Verfasst von: Caminopilger | 17. Juni 2015

Camino de Santiago Tag 23 17.06.2015 Cea – Castro Dozón 22 km

  

Hombre, welch mürrischer Blick! Aber so bin ich eben auch! Die vielen lächelnden Pilger-Selfies spiegeln nicht immer mein Seelenleben wieder. Madrid, oder Barcelona, Hauptsache Spananien! So manches Mal  hätte ich mir in den letzten vier Wochen schon lieber gewünscht, in Barcelona am Meer gewesen zu sein. Diese Sehnsucht kann zumindest bis Santiago de Compostela nicht Meer erfüllt werden. „Das ist klar!“ würde Lucien Favre zu sagen pflegen. Kämpfe mich hingegen mehr oder weniger tapfer durch die Hügel und bin dann auch froh, wenn das Thema am Freitag hoffentlich beendet ist. Gehöre wirklich nicht zu den Pilgern, die am Ende eines Caminos vor Kraft und Ehrgeiz strotzen um umgehend aufzubrechen und den nächsten Camino in Angriff zu nehmen. Nein, danke. Ich werde das Meer am Wochenende sehen! Basta! Mehr verrate ich noch nicht … .

Um eine kleine Vorstellung davon zu geben, wie das mit den Hügeln so ist, nenne ich einfach mal ein Beispiel. Ourense liegt bekanntlich auf 140 Meter Meereshöhe. Da bin ich gestern ja losgestiefelt und heute kurz vor dem Ziel in Castro Dozón war ich zwischenzeitlich wieder auf 855 Meter Meereshöhe. Da kommt Mann nicht mit dem Aufzug rauf!

 

Für sich gesehen, keine große Belastung, aber auf Dauer können einem auch die widerspenstigen galicischen Hügel zu schaffen machen. Heute bin ich wieder mehr getorkelt als gepilgert. Keine Ahnung warum. Es war einfach so,  Schwamm drüber. Klar ist, das, eine Strecke von 700 km in 25 Tagen zu laufen, kein Kinderspiel ist. Kein Grund zu klagen. Mann sucht sich das ja selber aus. 

Nach meinem iPhone-Kartenmaterial zu urteilen sind es jetzt ja nur noch 69 km und es besteht Hoffnung, dass es in ECHT noch ein paar Kilometer weniger sind, schließlich gibt das Dorfcafe als Entfernung nach Santiago 65 km an.  

 Verlassen kann Mann sich darauf allerdings nicht. Das haben meine bisherigen Caminos immer wieder bestätigt.

Die übrigen Fotos des Tages aus Castro Dozón/Cea:

            

               

      

Verfasst von: Caminopilger | 16. Juni 2015

Camino de Santiago Tag 22 16.06.2015 Ourense – Cea 22 km

 
Schritt für Schritt nach Santiago de Compostela. 

Immer wenn ich den Duft  junger hellgrüner Blätter von Eukalyptusbäumen verspüre, werde ich sentimental, da dies häufig in meinem Leben bedeutete, dass  ich meinem Pilgerziel sehr nahe bin. Ökobilanz hin oder her, in Galicien werden diese rasant wachsenden Bäume immer noch großflächig angebaut und ich liebe einfach den Duft dieser Wälder! Heute war wieder ein solcher Eukalyptus-Tag auf dem Jakobsweg. Ich hatte einen weiteren wunderschönen Tag auf dem Camino, weitestgehend beschwerdefrei, bei bestem Bilderbuchwetter! 90 Kilometer von Santiago de Compostela entfernt, habe ich mich entschlossen der heutigen Kurzetappe von 22 km morgen eine weitere „Schonstrecke“ von erneut 22 Kilometern folgen zu lassen. Möchte mich einfach richtig erholen  können, um dann an den letzten 2 Tagen noch mal alles rauszuholen, was noch drin ist… . Demnach würde ich schon am späten Freitagnachmittag meine Pilgerkluft ablegen können. Schaun mer mal. 

Es wird, so oder so, eine heiße Angelegenheit auf den letzten drei Etappen. Für die Region Ourense haben sie  beispielsweise konstant Temperaturen um 36 Grad angesagt. Da heißt es für mich, insbesondere am Donnerstag und Freitag, so früh wie nur möglich morgens die Herbergen zu verlassen. Nicht unbedingt meine Paradedisziplin!

hola desde Cea

Der Caminopilger Heiner

Die Bilder des Tages:

 
     

                         

        

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

 

  

 

Bilder können täuschen. Wie sagte ich doch so schön an anderer Stelle: „Mann weiß nie,  wie der nächste Tag auf dem Camino de Santiago so läuft.“ Fangen wir mit der Nacht an…. . 

Schlaflos in Xunqueira de Ambía könnte dafür die Überschrift lauten. Ich bekam meinen Körper einfach nicht in den Schlafmodus, nachdem ich so spät erst am Abend eingelaufen war.  

War dann selbstredend der letzte, der den Weg aus der Bar zur Herberge gegen 22:30 Uhr suchte und alle anderen Pilger schlafend in Ihren Hi-Tech-Schlafsäcken vorfand. Da ich wußte, dass so „frühes“ Hinlegen mir rein gar nichts bringen würde, hielt ich mich bis 01:30 Uhr im Aufenthaltsraum/ Küchenbereich auf. Mit der Liebsten Textnachrichten austauschen, bis Lydia auch nicht mehr konnte, anschließend Fußpflege, diverse andere Vorereitungshandlungen, Teekochen, etc. , unter dem Strich verging die Zeit bis 01:30 Uhr im Flug, nur an meiner Nicht-Müdigkeit änderte sich rein gar nichts. Widerwillig kroch ich dann auch in mein Iglu und blieb …  wach. Unter dem Strich habe ich dann bis zum Aufstehen um 06:15 Uhr vielleicht eine zusammengekrümelte  Stunde geschlafen. Schlecht, ganz schlecht für den anstehenden neuen Tag. Es wunderte mich dann auch gar nicht, dass ich, einmal auf dem Camino stehend, konsequenterweise unendlich platt war. Führte ich es insgeheim ja auch auf die in den vergangenen beiden Tagen insgesamt mit 69 km zurückgelegte Mammutstrecke zurück. Es sollte ja heute eigentlich ein besserer Volkswandertag für mich mit 23 km nach Ourense werden. 

Als ich dann aber nach 5 km am Hang bereits die zweite Bar aufsuchte stand fest… Muntezumas Fluch war definitiv wieder zurückgekehrt! Um Himmels Willen, was bekomme ich in diesem Jahr in den Caminodörfen nur verabreicht? An der Schlappheit änderte auch der, diverse Male zur  Überraschung der jeweiligen Barinhaber bestellte,  Kamillentee nix.  Nicht minder genervt war ich über die Vielzahl der Insektenstiche der vergangenen Tage, die mir an den Armen und Beinen zusätzlich noch zu schaffen machen. 

Wie gut, dass ich heute wenigstens die Smarties testweise aus dem Körper gelassen habe. 

Positiv betrachtet, waren es, trotz aller Widrigkeiten, wieder 23 Kilometer, die ich näher an mein Ziel,  Santiago de Compostela, gekommen bin und das zählt schließlich; Montezuma hin oder her. Die Altstadt von Ourense mit seinen heilenden Thermalquellen gefällt mir, der Rest der Stadt und das unweigerlich auf dem Camino de Santiago zu durchschreitende Industriegebiet von Ourense erst recht nicht. 

Mal schauen wie der nächste Tag für mich läuft. Eine Prognose wage ich nicht mehr, dafür habe ich jedoch wieder meinen geliebten Magen beruhigenden Ingwer in der Tasche, den ich hier in der 110.000 Einwohner zählenden Stadt wieder bekommen habe.

Alles wird gut!

DC aus Galicien, cirka 110 Kilometer von Santiago de Compostela entfernt.

Die Bilder des Tages aus Ourense:

   
                    

                                  

  
Beginnen möchte ich diesen Blogbeitrag mit einem herzlichen Dank an Johann, der mir meinen 2015er Camino  vielleicht „gerettet“ hat. Hätte sich der 66-jährige Salzburger gestern Abend nicht so intensiv um mich gekümmert und mich „aufgepeppelt“ wäre ich heute sicherlich nicht Meer über die Berge gekommen. Dank Johanns Hausapotheke hielt mein Erschöpfungszustand wohl nur bis Mitternacht an. Nachdem ich mir morgens die Lowa Stiefel angezogen hatte, war es so, wie es mir Johann am Vorabend schon angekündigt hatte. Ich konnte meine diesjährige Pilgerwanderung fortsetzen. Auch Jos, mein belgischer Mitpilger vom Camino de Madrid, hatte mir versprochen, dass mit dem neuen Tag die Sonne für mich wieder scheinen möge und so war es dann auch, zumindest im übertragenen Sinne! Ansonsten hat es immer wieder geschüttet. Ich habe den Tag ganz langsam angehen lassen, habe mich morgens beim Frühstück von Francisco (siehe vorangegangen Blogbeitrag) verwöhnen lassen und danach liefen meine Beine wie von selbst. Regelmäßige Pausen sorgten dafür, dass ich nicht annährend in kritische Bereiche kam. Auch heute standen mächtig Höhenmeter auf dem Programm. Unter dem Strich waren es 1.500 Höhenmeter, die erstmal bewältigt werden müssen. Gegen 19:00 Uhr trudelte ich dann in der Herberge von Xunqueira de Ambía ein. Johann und Manuel hatten nicht mehr mit mir gerechnet und begrüßten mich erfreut darüber, dass ich mein mehr als offensichtliches gestriges Tief wohl überraschend schnell überwunden hatte. Auf dem Camino de Santiago kann niemand so recht vorhersehen, wie gut oder schlecht ein Pilgertag verlaufen wird und das ist gut so.

Die Eckdaten:

Tag 20/v.25/26 Tagesentfernung: 33 Km

Zurückgelegte Gesamtstrecke:  554/v.690km 

Ola desde Xunqueira de Ambía

DC

Die Bilder des Tages:

          

  

Mehr Fotos konnten leider nicht hochgeladen werden, sonst wäre ich nicht mehr in die Herberge reingelassen worden … .

  

 
Die ersten 4 km des 20ten Tages habe ich schon hinter mir, obwohl ich gestern Abend noch dachte, dass es keinen Morgen Meer für mich auf dem  Camino de Santiago geben würde. Werde in der Bar A Souteleira Sendero del Peregrino ( facebook: asouteleiradesantiago ) in vielerlei Hinsicht bei guter Musik  (Rod Stewart) 

  

 frühstücksmäßig verwöhnt und nehme mir die Zeit für diese Zeilen. In Kürze die Geschichte meines gestrigen Beinahe-Untergangs oder auch:  Wie aus dem Caminopilger auf dem Weg nach Laza um ein Haar LAZARUS wurde. Den Fehler habe ich eigentlich schon zuhause gemacht. Nahezu 3500 km Caminogeschichte, warum sollte ich mich  da näher mit dem Camino Sanabres beschäftigen. Hochnäsig bis verantwortungslos würde ich im Rückblick sagen. Klar, ich wußte, dass es lange 36 km über die unzähligen galicischen Hügel werden. Was 2.200 Höhenmeter an einem Tag kräftemäßig für meinen Körper bedeuten, habe ich fatal unterschätzt. Die letzten 6 km des Tages waren ein Disaster. Alle 500 Meter musste ich den Rucksack ablegen. Pause. Filmriss bei km 33. Ich lege mich ins Gras und kann nicht Meer. By the way heute habe ich dadurch die Arme von unzähligen Moskitostichen verziert! Ein Reiter kommt auf seinem Pferd vorbei. Erkennt meinen Erschöpfungszustand und kündigt an, dass er mich mit dem Auto abholen und zur Albergue bringen würde. Nicht mehr ganz von Sinnen willige ich ein und bin in dem Moment wo er mit seinem Pferd davonbraust totunglücklich. Auf 4.000 Caminokilometern habe ich so was als Fußpilger noch nicht gemacht. Ich warte ungefähr 15 Minuten auf dem Boden liegend auf ihn. Es fängt heftig an zu regnen. Der Retter ist immer noch nicht in Sicht und ich ziehe weiter, verlaufe mich konsequenterweise noch, erreiche dann aber irgendwann doch die Herberge. Völlig ausgebrannt setze ich mich mit leerem Gesichtsausdruck auf den erst besten Stuhl und eine amerikanische Schicki-Micki-Pilgerin hat nichts Besseres zu tun als mich anzupfeifen, dass ich mit meinem Schweiß ihr Shirt, das wohl an der Rückenlehne hing,  verschmutzen würde. Bon Camino in Richtung USA sage ich. Ich bin zu schwach um die Dame einzunorden. Dafür habe ich SIE heute wo es mir wieder viel besser geht keines Blickes gewürdigt. Das ich wieder auf den Beinen stehe habe ich meinem österreichischen Mitpilger Johann zu verdanken. Er reichte mir Magnesium und Traubenzucker und meinte, dass er solch einen Tag auch schon hatte.

2.200 Höhenmeter in einer Etappe. Mann muß schon ein bisschen verrückt sein um diesen Camino Sanabres zu laufen.

Bei Francisco bedanke ich mich für das besonders liebevolle Frühstück! hurra ich lebe noch …

Viva la vida! Viva La Galicia!

  
Die Bilder des gestrigen Tages:

   
                              

  

  

     

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