
Als ich gegen 08:00 Uhr morgens zum Aufbrechen nach Saint-Haon-le-Chatel bereit war und in voller Pilgermontur gestiefelt vor dem Haus meiner Gastgeber stand, schien niemand, außer mir, in der 420 Seelen-Gemeinde wach zu sein. Sie hatten zurecht ihr wohl großartiges Konzert in der bezaubernden Abteikirche gefeiert und mich großzügig an den anschließenden Feierlichkeiten teilhaben lassen. Dabei waren die Einwohner am Abend doch wohl noch etwas länger als ich in geselliger Runde zusammen, da ich mich im Hinblick auf die kommenden Belastungen des Tages relativ früh aus dem Staub gemacht hatte.

In meinem Pilgerverschlag hatte ich keinen Zugang zu frischem Wasser und klopfte deshalb mit dem schweren Eisenring gegen die riesige Eingangstür des Anwesens um auf mich aufmerksam zu machen. Nach einiger Zeit öffnete die verschlafene Gastgeberin im Negligé bekleidet die beeindruckende Holztüre und füllte meine Wasservorräte wieder auf.

Zeitgleich gab sie mir ein Stück „Tarte aux pommes“ und ein paar Mirabellen als Pilgerverzehr mit auf meinen Weg. Ich bedankte mich für diese erneut großzügigen Gaben, verstaute diese in meinem Gepäck, verabschiedete mich von Madame und war Minuten später auch schon wieder auf dem Chemin de Saint-Jacques unterwegs.
Welch wunderbare kurze Zeit ich doch hier von den warmherzigen Menschen völlig überraschend geschenkt bekommen habe!
Der Tag auf dem Jakobsweg war hingegen im weitesten Sinne flach und ohne große Höhepunkte bis zur Ankunft in dem bezaubernden Zielort.

Mein „Laufstil“ war auf zumeist asphaltiertem Pilgerwegen allerdings schon auffallend schwankend. Ich brauchte die Wanderstöcke deutlich mehr als an den Vortagen um halbwegs das Gleichgewicht beim Wandern zu halten. Der Rucksack schien heute mysteriöserweise das doppelte Gewicht zu haben. Jeder Schritt fiel mir deutlich schwerer als zuvor und das alles auf relativ flachem Terrain.

Es konnte doch nicht alles nur an den Gaben aus Bénisson-Dieu gelegen haben!
Vielleicht hätte ich aber auch nur am Abend das zweite Glas Champagner ausschlagen sollen … .

Wie auch immer schaffte ich es dann doch für meine Verhältnisse früh am Nachmittag den wirklich wunderschönen mittelalterlichen Ort Saint-Haon-le-Chatel zu erreichen. Hier bekam ich vom Bürgermeisteramt eine sehr schöne Herberge ermöglicht.

Der Kühlschrank war mit kalten Getränken befüllt und die Speisekammer für den hungrigen Pilger mit Lebensmitteln gut bestückt; an einem Montag, an dem es in dem mit 636 Einwohnern im Department Loire gelegenen Ort keine Einkaufs- und Einkehrmöglichkeit im Ortskern gab.

Ein Dosenravioli mit „Sardines au naturel“ und gerösteten Erdnüssen nach der „rauschenden“ Champagner-Party, so etwas kann man auch nur auf dem Chemin de Saint-Jacques erleben!

Au revoir!
Der Caminopilger,
der hoffentlich in 8 Tagen seine Pilgerwanderung in Le Puy-en-Velay gesund beenden wird.
Die sonstigen Bilder des Tages



















Der lange Schatten vor dem Tor sieht schon ein bisschen gruselig aus. Aber er sieht dem Schatten sehr ähnlich, den die Statue hier kurz vor den Toren der großen Stadt ins Gelände wirft. Sie steht am Jakobsweg bei Werneuchen. Danke, dass du uns wieder mitgenommen hast auf Deiner Wanderung.
Liebe Grüße Konni & Bernd.
By: Bernd Wiedemann on 22. August 2023
at 07:30
Immer wieder gerne Konni&Bernd. Lieben Dank Euch für den Begleitservice 🥾🇫🇷🙋♂️!
By: Caminopilger on 22. August 2023
at 09:13