
Das war sie also meine vorletzte Etappe auf dem Chemin Saint Jacques im Kalenderjahr 2023.
Geprägt war sie vom heutigen „niederschlagsfreudigen“ Wetter.

Nach dem Verlassen der Herberge in Saint-Georges-Lagricol traute ich meinen Augen kaum.

Die Temperatur betrug bescheidene 10 Grad Celsius! Stürmische Winde und einsetzender Nieselregen waren daneben weitere Faktoren die nicht unbedingt motivierend auf mich wirkten.
Innerhalb weniger Tage hatte ich damit also fast 30 Grad Temperaturunterschied auf dem Chemin zu „verarbeiten“.
Da kann man ja fast schon von einer anderen Klimazone sprechen!
Erschwerend kam heute hinzu, dass ich durch die stärkere Belastung am Vortrag doch noch sehr „schwere Beine“ hatte und nicht so richtig Fahrt beim Pilgern aufnehmen konnte.

Zu Beginn des Tages führte der erste Weg 2,5 km stramm nach oben zurück auf den Jakobsweg.

Meine restlichen Lebensmittelbestände hatte ich in der Herberge nicht mehr anrühren wollen und unterwegs verhinderte zunächst der ständig eintretende Nieselregen ein frühzeitiges morgendliches Picknick im Grünen.

Wie gut, dass ich auf dem Weg „an jeder Ecke“ über ausreichend vorhandene Brombeerhecken verfüge, die mir „on the fly“ das Provitamin A lastige Frühstück lieferten und ganz nebenbei meine Kalzium-, Kalium-, Magnesium- und Eisenvorräte im Körper auffüllten!
Nach der ersten Gabe der leckeren Früchte aus Mutters Natur klappte es dann auch mit dem Laufen!
Überrascht war ich, dass am anderen Ende eines Brombeerstrauchs plötzlich „Zermalmgeräusche“ zu hören waren. Ein Blick durch die Hecke lieferte dann für mich die überraschende Erkenntnis: Kühe mögen auch gerne Brombeeren!

Zwei Kilometer vor Erreichen des Zielortes Saint Paulien regnete es so heftig „Cats and Dogs“ vom Himmel, dass ich 25 Minuten später wie ein begossener Pudel klatschnass im Bürgermeisteramt (Mairie) des hübschen Ortes stand.
Das Wetter schlug weiter Kapriolen und zeigte sich im weiteren Verlauf des Nachmittags von seiner besseren Seite.

Nachdem meine gestrigen fernmündlichen Reservierungsbemühungen für den heutigen Zielort ausnahmslos scheiterten, erhoffte ich mir hier vor Ort Unterstützung beim Bürgermeisteramt bei der Quartiersuche! Nach einigen, offensichtlich ebenfalls nicht erfolgreichen Telefonaten durch das Sekretariat der Mairie erhielt ich den Hinweis doch besser ins Hotel zu gehen.

Meine Kommunikation mit der Verwaltung wurde im Hintergrund aufmerksam von einer Jugendlichen verfolgt, die in der Reihe hinter mir stand um Dokumente auf dem Amt in Empfang zu nehmen.
Als ich im Begriff war meine sieben Sachen wieder einzupacken um in Richtung Hotel aufzubrechen, sagte die sympathisch und zurückhaltend wirkende Jugendliche urplötzlich zu mir:
„Wir haben zuhause einen Raum für Gäste mit einer Schlafmöglichkeit zur Verfügung. Ich rufe meine „Maman“ einmal an, ob das in Ordnung geht! Gesagt, getan. Die 16 jährige Schülerin Mélina schilderte am Handy ihrer Mutter die Sachlage und Maman war offensichtlich einverstanden mit den Plänen ihrer charakterstarken Tochter, die das Gespräch mit ihrer Mutter mit einem lässigen „Cool!“ beendete. Mélina hatte dem durchnässten Pilger somit völlig spontan ein Domizil ermöglicht!
Ich freute mich sehr über die Motivation der Familie Cubizolle mich in ihrem tollen Haus für eine Nacht aufnehmen zu wollen und begab mich mit Mélina auf den Weg zu ihrem Elternhaus im Ortskern von Saint-Paulien.

Wieder erlebte ich eine solch positive Geschichte, die offensichtlich nur der Jakobsweg schreiben kann!
Wer von uns könnte sich denn ehrlicherweise in der Heimat vorstellen, sich eines verschwitzten, völlig durchnässten ausländischen Wanderers anzunehmen und diesen spontan zu sich als Gast für eine Nacht mit nach Hause zu nehmen?
Das ist der Zauber des Camino de Santiago/Chemin Saint Jacques!

Au revoir
Henry
Die wenigen sonstigen Bilder des Tages:
(Anmerkung der Redaktion: Unerwarteter Weise funktioniert die Bedienung des Displays beim iPhone SE nur eingeschränkt bei französischem Regen)

















Na da hast du wieder eine freundliche Familie gefunden. So wie du schreibst, so etwas gibt es in D nicht oder nur sehr sehr selten, dass man einen „begossenen Pudel“ einfach so bei sich aufnimmt. Dann vieleicht eher am Jakobsweg in den kleineren Dörfern.
Die Temperaturunterschiede sind schon der Wahnsinn. Aber als Pilger musst du auf alles gefasst sein. Nun bist du wieder für die nächste Zeit gestärkt aus deiner Wanderung hervor gegangen und wirst die Hürden des Lebens besser meistern.
Viel Spaß und Erfolg auf deiner letzten Etappe und bis bald.
LG Konni & Bernd
By: Bernd Wiedemann on 29. August 2023
at 09:15
❤️
By: Caminopilger on 29. August 2023
at 10:22
Désolée mais notre nom de famille s’écrit avec ll Cubizolle 😂
By: Cubizoffe on 29. August 2023
at 09:52
Chère famille !
je vous prie de me pardonner ce faux pas. C’est certainement pour des raisons de protection des données. 😉
J’ai immédiatement corrigé mon erreur impardonnable.
Meilleures salutations et un grand merci pour les bons moments passés avec vous.
Restez en bonne santé et profitez de la vie. Vous êtes une famille formidable et très sympathique avec des enfants talentueux et au caractère bien trempé !
À bientôt en Allemagne ou en France !
Votre pèlerin Henry à 13 kilomètres de Le-Puys-en-Velay sur le Chemin des Allemandes.
By: Caminopilger on 29. August 2023
at 10:23
Hallo Heiner,
ich bin wirklich beeindruckt, was du alles auf diesem Stück Jakobsweg erlebt hast und deinen Kontakt zu den Menschen am Wege.
Ich finde, allein deshalb war es eine Freude dabei gewesen zu sein 🙂
Wir hören voneinander
Lothar
By: maclumac on 29. August 2023
at 13:37
Hallo Lothar, vielen Dank für deinen Kommentar. Im Grunde genommen wäre ich ohne dich niemals auf die Idee gekommen. Durch unseren gemeinsamen Moselcamino bin ich damals ja in Trier gelandet! Von da an war die Idee 💡 geboren und heute bin ich wirklich glücklich, dass ich den Chemin des Allemandes von Trier nach Le Puy-en-Velay in 3 Abschnitten als Fußpilger geschafft habe.
Ich freue mich schon heute auf unser Wiedersehen.
Heiner
By: Caminopilger on 29. August 2023
at 17:00