Verfasst von: Caminopilger | 2. Juni 2009

Am Kap der guten Hoffnung

Gestern haben wir fuer unsere gut 90 km lange Pigerwanderung von Santiago de Compostela nach Finisterre unsere „Urkunde“ erhalten.

CIMG0335

Diese hat allerdings nicht annaehernd solch eine emotionale Bedeutung wie das Stueck Papier, das wir im letzten Jahr in den Haenden hielten.
Wir empfinden die eigene Rolle hier in Finisterre als nebensaechlich. Man ist und bleibt fuer ein paar Tage ein Seiteneinsteiger auf dem Camino, der eben nicht den gesamten Weg mit den vor Ort befindlichen Langzeitpilgern von den franzoesischen Pyrinaen startend gelaufen ist.

DSCF0006

Dies war uns allerdings auch schon bewusst als wir zum Klassentreffen geladen hatten. Dennoch kommen wir mit einzelnen Pilgern ins Gespraech und geniessen unsere beschraenkte Zeit.
Der gestrige Sonnenuntergang am Kap war ein beeindruckendes Naturereignis.

CIMG0337

Die Pilger sassen wie gebannt in den Klippen und betrachteten das Vergluehen des Himmelskoerpers am Horizont.

CIMG0336

Der Tradition Pilgerkleidung oder andere Sachen an der Kap-Spitze zu verbrennen folgten wir nicht.

CIMG0338

CIMG0342

Meine knielangen gruenen Foerstersocken haetten es schon lange verdient gehabt in den Ruhestand zu gehen, schliesslich haben sie ja schon meinen Vater anno Tobak ueber die Alpen gebracht.

Ansonsten ziehen hier wettermaessig so langsam Wolken auf. Wir koennen uns bald schon auf „normales“ nordspanisches Wetter vorbereiten. Positiver Nebeneffekt ware, dass Stephan seinem funkelnagelneuen Ganzkoerper-Regenponcho die Jungfraeulichkeit nehmen koennte.

Das Foto zeigt uns beim heutigen Fruehstueck auf der schattigen Veranda.

CIMG0344

Heute sollen die Temperaturen noch einmal 30 Grad erreichen

CIMG0343

bevor es hier und in ganz Europa bis zum Wochenende spuerbar abkuehlt.

Buenos dias amigos aus Finisterre!

CIMG0340

Verfasst von: Caminopilger | 1. Juni 2009

Tage am Meer

Nach den Anstrengungen der letzten drei Tage haben wir heute auf der 10 km langen Strecke nach Finisterre entlang des Atlantiks unsere Seelen baumeln lassen. Bei traumhaften Wetter und erneut wolkenfreiem Himmel bis zum Ende der Welt laufen zu duerfen empfinden wir als ausgesprochenes Geschenk.
Sentimental wurde es gegen Mittag als wir auf eine Delphin-Familie stiessen und diesen Moment sogar fotografisch fuer die Ewigkeit festhalten konnten. Diese wunderschoenen Meeressaeuger hat Carsten zuletzt in Neuseeland gesehen!

CIMG0271

Finisterre gefaellt uns sehr gut. So gut, dass wir uns spontan fuer 2 Naechte eingebucht haben. Nach dem die Betten in der Herberge eher einer Quietsch-Komode glichen und einen festen Schlaf erfolgreich verhinderten wandeln wir erneut auf den Spuren der Luxus-Pilger. Unser Apartement verfuegt sogar ueber eine Einbaukueche und ist mit 15,00 Euro je Kopf und Tag absolut finanzierbar. Wir Drei scheinen die kostbaren Tage in der Tat geniessen zu wollen, da das Ende ja schon bald in Sicht ist …. .
Heute Abend laufen wir zur westlichsten Spitze Spaniens dem Cap Finisterra. Seit Tausenden von Jahren faszinieren die Sonnenuntergaenge die Pilger. Die wie ein Finger in den Atlantik ragende Landspitze war fuer Kelten, Phoenizier und auch Roemer ein mystischer Ort, an dem sie Sonnen/ und Fruchtbarkeitsriten feierten.

Bilder vom Tage

CIMG0286

CIMG0285

CIMG0288

CIMG0287

CIMG0293

CIMG0284

CIMG0278

CIMG0279

und auf besonderen Wunsch noch ein Foto aus einem Barock#Zimmer. Einen Waeschestaender gab es nicht, da musste der Kronleuter herhalten ….

CIMG0289

Verfasst von: Caminopilger | 31. Mai 2009

Sonnenzeit – Tag der Schmetterlinge

CIMG0221

Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen ist es in Galizien an keinem Mai-Wochenende so heiss gewesen wie an diesem! 33 Grad. Mitten in der Pampa, schattenlos und kein Meer in Sicht, so sah es um 12:00 mittags bei uns aus. Die Distanz zur naechsten Traenke betrug 15 km. Toll!! Folge dieser moerderischen Pilgersituation war, dass wir fuer die 26 Tageskilometer 8 Stunden in der Bullenhitze benoetigten. Kreislaufkollaps inbegriffen.
Zum Abschluss sind wir jedoch reichlich belohnt worden, da wir zum einen den Atlantik erreicht haben und zu spaeter Stunde noch ein Bett in San Roque in der staedtischen Herberge ergattert haben. Nach unseren kerkeling-liken Hotelnaechten leben wir damit endgueltig wieder in Pilgerbescheidenheit. Die 30 Pilger essen um 20:00 Uhr gemeinsam in der Herberge um dann gegen 22:30 uhr friedlich und erschoepft die Aeuglein zuzumachen.

Unser heutiger Tag wurde in der schoensten Natur von unzaehligen Schmetterlingen verschoenert. Zitronenfalter, Kohlweisslinge, Pfauenaugen und andere Falter tanzten entlang des Weges als gaebs keinen Morgen mehr.
Als ganz besonders schoen empfanden wir diesen schwarz roten Schmetterling der uns fuer wenige Minuten Gesellschaft leistete.

CIMG0205

100_0908

Erkenntnis des Tages:

Der Camino ist, egal wie lang man ihn begeht, kein Zuckerschlecken, sondern eine harte Herausforderung.
Eine spanische Ueberlieferung besagt, dass die Pilger auf dem Weg ihre seelischen Noete in koerperliche Schmerzen umwandeln und dadurch gestaerkt nach Hause zurueckkehren werden. Teil 1 der Weisheit koennen wir bereits am dritten Tag des Weges bestaetigen.Verhaertete Waden, Druckstellen an den Fuessen und Schmerzen in den Schultern gehoeren zu dem Preis den wir gerne bereit sind zu zahlen.

Fotos des Tages:

CIMG0223

CIMG0220

CIMG0219

CIMG0218

CIMG0224

Verfasst von: Caminopilger | 30. Mai 2009

Stau auf der Pilgerautobahn

CIMG0069

Irgend etwas hat sich geaendert … .
Im letzten Jahr sind wir in aller Gemuetlichkeit ueber den Camino geschlendert und bekamen an jedem Tag ein Bett in den Herbergen. Nach dem gescheiterten gestrigen Versuch in einer Pilgerherberge zu uebernachten, wollten wir heute beim Kampf um die Feldbetten cleverer als unsere Mitbewerber sein. Mitten in der Nacht um 06:00 Uhr betraten wir bei gedaempften Lichte den Camino und waren uns sicher deutlich vor den „Anderen“ das Tagesziel zu erreichen. Auf dem Weg zum Atlantik gibt es leider nur noch eine einzige Herberge, 30 km vor Finisterre, aber wir waren ja in der Pole-Position….. ! Leider nur fuer ca. 2 Stunden, denn ein ganzer Pulk von Pilgern aus den Alpen-Republiken zog mit leichten Schritten in einem erneuten Eukalyptus-Waeldchen an uns vorbei. „Das war ja wohl nix mit dem fruehen Aufstehen“ grinste uns eine oesterreichische Bergziege beim erbarmungslosen Ueberholen von der Seite an. Weiterhin kein Grund fuer uns zur Unruhe, da ja doch noch ein paar Betten zu ergattern waren. Leider wurden wir im Laufe des Tages dann aber wiederholt noch von anderen top fitten Jakobspilgern ueberrannt, so dass die Anzahl der Pilger die vor uns liefen schon deutlich die Betten in der avisierten Herberge ueberstiegen. Unser Alternativplan fuehrte uns jenseits der offiziellen Strecke ans Ende der Welt nach 9 1/2 Std. und 33 huegeligen Tageskilometern ins „wunderschoene“ Mazaricos. Eigentlich logisch, dass das einzige Hotel am Ort ausgebucht war. Gluecklicherweise vermittelte das freundliche Personal der

Casa Jurjo

uns an eine private Vermieterin und wir haben endlich eine (zugegebenermassen barocke) Uebernachtungsmoeglichkeit. Der heutige Tag war wieder brutal heiss. Temperaturen ueber 30 Grad gibt es hier manchmal sogar im Hochsommer nicht ….

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen vom heutigen Tage:

CIMG0163

CIMG0162

CIMG0164

Zur besseren Orientierung wo wir uns ueberhaupt momentan aufhalten hier noch ein Karten-Link.

Verfasst von: Caminopilger | 29. Mai 2009

Wer zu spaet kommt …

Fotonachtrag 🙂

CIMG0097

Unser erster gemeinsamer Tag auf dem Jakobsweg nach 11 Monaten!

CIMG0118

in einer faszinierenden Naturkulisse

CIMG0122

Wer zu spaet kommt den bestraft das Pilgerleben. Haben nach Carstens gestriger Ankunft ein wenig zu sehr getrudelt. Die 25 km lange Strecke (6 1/2 Std. Dauer mit 2 Pausen) fuehrte uns ueberwiegend durch herrliche Eukalyptuswaelder und verleitete zum Verweilen und Bummeln mit dem unerfreulichen Ergebnis, dass die Herberge in Negreira auf dem Weg nach Muxia fuer uns kein Bett mehr frei hatte. Ganz toll, wenn MANN dann bei dieser Bullenhitze (um 18:00 Uhr: sage und schreibe 32 Grad) noch nach einer Alternative Ausschau halten muss.
Gluecklicherweise gelang das relativ flott und nun logieren wir im „besten“ 2 Sterne Hotel der Stadt, dem

Hotel Tamara.

Eigene Fotos kann ich heute leider auch keine hochladen, da der PC im oertlichen Videoladen sich als besonders biestig erweist und mein Cardreader keinen Naehrboden laesst.
Ansonsten geht es uns Dreien sehr gut. Die heutige Strecke hat uns nicht vor unloesbare Aufgaben gestellt, Schuhe und Fuesse hielten und so gehen wir den morgigen Tag mit einer 33 km langen Tagesstrecke positiv an. Dort wird die Infrastruktur noch ein wenig magerer als heute sein. Wir werden unseren Vorrat an Getraenken und Nahrung gleich wieder auffuellen um bei diesen Temperaturen halbwegs klar zu kommen.
Auf der heutigen Etappe habe ich beispielsweise 6 Liter Fluessigkeit zu mir genommen!

Anbei zumindest ein Foto aus dem WWW, das den Ortseingang unseres heutigen Tagesziels zeigt.

negreira

« Newer Posts - Older Posts »

Kategorien