Viva La Galicia!

Heute mussten wir den Preis für unsere zeitweise „Bummelei“ auf dem Camino de Santiago bezahlen. Um irgendwie den ehrgeizig gesteckten Zeitplan für unsere Ankunft in Santiago de Compostela noch einhalten zu können, haben wir uns heute zu einer wirklich langen Etappe von 36 km durchringen können. Sehr früh am Morgen starteten wir in der Dunkelheit und liefen anschließend gut zehn Stunden auf dem Jakobsweg. In Melide angekommen freuten wir uns sehr auf das belohnende Essen nach der Kraftanstrengung und hatten am späten Nachmittag leider wieder einmal die Rechnung ohne die galicischen Wirte gemacht. Vor 19:00 Uhr gab es einfach keine Möglichkeit unser wohlverdientes Essen zu bestellen. Ersatzweise gab es bis dahin für uns zur Überbrückung wohlschmeckende Kaltgetränke aus spanischen Brauereien, die den, am Tag während der Pilgerwanderung erlittenen, Flüssigkeitsverlust mehr als ausglichen. Carsten und ich nahmen das ganze mit Galgenhumor, konzentrierten uns dabei auf die natürlichen und kraftschenkenden Bestandteile (Malz, Hopfen und Hefe) im Gerstensaft und dachten weniger an den ebenfalls im Lagerbier enthaltenen Alkohol … .

Eine gute Routenplanung ist das halbe Pilgerleben!
Carsten und Heiner (Stephan war unbeteiligt) warteten am Outdoor-Stammtisch eines
gastronomischen Betriebes in Melide auf die Bestellung ihres Essens …

Die heute bei unserem nachmittäglichen Pilgerlager entstandenen Bilder bitten wir im Nachhinein zu entschuldigen, möchten aber betonen dürfen, dass diese Tage auch mal zu einem Weg gehören, der den pilgernden Menschen soviel Entbehrung und Anstrengung abverlangt.

Unser Alibi des Tages: Wer Bier trinkt lebt hundert Jahre. (Sprichwort aus Italien)

Eine besondere Schönheit des Tages wollen wir an dieser Stelle einmal hervorheben.

Ein Fohlen, nicht aus der Elf vom Niederrhein, sondern aus Galicien

Das junge Fohlen auf der Weide eroberte heute im Nu unsere Pilgerherzen und ließ sich bereitwillig von uns ablichten.

Ab sofort gilt unsere ganze Konzentration dem morgigen vorletzten Tag auf dem Camino Francés.

Unser Navigator Carsten hat uns erneut eine 35 km+ Etappe ins Pilgerheft geschrieben … .

Hola aus Melide

Die Bilder des Tages:

Wer lässt denn seine Schuhe schon vor Santiago am Pilgerstein stehen?
Selfie im Jahr 2008 😉
Radpilger und Blumen
Blumen erfreuen alle Pilger
galicischer Speicher
blütenverzierte Mauer auf dem Camino Francés
MAGDALENA nur noch 55,5 km nach Santiago de Compostela
Natur pur
das Pferd zum …
Fohlen!
galicisches Mädchen mit Hund in den Gassen von Melide
Glücklicherweise kam unser Ensalada Mixta doch noch auf den Outdoor-Tisch
gut gesättigt ging es anschließend wohlbehalten
zum Garcia Supermercado, die Verpflegung für den morgigen Tag sicherstellen …
Tiere auf dem Camino, als ob die Arche Noah am Galicischen Meer gestrandet wäre!

In Galicien hat sich etwas geändert … .

Wir haben leider den Farbton „Himmelblau“ gegen ein bewölktes „Grau“ am Himmel getauscht.

Der angekündigte Nebel hat sich bisher in Galicien glücklicherweise noch nicht so häufig gezeigt, dafür bevölkerten am Morgen aber unzählige Kühe, Schafe und Ziegen unseren Weg nach Portomarín. Das Laufen auf Asphalt durch die zahlreichen „Kuhdörfer“ in Galicien empfinden wir nach all den schönen und naturbelassenen Wegen der vergangenen Tage als deutlich ermüdender.

Um eine Pilgerurkunde als Fußpilger in Santiago de Compostela in Empfang nehmen zu dürfen, muss man mindestens 100 km auf dem Jakobsweg gehen. Wir erreichten heute den „ominösen“ 100 km Grenzstein kurz vor Morgade (Sarria) auf dem Camino Francés in Galizien.

Carsten, Stephan und Heiner beim Erreichen des „ominösen“ 100 km „Grenzsteins“ in Galicien.
Erkennt man da etwa eine gewisse Pilgermüdigkeit?

Warum ist diese Stelle auf dem Camino eigentlich so „ominös, zweifelhaft oder auch mit einem befürchteten negativen Aspekt behaftet“?

Die Erklärung dafür ist, dass mit Erreichen der 100 Km Wegmarkierung aus der überschaubaren Pilgeranzahl schlagartig ganze „Pilgerschwärme“ werden, die schon sehr früh am Nachmittag in Scharen an den Herbergstüren in Richtung Santiago de Compostela stundenlang auf den Einlass warten.

Man merkt doch deutlich, dass die letzten 100 Kilometer des Camino Francés überwiegend von Kurzzeit-Pilgern und Schülern bestimmt sind. Diese scheinen sich für die begehrte Compostela und auch fürs tägliche menschliche „Geschäft“ nicht wirklich Zeit nehmen zu wollen und verrichten dies zum Leidwesen der anderen Pilger häufig unmittelbar am Camino. Unbelievable, but true!

Auch das sonstige Umweltverhalten der „Fast-Food-Pilger“ lässt auf dem letzten Teil des Caminos offensichtlich sehr zu wünschen übrig. Bis zur 100 km Markierung war so gut wie kein Abfall entlang der Strecke zu sehen. Heute lagen in der zweiten Tageshälfte bereits Plastikflaschen und anderer Abfall zuhauf am Wegesrand. 

Vielleicht möchten wir auch wirklich nur noch unseren Weg zum Abschluss bringen und sind in der abschließenden Phase unseres Caminos eine Spur zu kritisch mit den ungeliebten Kurzzeitpilgern.

Stephan und Carsten als Asphaltläufer

Übernachten werden wir heute in der Albergue de peregrinos, Ventas de Narón.

Buenas noches desde Portomarin

Die Bilder des Tages:

Hier stellt sich eindeutig die Frage, wer in den Kuhdörfern Galiciens „Vorfahrt“ hat?
Die Frage wäre hiermit geklärt … Carsten schlägt sich durch das Grüne 🙂
Carsten checkt die Ausrüstung
Moosverkleideter Camino Francés
Über diese Treppe gelangt man unmittelbar in das Zentrum von Portomarin
Carsten und Stephan auf der Treppe, im Hintergrund die Brücke über den zum See aufgestauten Rio Miño
Kirche  San Juan Portomarin
Einkaufsgassen in Portomarin-City
Pilger unterstützende Waren en masse in Portomarin (leicht verschwommen)
Bono Albergue hat Nullkommanix mit Bono (U2) zu tun!
Zauberhafte hügelige Landschaft in Galicia

Die heutige Etappe führte uns bei nahezu makellosem Wetter wieder durch saftiges galicisches Grün, Wälder, Hügel und Wiesen. Es war (mit einer 🥾 Ausnahme) ein rundum schöner Pilgertag für uns auf dem Camino Francés.

Es gibt allerdings Neuigkeiten in Sachen Schuhreparaturen zu vermelden!

Mit Mühe und Not erreichte Carsten die 107 km vor Santiago de Compostela gelegene Herberge „La Casa de Carmen“ in Santiago de Barbadelo (kurz: Barbadelo).

LA CASA DE CARMEN, BARBADELO

Carstens am Vortag mit Leukoplast geflickter Wanderstiefel hielt heute mithin nur wenige Kilometer problemlos, verlangte am Ende der Etappe zwangsläufig eine weitere umfassende „Instandsetzungsmaßnahme“.

Silbernes gewebebandverstärktes „Panzertape“ wurde großflächig um beide Schuhsohlen der Wanderschuhe gewickelt und soll, der Werbung nach zu urteilen, „speziell auf die enorm hohen Anforderungen im Outdoor-Einsatz konzipiert sein und dabei über eine sehr gute Reißfestigkeit in Quer- und auch Längsrichtung verfügen“. Aha!

Teambildendes Reparieren der Wanderschuhe Teil 2

Wer’s glaubt wird selig … .

Daumendrücken allerorts wird hoffentlich weiterhin hilfreich sein, damit wir Drei in vier Tagen heil in Santiago de Compostela ankommen!

Hola aus der Provinz Lugo in Galicien

Die Bilder des Tages:

Die Wege auf dem …
… Camino Francés
Pilgerkunst an den verkalkten Wänden
Unfassbar alter Baum in Galicia
Caminopilger bei der barocken Wäsche des Tages
Die Schuhe der Caminopilger bei der täglichen Lüftung, unten rechts Carstens versilberte „Moonraker-Stiefel“
Carsten, Stephan und Heiner am Pilgerdenkmal Alto de San Roque auf 1.270 Meter Höhe

Zu Beginn des heutigen Tages meisterten wir den kurzen, aber sehr fordernden Anstieg auf 1.300 Metern Höhe über dem Meeresspiegel nach O Cebreiro.

Von dort ging es dann dankenswerterweise wieder bergab und das nahezu gänzlich bis zum auf 660 Metern Höhe gelegenen Tagesziel Triacastela.

Mit der autonomen spanischen Gemeinschaft „Galicien“ haben wir einen wirklichen Meilenstein auf unserem Camino Frances erreicht. Die Hauptstadt von Galicien, Santiago de Compostela, dürfen wir mit ihrer ganzen Schönheit dann hoffentlich schon in fünf Tagen am Ziel unserer langen Pilgerwanderung bewundern.

Grenzstein Galizien

Triacastela hat mit seinen 600 Einwohner als „Hauptattraktion“ die Jakobskirche und das Pilgerdenkmal auf der Plaza do Concello anzubieten.

Insgesamt betrachtet darf man die heutige Etappe mit ihren 26 Tageskilometern über Alto San Roque zur „Albergue del Refugio del Oribio“, nach unseren bisherigen Erfahrungen, als „normal bis mittelschwer“ bezeichnen.

Nach 3 1/2 Wochen auf dem Camino de Santiago kehrt bei uns derzeit leider ein gewisser Pilgeralltag und damit verbunden ein „zurückhaltender“ Umgang mit der Schönheit des Weges und dem fotografischen Festhalten der Pilgermomente ein. Am Ende des Tages hatte ich nicht mal 15 neue Fotos auf der Speicherkarte meiner Digicam, gleichwohl es die Etappe verdient hätte, umfangreicher von mir dokumentiert zu werden. Vielleicht lag es ja auch „nur“ an dem Kraftakt des frühen Aufstiegs, der sehr deutlich eine Konzentration auf die körperliche Belastung und die umsichtigen Schritte auf dem Geröll einforderte.

Leukoplast wurde uns vom örtlichen Schuster zum Flicken verordnet!

Nach so vielen Wochen ohne Ruhetag auf dem Jakobsweg lässt die Lust aufs tägliche „Pilgern“ mitunter nach. Neben dem Kräfteverschleiß macht sich zwischenzeitlich auch ein gewisser Materialverschleiß bemerkbar. Die Sohle von Carstens linkem Schuh hat den Hitzewellen der letzten Tage nicht Stand gehalten und verabschiedet sich, nach über 600 auf dem Camino Francés gelaufenen Kilometern, vom gegerbten Leder. Anstatt Spezialkleber, muss die letzten Tage „Leukoplast“ den „australienerprobten“ Stiefel notdürftig zusammenhalten. 

Mal schauen, wie lange die rustikalen Boots ihre Dienste noch auf dem Camino verrichten können … .

Keep your fingers crossed!

Hola aus Triacastela

Die wenigen Bilder des Tages:

Aufstieg nach O`Cebreiro (1.300 Meter Höhe)
wunderschöne hügelige Landschaft
welch großartiges Panorama inklusive der Nebelbänke
Carsten geht voran
Caminopilger Heiner schleicht hinterher!
Hunde auf dem Camino
die hier und da einfach mal gestreichelt werden wollen!

Camino Francés auf dem Weg nach Galicien

Mit La Faba erreichten wir auf 920 Metern über dem Meeresspiegel das letzte vor der Passhöhe Cebreiro gelegene Dorf. 

Wir übernachten in der „Albergue de peregrinos parroquial de La Faba“ mithin letztmalig in der Provinz León, bevor wir morgen schon recht bald am Tag galicischen Boden unter den Pilgerfüßen haben werden.

Beschilderung Refugio Peregrinos, wir haben bald schon das Tagesziel erreicht!

Auch heute bestimmte eine wunderbare Landschaft bei besten frühsommerlichen Temperaturen unsere Pilgerwanderung.

ländliche Idylle auf dem Camino Francés

Es wird übrigens von Tag zu Tag „ländlicher“ auf dem Camino Francés je näher wir der Provinz „A Coruña“ kommen.

Beim Anblick meines Pilgerausweises war ich am Nachmittag nach der wohltuenden Körperpflege überaus irritiert über den heutigen Pilgerstempel der Herberge.

mystischer Stempelabdruck

Da standen doch tatsächlich folgende, meiner groben sprachlichen Zuordnung entfernt der altdeutschen Sprache zuzuordnenden, Wortansammlungen:

Zitat:  „do leidt vil manches bidermans kyndt, aus teutschem landt begraben.“

Um Himmels Willen! Was sollte das nur bedeuten?

Ich sprach den „Herbergsvater“ direkt auf dieses Mysterium an und erhielt von diesem ein verschmitztes Grinsen als Antwort. Auf meine erneute Nachfrage hin erklärte mir dieser, dass die von uns für die heutige Übernachtung auserkorene Pilgerherberge vom „Verein zur Förderung der mittelalterlichen Pilgerwege Vltreia“ aus Stuttgart errichtet und bei der Fertigung des Stempels der Text einem mittelalterlichen Pilgerlied über La Faba entnommen wurde.

Solche Geschichten gibt es wohl auch nur auf dem Camino de Santiago. 

Paulo Coelho hätte sicherlich seine helle Freude an der mittelalterlichen Story vom Camino Francés… .

Ultreia aus La Faba!

Die Bilder des Tages:

Tagesbeginn von Villafranca del Bierzo am Rio Burbia startend
Natur pur, Pilgerherz was willst du mehr?
steiniger Aufstieg vom Caminopilger mineralwasserunterstützt
Burg auf dem Weg nach La Faba
unberührte Camino-Landschaft
Albergue de peregrinos parroquial de La Faba
Hund und Huhn
Hund und Hühner
Gesunde Bäume und schöne Berge bestimmen die Landschaft
Carsten und Stephan planen beim nachmittäglichen galicischen Bier die nächsten Etappen

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