Es war ein ausgesprochen schöner Tag mit Jos auf dem Camino de Madrid. Leider aber auch der letzte, da sich unsere Wege schon morgen früh um sechs Uhr trennen werden. Während Jos Richtung Sahagún gen Norden weiterzieht, werde ich den Camino de Madrid 2 Tage vor seinem eigentlichen Ende  Richtung Westen verlassen. Jos läuft ab Sahagún den Camino Frances bis Leon weiter. Ich möchte, da ich den Camino Frances bereits im Jahr 2008 von Pamplona bis Santiago de Compostela gelaufen bin, etwas Neues kennenlernen und versuche mich die nächsten 2 Tage auf eigene Faust und ohne markierten Weg bis Granja de Moreuela durchzukämpfen um von dort in 14 Tagen Santiago de Compostela auf dem Camino Sanabres zu erreichen.  Damit steht  morgen als erstes ein Husarenritt von 33 km bis Villalpando auf dem sommerlichen Parkett an.

 Ich hoffe, dass mich mein Kartenmaterial auf dem iphone nicht im Stich lässt und lasse selbstredend an dieser Stelle von mir hören, wie es mir ergangen ist. Morgen soll es, oh Wunder, im Laufe des Vormittags erneut sehr heiß werden, darum haben der belgische Josef und ich beschlossen, so früh , wie eben nur möglich, aufzubrechen. Nächtigen werden wir heute im Nonnenkloster Convento St. Clara. Natürlich ohne einen weiteren Pilger am Tage kennengelernt zu haben. Es gibt SIE einfach nicht. Lediglich 3 andere Pilger auf einer Strecke von 265 Kilometern von Madrid bis  Medina de Rioseco getroffen zu haben, stellt für mich einen absoluten Minusrekord auf den Jakobswegen in Spanien dar. 

Der heutige Tag war am frühen Morgen erfreulicherweise noch sehr verträglich, da der Himmel uns die ersehnten Wolken für 3 Stunden auf unserem Weg durch Felder und Wiesen schenkte.

Mit den bisher durchschnittlich gelaufenen Kilometern und meinem Gesundheitszustand bin ich absolut zufrieden. Daneben möchte ich den Camino de Madrid aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit nach diesen Tagen als absoluten Geheimtipp bezeichnen dürfen.

Wünsche Jos und auch mir weiterhin einen, wenn auch getrennt verlaufenden, „Buen Camino“.

Hola aus Medina de Rioseco

DC
Die Bilder des Tages:

    

                

                                                  

 

Überraschende Entwicklungen in Mittelspanien! 

Aufgrund des divenhaftigen Verhaltens von Maureen hatte ich mich gestern Abend schon für eine separate Unterkunft entschieden. Frei nach dem Motto, Frau aus Australien weiß alles besser und hört konsequenterweise auch auf nix, musste ich für mein Pilgergleichgewicht diesen Weg gehen. Geärgert habe ich mich gestern beispielsweise darüber, dass SIE mir unterstellte, mit dem Bus gefahren zu sein. Was kann MANN dafür, dass SIE keine Karten lesen kann. Der arme Jos musste heute wieder dran glauben und übernahm die Betreuung auf dem Camino. Ich stand hingegen einsam und allein schon um 7:15 Uhr mit beiden Beinen auf dem Jakobsweg und genoß die endlose Ruhe in der Natur. Schmetterlinge, Vögel und die Landschaft standen im Mittelpunkt meines Interesses. Ich war sozusagen wieder auf Camino-Safari und das war gut so. 

Den angestaubten Zielort Perñaflor de Hornija erreichte ich bei einer Bullenhitze gegen 13:30 Uhr und besorgte mir im Ort die Schlüssel für die Herberge. Vor dem Sprung unter die erfrischende Dusche vernahm ich ein lautes Klopfen an der Außentür und öffnete diese. Ich erschrak ein wenig als ich SIE, Maureen, vor der Türe sah. Sie sah ein wenig aus, wie ein klappriges Gespenst, was wohl auf den Umstand zurückzuführen ist, dass ihren Erzählungen zufolge der zum späten Frühstück von Ihr verspeiste geräucherte Lachs wohl nicht mehr taufrisch war. Jos war um diese Zeit noch nicht mit im Gepäck. Der geduldige Belgier turnt immer noch in der Hitze herum… Die von ihm betreute Maureen hatte sich kurzerhand nach dem 2ten Stop ein Taxi zur Albergue gerufen!  Hape Kerkeling  lässt grüßen! Aber mir gestern unterstellen, dass ich mit dem Bus gefahren wäre… . Was erlauben Australien?

Merke: Wenn du auf dem Camino im Glashaus sitzt, dann werfe nicht den gusseisernen LEKI-Pilgerstock. 

Ich habe jedenfalls erstmal 4 Bier für Jos und mich kaltgestellt und Frau Magen/Darm liegt flach im Hochbett, im separaten Raum versteht sich. 

Hasta la vista aus Perñaflor de Hornija

Der Caminopilger

Nachtrag/Eilmeldung 03.06.2015 19:55 Uhr

Der zweite Taxieinsatz in der Region bedeutete heute Abend  das vorläufige Aus für Maureen auf dem Camino de Madrid. Um 19:30 griff Sie zur Münze. Ich kam mir fast wie in einer Casting-Show vor. Spanien sucht den internationalen Ultra-Pilger,  oder so. Kopf oder Zahl. Weiterlaufen oder Abreise. Es fiel die Zahl und damit verbunden war der sofortige Abtransport mittels Taxi in die Stadt Valladolid. Dort werden die Magen-Darm-Beschwerden hoffentlich schnell behoben sein. Gute Besserung Misses Australia!  

 Die übrigen Bilder des Tages:

   
   

  

  

                                        

Verfasst von: Caminopilger | 2. Juni 2015

Camino de Madrid Tag 8 02.06.2015  Alcazarén – Simancas 31 km

 Einmal durch den Glutofen und bitte nicht Meer zurück! Simancas ist für mich das gelobte Land. Valladolid kann mir gestohlen bleiben. Dorthin fahre ich heute Abend keinesfalls mehr hin. Viel zu spät auf die Strecke und dann mittags in der Bar viel zu viele Pinchos genossen und schon hat Mann den Eisbergsalat. Dieser wird bei 31 Grad im Schatten bekanntlich schnell welk und so fühlte ich mich auch, wie ein Eisbergsalat ohne Wurzel auf dem Rost! Abgekämpft bin ich nach 8-stündigem „Sonnenbaden“ hier in Simancas angekommen. Ein frisch gezapftes Bier am Fluss lässt die Strapazen sicherlich schnell vergessen. Warte noch auf Jos und Maureen, die ich noch nicht über die steinige Brücke über den Rio Pisuerga hab kommen sehen. Vielleicht sind sie ja schon vor mir angekommen. Wer weiß das schon auf dem Camino de Santiago… Der auf einem Hügel liegende Zielort scheint nicht die schlechteste Wahl für einen gelungenen Abend zu sein. Nach dem zweiten alkoholfreien Bierchen begebe ich mich dann mal auf die Suche nach einem Hostal. Morgen steht bei 32 Grad im Schatten eine erholsame 22 km lange Etappe an.

Buenos tardez aus Simancas, 219 km von Madrid entfernt, Der Caminopilger

PS: Die tapferen Karlsruher dürfen stolz auf ihre Leistung sein!

Update @ Übernachtungstipp im Kern von Simancas: Casa de Huéspedes Arrabal, calle Arrabal 9, TiPP-Top-Einzelzimmer für 18€/Nacht

Die Schweiss-Bilder des Tages:

                                                

Verfasst von: Caminopilger | 1. Juni 2015

Camino de Madrid Tag 7 01.06.2015 Coca – Alcazarén 26 km

  
Die Geschichte des heutigen Tages ist relativ schnell erzählt. Ein wenig Alltag stellt sich zwischenzeitlich ein. Der Streckenverlauf war schön, brachte aber wenig Höhepunkte mit sich. Das Kaffekränzchen bei den 3 Damen vom Grill war am späten Morgen hinsichtlich der Gastfreundschaft in diesem Land sicherlich hervorhebenswert. Näheres dazu siehe: https://twitter.com/caminopilger/status/605297597138513921

Es war heute erneut heiß auf dem Weg und mit ein klein wenig Sorge habe ich mir die Wettervorhersage für die hiesige Region einmal Meer angeschaut… . Da müssen wir durch.

 

Maureen war übrigens sehr amüsiert über die Stimmen aus Deutschland, die ihr Alter in Frage stellen. Misses Australia war gestern Abend ja schwerpunktmäßig nach Schampus zumute und so schwächelte sie dann heute ein wenig im erneut tiefen Wüstensand. Während ich hier wie wild auf meinem vielfältig zum Einsatz kommenden iPhone6+ rumtippe hat Maureen längst die Schlafbrille aufgezogen.  Jos und ich haben am Vorabend ja nur aus Höflichkeit an den Gläsern genippt 😉.  Den großen Rest überließen wir der sprachgewaltigen Maureen.  Sie schaffte es heute nebenbei bemerkt meinen „Laufstiel“ mit dem einer Duck/Drake ( Zitat: „A male duck is called a drake!“) zu vergleichen. Jetzt habe ich auch noch eine Laufbetreuerin vor Ort, die beabsichtigt, mir den Ententanz auszutreiben. Schafft sie sowieso nicht. Da ist Hopfen und Malz verloren! Morgen steht eine weitere 30km Etappe auf dem Programm. Soweit alles gut läuft werden wir einen Vorort von Valladolid erreichen und abends die Stadt unsicher machen. Is klar!

Hola aus dem verschlafenen Nest Alcazarén 

DC

Die Bilder des Tages:     

  

  

  

 

               

 

Der Ritt nach COCA sollte von der Distanz her ja ne bessere Wellnessveranstaltung werden. War es dem Grunde nach ja auch, wenn nicht tonnenweise weißer Sand auf den Wegen in den endlosen Pinienwäldern mir stundenlang das Gefühl gegeben hätte in Noordwijk an Zee zu sein. Eine Abkühlung in Form eines Ozeans wäre auch heute für uns der Hit gewesen. Nachmittags hat mein Kreislauf in der Hitze ganz „schön“ zu kämpfen. Die Herberge in COCA ist nichts für Pilger, die die Schlafstätte mit der Lupe analysieren. Mir reichts, bin so sehr froh, dass der Pilgertag früher als sonst zu Ende war und ich den Luxus eines Zweierzimmers mit dem scheuen Kamil genieße. Der Streckenverlauf war heute mittelprächtig, wobei mich die ersten Tage ja eher verwöhnt haben. Unsere Australierin ist im wahren Leben … Physio-Therapeutin 🙂 Bingo! Läuft! Auf Forough folgt Maureen. Aber, Spaß um die Ecke, die Gute ist knochenhart, erzähle ich ihr von meinen vielfältigen orthopädischen Problemchen, dann lässt Sie mich Übungen machen, bei denen ich jeden Moment denke jetzt reißt der olle Muskel oder die nächste Sehne. Frag Sie einfach nicht Meer. Nachher passiert noch etwas Schlimmeres mit der wehleidigen Muskulatur. Im Gegensatz zu ihr ist mein Haus und Hof-Physio Erkan in Brüggen ja fast ein Weichei! Danke Erkan, dass Du mich bis zu meinem Abflug so weit wieder hergestellt hast, dass ich mein Pilgerziel überhaupt in Angriff nehmen kann.

Hola aus dem, historisch betrachtet,  berauschenden COCA (und nicht etwa COCA-COLA)

DC

Die Bilder des Tages:

        

      

 

 

 

 

 

 

 

 

  

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