Die 14. Etappe meines Weges stand heute leider nicht im Fokus meiner Gedankengänge.

Das leidige Thema der Quartiersuche scheint in der letzten Phase meines „Chemin de Allemandes“ noch einmal omnipräsent zu werden.
Meine Mitpilgerin Julie hatte mir schon gestern offenbart, dass es dieses Wochenende während der Ferienzeit in Frankreich sehr eng für uns Pilger werden wird, eine Bleibe entlang des Chemin St. Jacques zu finden. Heute Morgen stand ihre Entscheidung dann fest, die vormalige Etappenplanung mangels Unterbringungsmöglichkeiten über den Haufen zu werfen und anderweitig zu planen.
Ich hingegen möchte morgen früh weiterhin den ursprünglichen Plan verfolgen und in Richtung „Montarcher“ in die Berge pilgern.

Heute haben Julie und ich nach dem Verlassen der Backstube und des sensationell humorvollen Bäckerehepaars das erste und letztendlich wohl auch einzige Mal auf dem „Chemin des Allemands“ ein Teilstück des Weges gemeinsam pilgernd verbracht.

Sage und schreibe 4 Kilometer dauerte diese unterhaltsame Episode an, dann war Julie auch schon wieder alleine in Richtung Montbrison unterwegs.

Ich hingegen wartete, unter großen Bäumen stehend, das erste heftige Gewitter des Tages im „schützenden“ Wald ab, bevor ich meinen Weg fortsetzte.

Im Laufe des Tages trafen wir uns dann noch zweimal. Zunächst beim gemeinsamen Obstpflücken in der Pampa und nach meiner verspäteten Ankunft im schmucken Zielstädtchen Montbrison.

Es lag heute ausnahmweise nicht an meiner Grundeinstellung, es in diesem Jahr auf dem Jakobsweg etwas beschaulicher angehen zu lassen. Der wahre Grund für meinen „verspäteten“ Einlauf in das Zielstädtchen war mein einstündiger Aufenthalt beim Bürgermeisteramt in Champdieu!

Hier kümmerten sich sage und schreibe drei Bedienstete eine geschlagene Stunde um meine „Unterbringungslösung“ am morgigen Samstag.
Die Drähte zwischen den „Mairies“ glühten heiß und letztendlich konnte auch nach zig Telefonaten mit Privatleuten, Gîtes und anderen Anbietern niemand Vollzug melden.

Ich hatte immer noch keine Unterkunft für den anstehenden Samstagabend auf dem Chemin!

Leider schlägt das Wetter morgen wohl endgültig in die falsche Richtung um.
Die mittlere Gewitterwarnung für die zu durchwandernde Region am Wochenende nehme ich durchaus ernst.
Aus diesem Grund marschierte ich in Montbrison angekommen geradewegs in die Touristeninformation, die sich nach meinem „Vortrag“ ebenfalls motiviert auf die Suche nach einer 20 – 30 Kilometer von Montbrison am Weg befindlichen Unterkunft für mich begab. Trotz aller Mühe und unzähliger Anrufe 📞 führte dies leider zu keiner Status-Verbesserung!

Ich bedankte mich innig für die erneut so sehr aufwändige erfolglose Unterstützung und verließ desillusioniert das Hôtel de Ville Montbrison, in dem die Touristen-Information untergebracht ist.

Ich hinterließ jedoch für alle Fälle meine Handynummer und die besonders motivierte Mitarbeiterin sagte mir zu, in meiner Abwesenheit nach einer Lösung zu suchen.

Später am Nachmittag klingelte dann tatsächlich mein Handy. Die Mitarbeiterin der Touristik-Information reichte für mich die dringende Empfehlung nach, schnellstmöglich ein ca. 8 km vom Jakobsweg entferntes Hotel in Saint-Bonnet-le-Château zu buchen, bevor die zwei letzten verfügbaren Zimmer auch noch weg sein sollten.
Damit hatte ich endlich eine zumutbare Lösung und gehe, nach der fernmündlich erfolgten Reservierung, am morgigen Tag auf dem Jakobsweg bis Marols um abseits des „Chemins“ im Hotel Le Befranc zu übernachten.
Meine Unterbringung in Montbrison war hingegen völlig unproblematisch. Ein kurzer Anruf bei Marie-Martine Reynaud und schon hatte ich ein Himmelreich auf Erden unmittelbar am historischen Stadtzentrum gelegen. Die 74 jährige Französin, die in ihrem Leben selbst schon nach Santiago de Compostela und Jerusalem pilgerte, machte meinen Aufenthalt in ihrem im Jahr 1900 prachtvoll erbauten Haus zu einem Highlight meiner Pilgerwanderung. Die Zeit mit ihr war wunderschön und das von Marie-Martine zubereitete Essen mit frischem Salat und Gemüse aus dem eigenen Bio-Garten einfach nur köstlich!

Die sympathische, zierliche und sportlich aktive Frau hat ein unfassbar großes Herz für die Pilger, die regelmäßig den Weg zu ihr nach Montbrison finden.
Au revoir
Heiner
Die sonstigen Bilder des Tages:


















Auf der Via Gebennensis hatte ich die ersten Unterkünfte vorgebucht. Als ich dann unterwegs „zubuchen“ wollte, wurde es sehr sehr schwierig … ( s. Blog). Neben meinen gesundheitlichen Problemen war das der Grund warum ich schließlich den Camino vorzeitig beendete. Wusste allerdings nicht, dass man sich in der Mairie ( Touristeninformaionen gab es in den besuchten Orten meist nicht) helfen lassen kann.
By: wanderlustig on 26. August 2023
at 11:01
Ich habe mir eigentlich auf keinem Camino großartig Gedanken gemacht, wo ich übernachten werde. Hier in Frankreich werde ich tatsächlich eines Besseren belehrt. Heute übernachte ich 10 km weg vom Weg. Ein Bus kam natürlich auch nicht um mich zu dem anderen Ort zu bringen. Für Camino-Einsteiger ist der „Chemin des Allemands“ sicherlich ungeeignet. Die Angestellten auf dem Bürgermeisteramt haben gestern wirklich alles für mich versucht. Beste Grüße
By: Caminopilger on 26. August 2023
at 18:29
Hallo Heiner,
Unglaublich wieviel Menschen euch zu helfen versuchen, damit ihr ein Dach über den Kopf bekommt. Und dann auch noch beim Bäckermeister mit frischem Brot und Brötchen. Besser gehts nun wirklich nur zu Hause. 👍🙋♂️
Schöne Bilder und für dich beste Eindrücke, die du nicht vergessen wirst.
Alles Gute für die weitere Wanderung.
LG von Konni & Bernd
By: Bernd Wiedemann on 26. August 2023
at 14:07
Herzlichen Dank Euch beiden. LG h
By: Caminopilger on 26. August 2023
at 19:25