Verfasst von: Caminopilger | 6. August 2022

Tag 2 30.05.2008 * von Puente la Reina nach Estella 22 km (Camino Francés 2008 Pamplona – Santiago de Compostela gesamt 737,9 km)

zauberhafter Camino

30.05.2008 06:15 Uhr
Unglaublich! 10 wuselige Pilger stehen zeitgleich um 06:00 Uhr auf und packen ihren Kram. Spanier, Franzosen, Österreicher und Deutsche sprechen dabei eine Sprache, sie hüsteln und schnupfen sozusagen international. Das schlechte Wetter in den Pyrenäen scheint vielen in den letzten Tagen, erkältungstechnisch gesehen, „den Rest“ gegeben zu haben. Bei einer älteren Frau aus Frankreich ist ein ärztlicher Einsatz nach unserer Einschätzung der Lage unausweichlich. Die Feldbetten mit der semibequemen Sperrholzplatte bestätigen eindrucksvoll und spürbar: „Wir sind im Lazarett gelandet!“

Für meinen Teil habe ich zumindest am Abend göttlich gespeist. Ein tolles Pilger-Menue mit Seehecht als Hauptspeise und lokalem Navarra-Wein wurde mir aufgetischt.

Merke: Ohne „Mampf“ am Abend kein Pilgerkampf am Morgen.

30.05.2008 14:40 Uhr
Die Mitpilger/-innen erhalten von uns auf dem Weg Kosenamen. Heute lief uns einer von den „50 Prozent Schnarchern“ der ersten Nacht über den Weg. Schnell war ein Name für ihn gefunden: „Schnarchi“! Schnarchi lief wie ein „Pflege-Stufe4-Pilger“ durch die Klatschmohnfelder und wir Pilgernovizen amüsierten uns auf halbem Weg nach Estella unverschämter Weise über Schnarchis entenartigen Gang. Das Lachen sollte insbesondere mir später am Tag noch vergehen … .
In Top-Verfassung lernte ich früh am Tag auf dem Camino die 31 jährige Koreanerin Cum Jung Chun aus Seoul kennen.

Cum Jung und Carsten

Cum Jung war sehr stoisch und zielorientiert. Die verhaltene Kommunikation mit der zierlichen Dame aus Asien währte nur wenige Minuten.

Später am Tag überholte uns eine topfitte österreichische „Bergkletterin“ namens Klara (1,53 m Größe bei 53 kg Körpergewicht) auf dem Weg. Die Salzburgerin mag kein Internet, kein Handy und hat auch ansonsten keinen Kontakt nach Hause während ihrer Pilgerzeit.
Zum Ende des Tages, nach 22 km und 6 Stunden mit einigen Steigungen und Hügeln, verließen mich meine „jugendlichen“ Kräfte. Mein rechter Fuss bereitet mir Probleme. Nun bin ich froh und glücklich überhaupt in der Herberge angekommen zu sein. Gesellige Nächte scheinen bei dieser Form der Belastung und Uebernachtung kategorisch ausgeschlossen zu sein. Auch hier herrscht eine strenge Disziplin: 22:30 Uhr Bettruhe, 6:00 Uhr Frühstück und um 7:00 Uhr am Morgen dann der musikuntermalte Rausschmiss aus der Herberge. Im 16 Betten Zimmer liege ich im Hochbett, unter mir die so sehr hüstelnde Französin, die ab sofort als „Madame Lazarett“ Einzug in diesen Blog halten wird.

Madame Lazarett erreichte übrigens das Pilgerziel des heutigen Tages trotz ihrer körperlichen Angeschlagenheit nur wenige Minuten nach uns. Kompliment und Anerkennung für diese Energieleistung.

Camino de Santiago

Carsten und ich gehen gleich auf die Pilgerpiste! Mineralwasser, Obst und Pflegecreme werden dabei unsere bevorzugten Kaufobjekte sein … .
Brave new Pilger-World!

Hola aus Estella!

Die Bilder des Tages:

Carsten schreitet voran
einheimische „Mitpilger“
die Brücke am Fluss
Pilgerpause
Hospital Peregrinos
Estella

Fremdenverkehrswerbung
zauberhafter Pilgerort
Pilgertreffen beim Abendessen
Fußpflege, so wichtig für den Pilger

Antworten

  1. Carsten war dein Begleiter 2008? Er sieht aus wie du in jüngeren Jahren. 😉🍺


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