Dijon!

Gleichwohl ich voranstellen muss, dass ich mich heute definitiv in die Stadt Dijon verliebt habe, gehören die nächsten Zeilen Daniel meinem ebenfalls pilgernden Gastgeber in Ahuy.

Der 83 jährige verwitwete Rentner und ich hatten uns so viel zu erzählen über unsere Erfahrungen auf den Jakobswegen und darüber hinaus. Zunächst war ich doch baff erstaunt, dass sich Daniel nahezu ausschliesslich auf Deutsch mit mir unterhielt. Der Grund für seine Sprachkenntnisse liegen lange Zeit zurück und hängen mit der Liebe seines verstorbenen Vaters zusammen, der 40 Jahre in Deutschland lebte, mit einer deutschen Frau liiert war und mit dieser und seinem Sohn Daniel lange Jahre in der Nähe von Freiburg lebte.

Pilger unter sich, Daniel und Heiner im Garten des Gastgebers

Das Haus von Daniel könnte glatt als Heimatkundemuseum durchgehen, Orden über Orden, Pilgerurkunden und andere Pilgerutensilien, aber auch Lauf-Teilnehmerurkunden in jeder Ecke seines großen, von ihm allein bewohnten, Hauses. Teilnahmebestätigungen von Marathonläufen in New York, Berlin, Tokyo und Ultra-Laufveranstaltungen über 100 km Strecke deuten nur ansatzweise an, welch großartiger Sportler Daniel gewesen sein muss. Bei allen gelebten und geliebten Aktivitäten scheint die Pilgerei aber Daniel am meisten am Herzen zu liegen. Nahezu euphorisch redet er über dieses Thema und verrät in einem kleinen Nebensatz seine auf den Jakobswegen nach Santiago de Compostella insgesamt gelaufene Gesamtstrecke in Höhe von 10.000 Kilometern.

Daniels Tampon Sammlung

Mit meinen ungefähr 3.800 gepilgerten Kilometern gelte ich da ja fast noch als Pilger-Novize, merke aber demütig an, dass ich ja noch ein wenig Zeit habe Daniel nachzueifern.

Merci beaucoup Daniel. Ohne den „Lonely Planet für Pilger“ hätte ich diese schöne Zeit mit dir wohl nicht erlebt! Bon camino. Ultreia!

Daniels Haustüre verziert mit der Jakobsmuschel

Nachdem ich Daniels Haus verlassen hatte, ging es zunächst einmal zum Rathaus der Gemeinde Ahuy mit seinen 1.464 Einwohnern. Das Chef-Sekreteriat kümmerte sich höchstpersönlich um den Stempelabdruck in meinem „Credencial del Peregrino“ und erklärte sich bereit, in den nächsten Stunden nach einer Pilgerunterkunft für mich in der Stadt Dijon suchen zu lassen. Meine Versuche etwas in diese Richtung vorab alleine auf die Beine zu stellen waren dieses Mal trotz aller Tricks und Lonely Planet Listen gescheitert.

Mit reichlich Verspätung ging es dann auf den „Chemin“ und aus den grauen Wolken fiel tatsächlich etwas Nasses. Regen im Departement Cote D‘dor! Dieser sollte bis zu meiner Ankunft in Lyon immer wieder mal schauerartig vom Himmel fallen.

Der Pilgerverein im Burgund hat eine wunderbare Streckenführung durch die Natur festgelegt, die dadurch leider auch einen großen Bogen um das Zentrum der Stadt Dijon macht. Ich finde es sehr schade, dass den Pilgern dieses schöne Etappenziel genommen wird. Was wär beispielsweise der Camino Frances ohne die Etappenziele im Stadtzentrum von Burgos und Leon?

der Jakobsweg geht um Dijon herum

Ich hatte von Anfang an zum Ziel, bei meinem diesjährigen Pilgerabenteuer Dijon zu erreichen und die Stadt dann aber auch für ein paar Stunden besichtigen zu wollen.

Über Fontaine-lès-Dijon, Talant, den Lac Chanoine Kir und den Bahnhof von Dijon erreichte ich dann frühnachmittags die riesige Altstadt von der Hauptstadt der Region Bourgone-Franche-Comté. Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass ganz Dijon eine einzige große Altstadt ist, soviel kann man dort besichtigen und Kultur erleben.

Aufgeweicht vom bis dato in 14 Tagen nicht aufgetretenen Regen wollte ich nicht bis zum Anruf der Chefsekretärin des Bürgermeisters von Ahuy warten und bezog kurzerhand ein günstiges hervorragend gelegenes Airbnb-Studio unmittelbar am „Place de la Libération“. Ich kam aus dem Staunen über die Schönheit und die Atmosphäre der Stadt nicht mehr heraus.

Besonders kennzeichnend für die Freundlichkeit und Verlässlichkeit der Menschen hier im Burgund erreichte mich dann gegen 19:30 doch noch ein Anruf, dass man endlich eine Unterkunft bei „Bekannten“ für mich gefunden hätte, die sich freuen würden, wenn ich heute Abend ihr Gast sein würde. Die Frau am anderen Ende der Leitung sprach Deutsch und ich fühlte mich fast schon ein wenig schuldig, die schnelle Unterkunftslösung in meinen nassen Klamotten sehr frühzeitig vorgezogen zu haben, bedankte mich für diesen rührigen Einsatz.

Je taime Cote d‘Dor.

es ist nicht die Schokolade, die kommt nicht aus Frankreich, sondern aus Belgien 🇧🇪 ! 🙈

Beim nächsten Mal bringe ich definitiv ein besseres Französisch mit auf den Pilgerweg.

Nach dem Stadtrundgang und guter indischer Küche ging es dann wieder zurück ins Studio Nr. 1, schließlich stehen ja noch zwei vollwertige Etappen bis Freitagnachmittag auf dem Pilgerplan .

Morgen früh benötige ich erstmal wieder 5-6 Kilometer um auf den Jakobsweg zurückzukehren.

Danach gehts über Chenôve, Marsannay-la-Côte und andere nicht genannte Orte nach Nuits-Saint-Georges! Insgesamt, wenn ich mich nicht verlaufen werde 🙈, ist das dann eine „anständige“ 27 Kilometer lange Pilgerwanderung.

Bon nuit de Dijon (Studio 1)

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages zum Teil, aus schlaftechnischen Gründen, ohne Untertitel

Rathaus Ahuy
Wer ist der Mann im Regen? Wo ist sein Hut?
Purple rain!
zauberhafter Weg nach Dijon
Welcome to Dijon. Geschafft!
Regen in Dijon und in Deutschland brennt der Baum
Studio 1 bepilgert
Eglisé Saint-Michel
Die Wahrheit steht im Kühlregal
Konzert 30 Meter vom Studio 1 entfernt!
Konzertmitschnitt ohne GEMA-Gebühren
Hab den Kleinen beim indischen Restaurant geschenkt bekommen weil ich meinen Spinat so schön verputzt habe 🥾🤠
Den Morgen verbringe ich gerne im Sonnenblumenfeld.

Die Unterkunftssuche stellt den Pilger auf dem Chemin des Allemandes mitunter, wie an dieser Stelle wiederholt aufgezeigt, vor unlösbare Aufgaben. Nach ein paar Wochen hier auf dem Jakobsweg in Frankreich habe ich endlich verstanden wie es besser laufen kann! Die privaten und gewerblichen Anbieter der Unterkünfte besitzen in allen Departements umfangreiche Datensätze und Listen über anderweitig nicht publizierte private Unterkunftsmöglichkeiten entlang des Weges.

Der Datenschutz lässt ein schärferes Foto nicht zu 😈!

Diese „Betten“ sind zwar nicht immer direkt am Weg gelegen, aber auf ein paar hundert Meter kommt es bei den zumeist machbaren Tagesetappen dann auch nicht mehr an. Das schöne an den Listen ist, dass die privaten Unterkünfte sehr häufig von Leuten zur Verfügung gestellt werden, die selbst Pilger sind und gegen „Donativo“ die Übernachtung nur für auf dem Weg befindliche Pilger zur Verfügung stellen. Wenn es schon kaum Herbergen auf dem Weg gibt, dann ist das für mich zumindest immer noch authentischer als „Hotelbesuche“ und passt einwandfrei zum Jakobsweg, da die Gastgeber die müden Pilger in den allermeisten Fällen mit Pilger-Herzblut empfangen. Bisher habe ich jedenfalls beste Erfahrungen mit dieser Art der Übernachtungen machen dürfen. Auffallend ist, dass die meisten Gastgeber die angesprochen Listen, sozusagen den Lonely Planet Übernachtskatalog für Pilger, ungern rausrücken und im Höchstfall einzelne Fragmente in Zettelform dem Pilger mit auf den Weg geben. Ich habe diesen gehüteten Goldschatz mittlerweile von einem der bisherigen Gastgeber dankenswerter Weise vollständig ausgehändigt bekommen und benutze ihn seitdem täglich bei meiner Quartiersuche.

Kennzeichnung des Weges im Cote D‘dor

So landete ich gestern bei Monsieur Sabatier in Marcilly sur Tille und staunte nicht schlecht als ich gegen 17:00 Uhr zum verabredeten Zeitpunkt vor einem abgeschlossenen Tor stand.

Das Tor zum Pilgerglück

Dahinter befand sich ein riesiges parkähnliches Anwesen am Fluss und der historischen Mühlenanlage des Ortes Marcilly-sur-Tille. Mittendrin ein riesiges malerisch gelegenes großes Herrenhaus. Beim Anblick dieser kinowürdigen Kulisse lief der Spielfilm in meinem Kopf schon ab. Wasserhähne aus Gold, Entmüdungsbecken für Pilger, eisgekühlter Burgunder am Pool und Barbecue. Man da habe ich heute ja das ganz große Los gezogen! Nach kurzer Zeit kam Herr Monsieur zum Tor, öffnete es aus der Ferne mit ner Funkverbung, und begrüßte mich freundlich auf seinem Anwesen. Als ich in freudiger Erwartung in Richtung des feudalen Herrenhauses gehen wollte, zeigte er überraschenderweise mit einer eindeutigen Handbewegung in die andere Richtung, also wieder vom Anwesen weg auf die Straße. Was soll das denn geben, dachte ich leise vor mich hin, zumindest leicht irritiert in diesem wieder zuhöchst bühnenreifen Moment. Ich hatte mich doch schon so sehr auf das Pilgerluxusleben eingestellt… . Der weitere Weg war dann zumindest nicht weit, genau gesagt waren es lediglich 10 Meter. Das Anwesen von Monsieur Sabatier ist unter anderem von der historischen Mühlenanlage eingegrenzt, die wohl offensichtlich auch noch zu seinem Anwesen zählt.

Müllers Mühle

Zugleich öffnete er das erste erreichbare Schloß und schwupps standen wir vor einem niedlich hellen historischen Häuschen.

mein Mühlenreich

„Voila“, dies war also meine puristische Übernachtung. Das historische Haus des Müllers, der erschöpft von der harten Arbeit in vergangenen Zeiten nicht all zu weit von der Mühle wohnen sollte um quasi ständig verfügbar zu sein. Genau genommen zählt das Knusperhäuschen damit zur Mühlenanlage. Monsieur erklärte mir mit einem besonderen Schalk im Nacken, dass ich für eine Nacht in die Rolle des Müllers schlüpfen würde.

1 Mühlen-Mann-Albergue

Mir gefiel das Szenario, dennoch war ich mir irgendwie nicht sicher, ob der Müller in früheren Jahrhunderten eine Dusche und ne Toilette kannte. Damit lag ich mal zu 100 Prozent richtig, die Toilette war 50 Meter entfernt in einem Schuppen des Nachbargebäudes untergebracht. Um diese zu benutzen wurden mir sage und schreibe drei Schlüssel ausgehändigt. Auf meine ergänzende Frage nach der Duschmöglichkeit, zeigte Monsier mit einem breiten Grinsen auf eine im Haus befindliche verblichene gelbliche Plastikschüssel mittlerer Spülgröße.

Mann achte auf die Spül-/Duschschüssel

Anschließend begutachtete er gemeinsam mit mir die Stelle am Fluß, wo ich mich zur Körperpflege unbeobachtet entkleiden könne.

Duschplatz am Fluss

Ich nahm alles mit ner großen Prise Humor und sagte zu ihm, dass es in Indien am Ganges genauso sei. Willkommen im naturverbundenen puristischen Pilgerleben! Ich tat, wie mir beFOHLEN wurde und machte mich am Fluss nackig. Herrlich! Das Pilgermenue stellte ich mir im örtlichen Einkaufsmarkt zusammen, da die Restaurants vort Ort ( Achtung: running gag) geschlossen hatten.

Des Müllers Abendmahl in der Mühle

Geschlafen habe ich übrigens herrlich als Müller für eine Nacht. Am heutigen Morgen brachte Monsieur mir gegen 07:00 Uhr dankenswerterweise frisch gebrühten Kaffee zum Müllershaus, setze den Tampon (deutsch: Stempel) in meinen Pilgerausweis und ich war 10 Minuten später wieder auf meinem Weg, ohne auch einen weiteren Blick vom Herrenhaus im Park während meines gesamten Aufenthalts erhascht zu haben. So ist eben das harte Leben eines Müllers!

Der Müller und sein Chef

Die heutige Tagesetappe nach Ahuy war insgesamt betrachtet eine staubtrockene und menschenleere Angelegenheit deren Höhepunkte zum einen eine zum 2ten Frühstück verzehrte leckere, mit Carte D‘or Schokolade und Bourbonne Vanillepudding gefüllte, Schnecke 🐌 und ein geniales Mittagsmenue in Messigny-en Vantoux waren.

so schaut es aus wenn ich nach unten gucke

Glücklicherweise hatten die Streckenplaner wieder ein Einsehen mit mir im Glutofen. Den kerzengeraden, langen und smarten Aufstieg nach Ahuy konnte ich im schattigen Wald gut meistern. Mein Lonely Pilger Planet Führer hat mir heute eine Übernachtung bei dem vitalen 83 jährigen Daniel geschenkt. Von ihm werde ich morgen an gewohnter Stelle ein bisschen mehr erzählen.

Es lebe der Camino.

Ahuy!

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages:

Wüstenblumen
Pilgerziel ist …
Cote D‘or Schnecke 🐌
ist das Mittagsmenue wirklich ne gute Entscheidung? Aber… Siesta muss sein.
auf dem Weg zum feudalen Mittagsmenue
der Blick zurück auf den gegangenen Weg
schönes Haus auf dem Weg
Weinstöcke 🍷 im Burgund
Friends will be Friends, oder was wäre ich ohne die Kühe auf dem Weg!
bescheidenes Pilgermahl
Durch den Wald nach Ahuy
bei Daniel angekommen
und die tägliche Pilgerwäsche ist auch schon erledigt 🤠
Der Caminopilger ist noch 3 Tage auf dem Weg.
So sieht ein Vorzeige-Morgen auf dem Jakobsweg aus

Ich muss zu Beginn meiner Ausführungen etwas zum gestrigen Aufenthalt nachreichen. Völlig unverhofft bin ich erneut in einer Herberge gelandet. Namentlich die Unterkunft des Pfarrzentrums „Centre Paroissial Nazareth“ in Grancey-le-Château. Die voll ausgestattete Herberge hat Platz für 8 Pilger. Wie sehr überraschend, dass sie für mich gestern wieder zur Einzelbelegung bestimmt war. Die auf dem Zettel von Madame Vollmer angegebene Familie Naudet, die ihr Haus nur einen Steinwurf entfernt von der Herberge bewohnt, hat mich dann kulinarisch mit vier herumtollenden Enkelkindern hervorragend am Abend verwöhnt und am heutigen Morgen mit einem leckeren Frühstück versorgt. Ein bunter Sprachmix aus Französisch, Englisch und Deutsch sorgte für eine sehr kurzweilige Zeit, in der viel gelacht wurde. Madame Naudets Rhabarbermarmelade und der Käse aus der Käserei des Schwiegersohns sind einfach unschlagbar gut. Als Pilgermedizin wird auch im Hause Naudet unmittelbar nach dem Eintreffen belgisches Abteibier gereicht!

die zweite Herberge auf dem Weg
Pilgermedizin die Zweite

Am heutigen Morgen bemerkte ich schon bald beim Blick auf eine Straßenmarkierung kurz nach dem Verlassen von Grancey-le-Château, dass ich wohl schon gestern erneut das Département gewechselt hatte. Nun pilgere ich durch das sonnenüberverwöhnte Departement Côte D‘or. Warum nur bekam ich bei diesem klangvollen Namen Heißhunger auf Schokolade?

Schokoladengelüste bei 38 Grad Außentemperatur

Hauptstadt der Gebietskörperschaft Côte D‘or ist Dijon. Damit ist klar, dass ich schon bald mein diesjähriges Pilgerziel erreichen sollte.

Aus der Heimat erreichte mich am heutigen Nachmittag übrigens ein fürsorglicher und flehender Anruf. „Ich sollte doch bitte meine Wanderung wegen der verheerenden Temperaturen vorzeitig abbrechen.“ Für den heutigen Tag darf ich Entwarnung geben. Traumhaft schattige Pfade und sonnenüberflutete Wege hielten sich in etwa die Waage. Den Streckenplanern in Côte D’or darf man an dieser Stelle einmal ein Kompliment machen. Ich hatte meine Gedankengänge bei der Tagesetappe noch beisammen und torkelte auch nicht herum. Übermorgen sollen die Temperaturen, wie auch in Deutschland, schon wieder deutlich heruntergehen und das erleichtert die letzten Tage meiner Pilgerwanderung doch sehr. Die morgige Hitzeetappe ist von der Streckenlänge (ca. 22 km) entsprechend dem Wetterszenario angepasst.

Wandern 🥾 in der Côte d‘Or Sahara

Gestört hat mich heute vielmehr, dass ich kurz hinter Marey-sur-Tille ca. 300 Meter auf einer frisch geteerten Straße laufen musste. Mein Einwand, dass dieser Belag doch sicherlich nicht all zu gut für meine Schuhsohlen sein werde, ließen die Bauarbeiter nicht gelten und gaben auch mir das Fahnenzeichen zum Start. So wurde ich dann von oben und von unten gegrillt und wunderte mich nach dem Verlassen der Piste in Richtung Waldweg, dass ich eine klebrige schwarze Masse im rechten Schuh und an der Socke zu beklagen hatte. Es muss wohl an meinem Laufstil im Fohlengalopp gelegen haben, dass ich soviel schwarzes Zeug hochgewirbelt habe. Die örtliche Straßenmeisterei von Marey-sur-Tille hat sich auf jeden Fall bereit erklärt, die erforderlichen Instandsetzungskosten des der Schuhwerkes zu übernehmen. Die Sohlen meiner Lowa-Boots haben die Geschichte hingegen erstaunlicherweise schadlos überstanden.

Die abenteuerliche Geschichte meiner heutigen Bettstätte erzähle ich dann erst morgen, sonst komm ich ja gar nicht mehr zur dringend gebotenen Nachtruhe.

Bon nuit de Grancey-le-Château

Die Bilder des Tages:

Der Pilger vor dem Haus der Familie Naudet
Bienen 🐝 und Hummeln sind dieses Jahr viel zu kurz gekommen, oder gibt es sie vielleicht auch in Frankreich 🇫🇷 gar nicht mehr so häufig ?
Rotes Gartentor
Cârte d‘dor Schmetterling 80 % Schokolade
Im Zauberwald
„eigentliches Tagesziel“ Is sur Tille erreicht!
„kleine“ Pilgerbelohnungen
Sightseeing in Is-sur-Tille
Marcilly-sur-Tille, Holland oder was?
Der Caminopilger wandert 2022 noch 4 Tage auf dem Chemin des Allemandes!
Pilgerfreude

Ich bin nach 10 Tagen auf dem Chemin so langsam im Pilgermodus angekommen. Belastungen wegstecken und dosieren, Abläufe kennen, in jedem Tag eine Herausforderung und Chance sehen (unabhängig von der Streckenlänge), offen sein für die Dinge, die da kommen und vor allem mit Freude und dem Glauben an seine eigene Leistungsstärke früh morgens den Tag beginnen, das alles und noch viel mehr zeichnet den „Pilgermodus“ aus.

Zur Pilgerroutine (von französisch routine für die „Wegerfahrung“) gehört leider auch das tägliche Verabschieden von Menschen, die uns ein Stück weit auf dem Weg begleiten und stärken. In Auberive verabschiedete ich mich heute nach einem prächtigen Frühstück von Madame Christiane Vollmer. Die herzensgute Frau kennt einfach die Bedürfnisse der Pilger in- und auswendig und verwöhnt ihre pilgernden Gäste nach Strich und Faden.

Pilgerstärkung am Morgen

Zum Ende meines Aufenthalts drückte mir Madame Vollmer neben reichlicher Wegverzehrung auch einen Zettel in die Hand. Sie hatte, während ich meine sieben Sachen einpackte, meine heutige Übernachtung unter befreundeten Pilgergastgebern fernmündlich festgezurrt und mir die diesbezüglichen Informationen auf einem handgeschriebenen Blatt zum Abschied übergeben.

Buchungsbestätigung

Die „La Maison aux Abeilles“ halte ich auf jeden Fall in bester Erinnerung.

Merci beaucoup Christiane!

Christiane Vollmer und ich der CP

Die heutige kurze Etappe war nach der hohen Belastung des gestrigens Tages genau der richtig dosierte Weg. Bei den angekündigten Temperaturen für die nächsten zwei Tage gilt es insbesondere die Kräfte gut einzuteilen. Wobei ich mir langsam die Frage stelle, wieviel Wasser der Caminopilger noch schleppen soll? Der heutige Wasserverbrauch war mit 3 Litern auf 18 Kilometern Pilgerstrecke schon einmal exorbitant hoch.

Heute hatte ich genug Zeit zum Bummeln in der freien Natur. Die armen Schmetterlinge 🦋 mussten also einmal mehr für das fotografische Hobby des Caminopilgers herhalten.

Video: Schmetterlinge auf Oreganoblüten

Menschen sind mir auch heute auf dem Jakobsweg kaum begegnet, dafür galt es aber, neben der schönen Natur, ne Menge toller Bauwerke zu bestaunen. Abkühlung gab es glücklicherweise in den verhältnismäßig „kühlen“ Wäldern. Der Jakobsweg zeigte sich heute mithin von seiner schönsten Seite.

Bon nuit de Grancey-le-Chateau

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages:

The Wall
Heilung
1 von 10 Kirchen in 3 Orten
Brunnen von 1861 in Vivey
Wasserhahn zum Fürchten, Vivey
durch Wald und Wiese
naturbelassener Weg
Schmetterling du kleines Ding
lila immer wieder lilafarben
auf dem steilen Weg zum Ziel
angekommen am Zielort bin ich schon einmal, wo muss ich denn jetzt hin?
Tor zum Ort
zauberhaftes Grancey-le-Château
schöne Schilder
Fromage, Fromage!
Chemin de Compostelle

Wenn man zum Ende einer 10 stündigen Pilgerwanderung beim letzten Aufstieg des Tages vom Kopf her das erklärte Ziel hat, möglichst schnell in der „Maison aux Abeilles“ in Auberive zu landen und die Beine dies nicht mehr so recht wollen, dann hilft nur noch sich irgendwie in das Pilgerziel zu retten. Alle 300 Meter ne Pause, ein kleiner Schluck aus dem spärlichen Wasserrestbestand und so kam ich dann auch erschöpft um 18:00 Uhr im Niemandsland außerhalb von Auberive an. Frau Christiane Vollmer, die empathische Gastgeberin der Maison, hatte zugleich auch schon die richtige Medizin zur Hand. Ein gut gekühltes Bier aus der Flasche, das ich dankbar in vollen Zügen in der Waldoase genoss. Nach der Körperpflege folgte ein gemeinsames Abendessen auf der schönen Gartenterrasse und das war es aber auch schon. Das heimische Internet funktionierte nicht, Mobilfunk nur bruchstückweise, mithin war um 21:00 Uhr absolute Ruhe im Karton. Der im Himmelbett liegende Caminopilger begab sich ins „Schlafkoma“ und erholte sich von den Mühe des Tages.

Die sonstige Geschichte des Tages ist schnell erzählt. Ein bunter Mix aus Wiesen, Feldern, Wäldern, Bächen und auch Straßen war angesagt bis ich ganz in der Nähe der Aube-Quelle das Ziel Auberive erreichte.

Auf einem der vielen abgeernten Getreidefelder kam mir Suzanne aus Quebec entgegen. Wir nutzten das hier so seltene „Phänomen der Pilgerbegegnung“ zu einem sehr sympathischen Austausch, in dem ich erfuhr, dass die sportliche 70 jährige französischsprachige Kanadierin wohl zur gleichen Zeit wie Kevin (der Ire) in Canterbury gestartet war und ebenfalls Rom als festes Pilgerziel auf der Via Francigéna hat. Ganz stolz erzählte mir Suzanne, dass ihr Sohn sie bei der anstehenden Alpenüberquerung auf dem Weg nach Italien als Wanderer begleiten wird und dazu extra aus Kanada 🇨🇦 anreisen wird.

Das Erinnerungsfoto war im Kasten, Suzanne machte mir mit einem „I love your hat“ noch ein charmantes Kompliment und zugleich trennten sich wieder unsere Pilgerwege in unterschiedliche Himmelsrichtungen.

Mitpilgerin Nr. 1 Suzanne

Bon jour de Auberive

Der Caminopilger

Die Bilder des Tages:

Pilgerfrühstück on the way
Das schönste Haus des Tages am Weg
und nochmal das Haus
Stoppelfeldweg
Wälder ohne Ende
Die Pyramiden von Gizeh sind nix gegen diesen Bau
Meine tägliche Kuh
Jade-Libelle
da pfeif ich noch (nicht aus dem letzten …)
Staubiger Tag again (staubtrocken)
bei Madame Christiane angekommen
Farbliche Gestaltung der Wegekennzeichnung am letzten Gipfel
Schlafen wie ein König

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