeiten!

Die Bilder der letzten Tage:

Eva aus Nuits-Saint-Gorges
hier geht es lang
Château Corton C.
Yellow von Coldplay so ein starker Song!
Nic ht wahr?
Le Vin
Vier Blumen Stadt Beaune
Heilige Früchte in Beaune, frei nach Forough!
Beaune
Gare de Dijon
Gare de Nancy
Bettembourg zum Bus
Gare de Luxembourg
Luxemburg ist der Hammer!
Trier am Tag
Bitburger, nicht meine zweite Heimat, aber zur Not geht das Bier aus der Eifel auch …
Trier in der Nacht
Leckeres arabisches Essen in der Wunderlampe/Trier
lasst mich bitte noch ins Kloster rein, ich weiß, dass es spät geworden ist!
Mohnkuchen im Zuch, Pilgerfreund was willst du Meer?
Welcome to Deutsche Bahn; auf dem Weg nach Kaldenkirchen!
Grenzwald auf dem Fußweg nach Hause
Da läuft Mann nach Hause und denkt er wäre immer noch auf dem „Chemin des Allemandes“. Dabei ist es nur der linke Niederrhein. Meine schöne Heimat 🤠!
Den Morgen verbringe ich gerne im Sonnenblumenfeld.

Die Unterkunftssuche stellt den Pilger auf dem Chemin des Allemandes mitunter, wie an dieser Stelle wiederholt aufgezeigt, vor unlösbare Aufgaben. Nach ein paar Wochen hier auf dem Jakobsweg in Frankreich habe ich endlich verstanden wie es besser laufen kann! Die privaten und gewerblichen Anbieter der Unterkünfte besitzen in allen Departements umfangreiche Datensätze und Listen über anderweitig nicht publizierte private Unterkunftsmöglichkeiten entlang des Weges.

Der Datenschutz lässt ein schärferes Foto nicht zu 😈!

Diese „Betten“ sind zwar nicht immer direkt am Weg gelegen, aber auf ein paar hundert Meter kommt es bei den zumeist machbaren Tagesetappen dann auch nicht mehr an. Das schöne an den Listen ist, dass die privaten Unterkünfte sehr häufig von Leuten zur Verfügung gestellt werden, die selbst Pilger sind und gegen „Donativo“ die Übernachtung nur für auf dem Weg befindliche Pilger zur Verfügung stellen. Wenn es schon kaum Herbergen auf dem Weg gibt, dann ist das für mich zumindest immer noch authentischer als „Hotelbesuche“ und passt einwandfrei zum Jakobsweg, da die Gastgeber die müden Pilger in den allermeisten Fällen mit Pilger-Herzblut empfangen. Bisher habe ich jedenfalls beste Erfahrungen mit dieser Art der Übernachtungen machen dürfen. Auffallend ist, dass die meisten Gastgeber die angesprochen Listen, sozusagen den Lonely Planet Übernachtskatalog für Pilger, ungern rausrücken und im Höchstfall einzelne Fragmente in Zettelform dem Pilger mit auf den Weg geben. Ich habe diesen gehüteten Goldschatz mittlerweile von einem der bisherigen Gastgeber dankenswerter Weise vollständig ausgehändigt bekommen und benutze ihn seitdem täglich bei meiner Quartiersuche.

Kennzeichnung des Weges im Cote D‘dor

So landete ich gestern bei Monsieur Sabatier in Marcilly sur Tille und staunte nicht schlecht als ich gegen 17:00 Uhr zum verabredeten Zeitpunkt vor einem abgeschlossenen Tor stand.

Das Tor zum Pilgerglück

Dahinter befand sich ein riesiges parkähnliches Anwesen am Fluss und der historischen Mühlenanlage des Ortes Marcilly-sur-Tille. Mittendrin ein riesiges malerisch gelegenes großes Herrenhaus. Beim Anblick dieser kinowürdigen Kulisse lief der Spielfilm in meinem Kopf schon ab. Wasserhähne aus Gold, Entmüdungsbecken für Pilger, eisgekühlter Burgunder am Pool und Barbecue. Man da habe ich heute ja das ganz große Los gezogen! Nach kurzer Zeit kam Herr Monsieur zum Tor, öffnete es aus der Ferne mit ner Funkverbung, und begrüßte mich freundlich auf seinem Anwesen. Als ich in freudiger Erwartung in Richtung des feudalen Herrenhauses gehen wollte, zeigte er überraschenderweise mit einer eindeutigen Handbewegung in die andere Richtung, also wieder vom Anwesen weg auf die Straße. Was soll das denn geben, dachte ich leise vor mich hin, zumindest leicht irritiert in diesem wieder zuhöchst bühnenreifen Moment. Ich hatte mich doch schon so sehr auf das Pilgerluxusleben eingestellt… . Der weitere Weg war dann zumindest nicht weit, genau gesagt waren es lediglich 10 Meter. Das Anwesen von Monsieur Sabatier ist unter anderem von der historischen Mühlenanlage eingegrenzt, die wohl offensichtlich auch noch zu seinem Anwesen zählt.

Müllers Mühle

Zugleich öffnete er das erste erreichbare Schloß und schwupps standen wir vor einem niedlich hellen historischen Häuschen.

mein Mühlenreich

„Voila“, dies war also meine puristische Übernachtung. Das historische Haus des Müllers, der erschöpft von der harten Arbeit in vergangenen Zeiten nicht all zu weit von der Mühle wohnen sollte um quasi ständig verfügbar zu sein. Genau genommen zählt das Knusperhäuschen damit zur Mühlenanlage. Monsieur erklärte mir mit einem besonderen Schalk im Nacken, dass ich für eine Nacht in die Rolle des Müllers schlüpfen würde.

1 Mühlen-Mann-Albergue

Mir gefiel das Szenario, dennoch war ich mir irgendwie nicht sicher, ob der Müller in früheren Jahrhunderten eine Dusche und ne Toilette kannte. Damit lag ich mal zu 100 Prozent richtig, die Toilette war 50 Meter entfernt in einem Schuppen des Nachbargebäudes untergebracht. Um diese zu benutzen wurden mir sage und schreibe drei Schlüssel ausgehändigt. Auf meine ergänzende Frage nach der Duschmöglichkeit, zeigte Monsier mit einem breiten Grinsen auf eine im Haus befindliche verblichene gelbliche Plastikschüssel mittlerer Spülgröße.

Mann achte auf die Spül-/Duschschüssel

Anschließend begutachtete er gemeinsam mit mir die Stelle am Fluß, wo ich mich zur Körperpflege unbeobachtet entkleiden könne.

Duschplatz am Fluss

Ich nahm alles mit ner großen Prise Humor und sagte zu ihm, dass es in Indien am Ganges genauso sei. Willkommen im naturverbundenen puristischen Pilgerleben! Ich tat, wie mir beFOHLEN wurde und machte mich am Fluss nackig. Herrlich! Das Pilgermenue stellte ich mir im örtlichen Einkaufsmarkt zusammen, da die Restaurants vort Ort ( Achtung: running gag) geschlossen hatten.

Des Müllers Abendmahl in der Mühle

Geschlafen habe ich übrigens herrlich als Müller für eine Nacht. Am heutigen Morgen brachte Monsieur mir gegen 07:00 Uhr dankenswerterweise frisch gebrühten Kaffee zum Müllershaus, setze den Tampon (deutsch: Stempel) in meinen Pilgerausweis und ich war 10 Minuten später wieder auf meinem Weg, ohne auch einen weiteren Blick vom Herrenhaus im Park während meines gesamten Aufenthalts erhascht zu haben. So ist eben das harte Leben eines Müllers!

Der Müller und sein Chef

Die heutige Tagesetappe nach Ahuy war insgesamt betrachtet eine staubtrockene und menschenleere Angelegenheit deren Höhepunkte zum einen eine zum 2ten Frühstück verzehrte leckere, mit Carte D‘or Schokolade und Bourbonne Vanillepudding gefüllte, Schnecke 🐌 und ein geniales Mittagsmenue in Messigny-en Vantoux waren.

so schaut es aus wenn ich nach unten gucke

Glücklicherweise hatten die Streckenplaner wieder ein Einsehen mit mir im Glutofen. Den kerzengeraden, langen und smarten Aufstieg nach Ahuy konnte ich im schattigen Wald gut meistern. Mein Lonely Pilger Planet Führer hat mir heute eine Übernachtung bei dem vitalen 83 jährigen Daniel geschenkt. Von ihm werde ich morgen an gewohnter Stelle ein bisschen mehr erzählen.

Es lebe der Camino.

Ahuy!

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages:

Wüstenblumen
Pilgerziel ist …
Cote D‘or Schnecke 🐌
ist das Mittagsmenue wirklich ne gute Entscheidung? Aber… Siesta muss sein.
auf dem Weg zum feudalen Mittagsmenue
der Blick zurück auf den gegangenen Weg
schönes Haus auf dem Weg
Weinstöcke 🍷 im Burgund
Friends will be Friends, oder was wäre ich ohne die Kühe auf dem Weg!
bescheidenes Pilgermahl
Durch den Wald nach Ahuy
bei Daniel angekommen
und die tägliche Pilgerwäsche ist auch schon erledigt 🤠
Der Caminopilger ist noch 3 Tage auf dem Weg.

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