
Nach der „ausschweifenden“ Nacht im Logis Hôtel le Béfranc standen heute einige Fragezeichen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit, des Streckenverlaufs und der Schwere der Etappe im Raum.

Vor dem Verlassen des „Ausweichshotel“ stand selbstredend noch das Begleichen der Rechnung im Hotel an. Drei „zügellose“ kleine „Bière noire“, sowie die Übernachtung mit Halbpension machte summa summarum 108,85€.
Da hat der Caminopilger es aber einmal anständig krachen lassen!

Herzhaft lachen musste ich bei der Aushändigung und Begleichung der Facture dennoch, da diese auf den geheimnisvollen Klienten „HENRY FRANCE“ ausgestellt war.
Einfach herrlich unkompliziert diese Franzosen.
Nachdem der Chef des Hauses mich in langer Hose und Regenkleidung zum Abschied im Hotel fotografiert hatte,

stürzte ich mich in das mit 12 Grad wohltemperierte Nass, DAS der Himmel bis zum Mittag auf mich niederprasseln ließ.
Von den Spitzen der Hügel und Berge war auf jeden Fall nicht mehr viel zu sehen.

Die schöne Sicht schluckte dabei der unbarmherzige Nebel und die gnadenlos tiefhängenden dunklen Wolken.
Bis ich von Saint Bonnet le Château startend wieder auf den Chemin des Allemands kam, sollten allerdings einige lange und aufstiegsreiche Abschnitte überstanden werden.

Der erste Teil dieses Streckenabschnitts hat mir heute besonders gut gefallen, da ich fünf Kilometer entlang einer ehemaligen Bahntrasse komfortabel meine Schritte machen konnte.

Amüsiert war ich unter anderen darüber, dass an einigen Stellen plötzlich alte Waggons in den schrägsten Farbtönen auf Eisenbahnschienen stehend zu sehen waren.

Diese Herrlichkeit

war aber mit Erreichen des Bahnhofs Estivareilles abrupt beendet!

Von nun an durfte ich auf einer Strecke von mehr als fünf Kilometern auf der viel und zu schnell befahrenen Landstraße D 498, zumeist bergauf, um mein Leben pilgern… .

Diese Idee war sicher nicht ganz so gut von mir.

Erleichtert und glücklicherweise unversehrt erreichte ich gegen Mittag wieder den Jakobsweg.

Diesen genoss ich von der ersten Sekunde in vollen Zügen. Schlagartig war alles wieder so, wie ich es zumeist in den vergangenen Wochen vorgefunden hatte.
Weiche Böden, tolle Landschaften und Wälder, die nach dem langanhaltenden Regen besonders gut dufteten.

Auch der Regen hatte ein Einsehen mit mir und stellte seinen Betrieb mit meinem Erscheinen auf dem „Chemin des Allemandes“ plötzlich ein.

Zu allem Überfluss der auszuschüttenden Glückshormone hatte ich dann heute auch noch völlig überraschenden Pilgerkontakt auf dem Jakobsweg.
Nein, es war nicht Julie … sondern Clement!
Der junge Franzose aus Nancy ist vor einigen Wochen in seiner Heimatstadt aufgebrochen und zieht seitdem ein Gefährt wie eine „Ochsenkarre“ auf zwei Reifen hinter sich her.
In dieser Karre befindet sich sein Rucksack und ein Zelt. Heute übernachtet Clement auf dem Campingplatz in Craponne-sur-Arzon.

Das Gespräch unter Pilgern dauerte nur wenige Minuten, ein Selfie von uns beiden zur Erinnerung an den historischen Moment war im Kasten und schon zog Clement mit einem Affenzahn weiter durch den Acker.

Insoweit passte mein Bild von der Ochsen🐂 karre ja wieder!
Clement hat auf seinem bisherigen Weg von Nancy kommend sage und schreibe zwei Pilger getroffen. Einer davon war heute ein gewisser Henry aus Allemagne :-).
Auf seinen noch folgenden 1.500 Kilometern nach Santiago de Compostela wird diese Zahl schon recht bald kräftig nach oben schnellen lieber Clement.

Vielleicht lag es am guten Schwarzbier am Abend, dass ich heute so eine Laufleistung abrufen konnte!
Am Ende der Etappe war ich bemerkenswerte 9 Stunden auf den Beinen und hatte dabei, im Gegensatz zum Vortag, keinen Restaurantbesuch und kein Rockkonzert im Rahmenprogramm meiner Pausen inklusive.

Heute übernachte ich in der Herberge in Saint-Georges-Lagricol und verspeise meine gestern Morgen auf dem Markt in Montbrisson käuflich erworbenen Lebensmittel.

Die Herberge befindet sich leider in keinem guten Zustand, hat daneben keinerlei Bestände an Lebensmitteln, inbesonders nicht an Kaffee, Tee, Gewürzen oder Ölen aufzuweisen.

Ich fühle mich hier nicht wohl und werde morgen füh sehr zeitig meine vorletzte Etappe auf dem Jakobsweg im Jahr 2023 beginnen.

Ein Pluspunkt bekommt die Herberge dennoch von mir. Da es am heutigen Sonntag auch hier nichts zu kaufen gibt, fragte ich den stellvertretenden Verwalter der Herberge nach ein paar Hühnereiern von den Hühnern, die hier auf dem Grundstück der Herberge gehalten werden.

Nach der freundlichen Gabe von Maurice erweiterte sich mein Speiseplan um drei gekochte Hühnereier.
Luxuspilger war gestern.
Herzlich Willkommen in der Realität des Chemin Saint Jacques Henry!

Au revoir
Der Caminopilger
Die sonstigen Bilder des Tages:



























Na da gab es ja wieder ordentlich was zu sehen. Regen und Sonne wieder mit dabei. Und gutes Bier (dunkel) war auch dabei. Nach einer langen Wanderung würde mir das auch schmecken. Und nu haste ja fast alles geschafft für dieses Jahr.
Genieße noch die letzten „Meter“ und halte durch. LG von Konni & Bernd.
By: Bernd Wiedemann on 28. August 2023
at 21:27
Vielen lieben Dank für die fortwährend aufbauende Begleitung meiner Etappen. LG am Vorabend der tatsächlich letzten Etappe auf dem Chemin des Allemands
By: Caminopilger on 28. August 2023
at 22:45