
In der 710 Seelen zählenden Gemeinde Le Cergne in der Region Rhône-Alpes mache ich, am drückend heißen Nachmittag angekommen, erst einmal ein langes Gesicht.

Weder die Dorfjugend noch die vor der Dorfkirche sitzenden Ältesten können etwas mit meiner Frage nach der öffentlichen Pilgerunterkunft/Herberge anfangen. „Kennt hier keiner“. Das kann ja heiter werden! In der Tat hatte die Dame vom Bürgermeisteramt bei der telefonischen Reservierung keine Adresse verlauten lassen.
Selbst der französische Referenz-Pilgerführer wies hinsichtlich der Unterbringung von Pilgern nur auf die Telefonnummern der Dame aus dem Amt hin.

Nahrungstechnich betrachtet gibt es an diesem Ort am späten Nachmittag offensichtlich auch nichts mehr für mich zu kaufen!
Die beiden im Zentrum befindlichen Restaurants sind daneben ausgerechnet an diesem Samstag auch geschlossen.
Eine Hiobsbotschaft jagte also die nächste.
Mein verzweifelter Anruf bei der ☎️ Hotline des Bürgermeisters änderte schlagartig meine missliche Lage … .
„Madame X“, mit der ich am Vortag schon die Reservierung „klargemacht“ hatte, kam nach meinem „Hilferuf“ im schwarzen PKW um die Ecke gerauscht und signalisierte mir, dass ich samt Rucksack und Stöcken doch bitte in ihr Auto einsteigen solle.
Das machte ich dann auch und war gespannt wie ein Flitzebogen auf die Dinge die noch folgen sollten.
Im Auto bestätigte mir meine Chauffeurin, dass es in der Tat an diesem Nachmittag in ihrer Gemeinde nichts mehr Essbares für mich zu kaufen gäbe, bot mir aber erfreulicherweise und umgehend an, mich zum 5 km entfernten Einkaufsmarkt „Intermarche“ in den Nachbarort zu fahren. Zunächst ging die gemeinsame Reise mit dem Auto aber erst einmal zum auẞerhalb des inneren Kerns von Le Cergne gelegenen mysteriösen Pilger-Gîte, damit ich da vorab meine sieben Sachen auspacken und das Schuhwerk wechseln konnte.

Ich konnte mir beim Anbick des Gîtes ein Lächeln nicht verkneifen.
Der Wechsel von einem Holzhaus (am See) zum farbenfrohen Holzhaus (im Niemandsland der Gemeinde) war schon sehr speziell.
Die Gemeinde hatte mir übrigens das grün angestrichene Gîte zugewiesen, mit dem ich als Fan der Fohlenelf vom Niederrhein (Borussia Mönchengladbach) farbenmäßig selbstredend erstklassig leben konnte.

Nach dem getätigten Einkauf im „Intermarche“

fuhr mich Madame X dann wieder zurück zum Gîte nach Le Cergne und ich konnte meine Bleibe für eine Nacht endlich beziehen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei der kleinen Gemeinde Le Cergne für diesen überragenden Pilgerservice bedanken.

Der heutige Weg war wieder einmal sehr schön. Ich kann gar nicht genug Werbung für diesen Abschnitt des „Chemin des Allemandes“ machen!

Die für Außenstehende vermutlich als „kurz“ einzuschätzende 18 Kilometer lange Tagesetappe war für denjenigen der sie in der Realität laufen musste erneut kein Zuckerschlecken. Es galt von 569 Meter Höhe in Propières zu starten um auf 872 Meter Höhe raufzuwandern um dann am Ende des Tages wieder den steinigen Berg herunter zu müssen. Die erneut über 1.100 Höhenmeter stellten für mich in der Tat wieder eine kraftzehrende und schweißtreibende Angelegenheit dar und ich war am Ende sehr froh keine andere Etappenplanung im Gepäck gehabt zu haben.

Die Berliner Polizei hat zwischenzeitlich die Bearbeitung meiner Vermisstenanzeige übernommen. Berlin scheint als Hauptstadt für so gelagerte Fälle im Ausland fachlich zuständig zu sein und unterstützt die Ermittlungen der vor Ort tätigen französischen Kollegen.

Bonne nuit de Le Cergne
Caminopilger Heiner
Die sonstigen Bilder des Tages:






































































































































