
Die Ausgangssituation ist relativ eindeutig. Wann immer ich meine Wetter-App in den letzten Tagen starte, weist diese eine „Extremwetter-Warnung“ für meine derzeitige Pilgerregion bis einschließlich diesen Donnerstag aus.

Temperaturen bis 38 Grad Celsius bringen die Socken zum qualmen und weichen den Asphalt auf!

Ein geeignetes Gegenmittel wäre das Pilgern vor Sonnenaufgang!
Ich bin allerdings nicht für das Wandern mit Stirnlampe geboren und war eigentlich bei all meinen Jakobswegen immer der letzte Pilger, den man, insbesondere in Spanien, mit Nachdruck aus der Albergue „hinausbefördern“ musste.
Seit 2 Tagen zeige ich allerdings ein erstaunliches Maß an Selbstdisziplin und stehe schon gegen 08:00 Uhr auf der Pilgerpiste.

Mehr geht leider nicht.
Hinsichtlich der Etappenplanung bin ich im Nachhinein sowieso schon sehr zufrieden, dass ich in der deutlichen Mehrzahl für die Strecke nach Le Puy-en-Velay Tagesstrecken um die 20 km eingeplant habe.

Für diese Etappen benötige ich in diesen hügeligen Regionen in der Regel 6 1/2 – 7 Stunden einschließlich regelmäßiger Pausen, die bei diesen klimatischen Verhältnissen unbedingt erforderlich sind.
Für jeden Meter im Schatten ist der Pilger dankbar.

Es dürfte nicht überraschend sein, dass der Wasserverbrauch auf der täglichen Strecke derzeit nie unter 4 Liter Wasser anzusiedeln ist.

Heute habe ich wieder eine sehr schöne Pilgerwanderung erleben dürfen.
Wesentlich mehr Abwechslung, Natur und deutlich weniger Asphalt, der ab der Mittagshitze mitunter leider sogar flüssig wird und die bewährten Leiki-Wanderstöcke zähflüssiges Asphaltmaterial „aufnehmen“ lässt.

Die Streckenplaner sind offensichtlich auch ordentliche Spaßvögel!

Sie hatten für mich auf den 20 Kilometern wieder nahezu 900 Höhenmeter vorgesehen. Jagten mich fast bis zur Alm in den Bergen (Achtung: Satire!) um mich dann in Serpentinen wieder zum örtlichen Karpfenteich und die Loire den Berg hinunterlaufen zu lassen.

Der Schweiß floß in Strömen und Versorgung gab es unterwegs natürlich wieder nicht.

Saint-Maurice-sur-Loire ist, wie bereits gestern angedeutet, wieder ein mittelalterlicher Ort, der heute

(Dublizität der Ereignisse) auch eine extrem knappe Lebensmittelversorgung und kein geöffnetes Restaurant für die Pilger aufzuweisen hat.

Die einzige Möglichkeit Geld auszugeben besteht im „Le Serpentin“. Wurde mir als Eisgeschäft verkauft ist aber leider nur eine „Eis am Stiel-Verkaufsstelle“,

die neben Langnese, Chips und Softdrinks noch ein paar Suppen für an der Loire gestrandete Pilger bereithält.
Im Dorf bekam ich aus Mitleid noch 2 überreife Tomaten von einer sympathischen Französin geschenkt, die ich dann später in der Herberge in die Fertigsuppe hineinschnibbelte.

Dazu gab es dann ne sündhaft leckere Fischpastete (Achtung: Ironie), die der Eismann auch noch im Programm hat.

Und fertig war das 2 Pilger**Menue!

In der schönen Herberge bin ich dafür heute ausnahmsweise mal nicht allein.

Mit mir verbringt Julie, Deutsch-Französin aus Düsseldorf die Nacht. Damit haben wir heute eine 50 prozentige Auslastungsquote für die Herberge erreichen können.
Julie, die über die Eifel, Luxemburg und den kompletten Camin des Allemandes bis hier nach Saint-Maurice-sur-Loire gepilgert ist läuft von Le Puy-en-Velay, wo ich meinen diesjährigen Jakobsweg in einer Woche beenden werde, noch 33 Etappen weiter nach Roncevalles, den Ausgangspunkt des Camino Frances. Respekt für diese Leistung.

Au revoir
Der Caminopilger
Die sonstigen Bilder des Tages:










Saint André d‘Apchon












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