Donnerstag vor 3 Tagen hatte ich in meinem virtuellen Pilger-Stammbuch fest notiert, dass die 615 km von Lissabon nach Santiago de Compostela meine letzten Jakobsweg-Kilometer für eine ganz ganz lange Zeit sein werden.
Doch wie definiert MANN „ganz ganz lange Zeit“? Um es genau zu nehmen, genau drei Tage lang!!! Und schwupps da bin ich wieder auf dem Jakobsweg unterwegs. Völlig unbeabsichtigt wie ich an dieser Stelle gerne betonen darf. Es waren heute 10.000 höchst abwechslungsreiche Meter auf dem Jakobsweg von der Burg Pyrmont zur Burg Eltz. 2 1/2 Stunden unterwegs in reinster Natur entlang eines Gewässers in Moselnähe. Eine Strecke die selbstredend sehr positiv in meine persönliche Jakobsweg-Statistik eingehen wird. Meiner „Mitpilgerin“ Lidka hat es übrigens auch sehr gut gefallen. Mit Ausnahme des Wolkenbruches bei Kilometer 7 einhalb …. . Mir persönlich hat dieses wetterbedingte Ereignis nichts ausgemacht. Wer galicisches Wasser von oben kennt lacht über Eifeler Nässe an einem wettermäßig ansonsten durchwachsenen Juni-Tag.
Bon Mosel-Camino!
Der Caminopilger back in Good Old Germany
Die Fotos des Tages aus der Eifel:
Jakobsweg von der Burg Pyrmont zur Burg Eltz
Veröffentlicht in Mosel-Camino 2013
Santiago de Compostela, Klappe die Fünfte – der Bart ist ab!

Santiago de Compostela, 19. Juni 2013, 10:00 Uhr. Ein grauer Tag, Nieselregen, bereits um diese Zeit „hunderte“ Pilger unterwegs in den Gassen um die Kathedrale herum. Mein linkes Bein hat dank Foroughs Reiseapotheke die 13 Kilometer bestens gemeistert. Die Messe ist gelesen! Pilgerurkunde eingetütet. Heute Abend wird ein wenig gefeiert, morgen früh gehts noch zum Barbier von Santiago und dann nachmittags ab in den Flieger nach Frankfurt-Hahn. Unromantische Darstellung des Endes einer Pilgerreise. Sollte ich in ein paar Wochen/Monaten in den Erinnerungen kramen werden sicherlich die positiven Dinge und Superlative von mir in den Vordergrund gestellt werden. Nach dem 5. Camino de Santiago mit fast 3.000 Jakobsweg-Kilometern in den Füßen wird selbst der Dudelsackspieler an der Treppe/“Unterführung“ zur Kathedrale zur Pilger-Routine. Er gehört zu Santiago de Compostela wie die vielen glücklichen Pilgergesichter und die bunten Souvenierläden in der Altstadt. Tiefe Zufriedenheit verspüre ich in diesem Jahr, anders als in den Vorjahren, nicht. Vielleicht ist das so, da ich in den letzten Jahren zunehmend mein emotionales Gleichgewicht gefunden habe

und der Jakobsweg nicht mehr ganz die euphorisierende Wirkung auf mich hat.
Damit es nicht ganz so deprimierend zu lesen ist, darf ich einmal die für mich wichtigsten positiven Erfahrungen meines Caminos 2013 hervorheben. Ich habe auf dem Weg eine neue Pilgerfreundin namens Forough kennenlernen dürfen! Mit ihr habe ich die überwiegende Zeit in den 3 1/2 Wochen verbracht. Forough hat mir in vielen Situationen auf „meinem Weg“ gut getan, viel mit mir gelacht und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Daneben bin ich insbesondere Carsten dankbar, dass er sich die Zeit für einen Besuch auf dem Camino Portugues genommen hat. Mein Pilgerfreund der ersten Stunde wird immer ein wichtiger Jakobsweg-Begleiter in meinem Leben sein unabhängig davon wie häufig ich ihn in meinem Leben noch sehen werde.
Den Rennpferden Heinz&Kate sei Dank, dass sie auch für mich bis Porto immer eine Unterkunft organisiert haben und grundsätzlich daran beteiligt waren, mich zum Frühaufsteher in den Hostals und Herbergen „umzuerziehen“.
INSGESAMT betrachtet haben wir VIER+1 Besuchspilger uns ausgesprochen gut verstanden auf dem Camino Portugues 2013 von Lissabon nach Santiago de Compostela.
Bon Camino Forough
Bon Camino Carsten
Bon Camino Heinz&Kate
We see us again!
Nachtrag 18:00 Uhr:
Nachdem Heinz Mitpilgerin Kate heute Morgen zum Busbahnhof gebracht hat trafen wir uns mit ihm um Punkt 12:00 Uhr am 5*Luxus-Hotel „Paradores“.
Man darf als Pilger an den 3 Tagen, nachdem man sich seine Pilgerurkunde (Compostela) im Pilgerbüro abgeholt hat, gratis im Parador Hotel frühstücken, zu Mittag und zu Abend essen.
Dies gilt für die ersten 10 Pilger, die sich jeweils zu den Essenszeiten mit ihrer Compostela am Nebeneingang des Paradors einfinden.
Nach Kontrolle der Compostela durch einen Hotelangestellten wurden Forough, Heinz und ich gemeinsam mit 5 weiteren Pilgern zu einem für Pilger ausgewiesenen kleinen Speiseraum geführt.
Von dort ging es weiter in die Personalküche, wo wir gratis ein 3-Gänge-Menue, Rotwein, Weißwein und Tafelwasser erhielten. Galicische Suppe, Padron-Paprika, Lachs vom Grill, Käse, Wurst, Fisch, Nachspeisen von allem Meer als MANN essen kann und soooo lecker!
Die Tradition des Gratisessens ist historisch begründet.
Das Parador Hotel war im Mittelalter als Pilgerhospital gegründet worden, in dem kranke und erschöpfte Pilger ge- und verpflegt wurden. Nach Nutzung des Gebäudes als Hotel wurden die neuen Eigner „lebenslang“ verpflichtet 3x am Tag 10 Pilger kostenlos zu verpflegen. Schöne Tradition wie ich finde!
Der Bart ist abweichend von der Planung schon seit heute Nachmittag ab (Fotobeweis siehe unten) 😉
Veröffentlicht in Camino 2013 | Schlagwörter: 2013, Caminho Português, Camino de Santiago, Camino Portugues, Jakobsweg, Santiago de Compostela
Dopingkontrolle in der Albergue/Teo
16:12 Uhr Staatliche Albergue/Teo, 13 Kilometer vor den Toren Santiagos. Frisch geduscht und erschöpft warte ich auf den Herbergsvater, der unsere Pilgerausweise gegen 17:00 Uhr zu stempeln gedenkt. Gäbe es eine Dopingkontrolle für Pilger müsste ich heute sicherlich aus der Wertung genommen werden. 2 Voltaren-Tabletten, eine Pantozol und zwei dicke Salbenverbände mit „Retterspitz Quick Muskel“. Das würde sicherlich für eine Disqualifizierung reichen. MANN merkt eben, dass ich eine Krankenschwester vom heiligen Jakobus zur Seite gestellt bekommen habe. Dank Foroughs Reiseapotheke habe ich damit noch einmal eine 30 Kilometer-Etappe bewältigt. 602 von 615 Kilometern sind somit für Forough und mich geschafft.
In Prozenten ausgedrückt ist der Camino Portugues zu 97,89 Prozent gegessen und ich darf zugeben, dass es für mich heute ein verdammt „hartes Stück Brot“ war. Sehnen und Muskulatur seitlich vom linken Wadenmuskel wollten nicht mehr so funktionieren wie sie es eigentlich tun sollten. Nach einer Ursache zu forschen ist müßig, jedoch der Kern „allen Übels“ war sicherlich die extraordinär lange Tagesetappe (46,5 km) nach Porto. Danach baute ich kontinuierlich ab und nun ist es höchste Eisenbahn, dass ich den „Camino Portugues“ zum Abschluß bringe….. .
Heinz und Kate sind bereits heute um 12:25 Uhr in Santiago de Compostela angekommen. Gratulation!
Forough hätte, ohne mich im Schlepptau zu haben , ebenfalls locker bis S.d.C. durchlaufen können.
Hola aus Teo!
Der gedopte Caminopilger
Die Bilder des Tages:
Veröffentlicht in Camino 2013 | Schlagwörter: 2013, Albergue de Peregrinos, Albergue Teo, Caminho Português, Camino de Santiago, Camino Portugues, Jakobsweg, Teo
Schneckenrennen nach Santiago de Compostela
Hola! Die Wehleidigkeit ist zurückgekehrt auf den Camino de Santiago. Sitze im blutorangefarbenen 70erJahre Wohnzimmersessel in der Albergue de Peregrinos CALDAS de REIS, linkes Bein hochgelagert, das lässt nix Gutes vermuten…. . Gestern war es der rechte Fuß, heute eben das linke Bein. Warum auch immer, aber so etwas habe ich in der Endphase meiner Caminos wiederholt erlebt. Edeltannenzapfenöl und Arnikatinktur via Salbenverband auf die sich meldenden Muskeln und Sehnen und morgen geht es weiter…. . 42 Kilometer vor Santiago steigt MANN nicht aus, da geht man lieber auf dem Zahnfleisch! Forough hingegen ist topfit! Heinz und Kate sind uns in der Albergue in Padrón „schlappe“ 18 km voraus. Ihre im „Camino-Sand“ vor CALDAS de REIS verewigte Grußbotschaft (Heiner, walk on!) erfreute mein Pilgerherz. Via iMessage „meldete“ Heinz, dass Kate ebenfalls auf die Zähne beissen muss. So ist er eben der CAMINO, unberechenbar und einzigartig.
Nebenbei bemerkt, so langsam geht mir die Lust auf das Fotografieren aus.
Lichte derzeit Meer Tiere als Menschen ab. Auch hier ist es „like always“ auf dem Jakobsweg. Die Suche nach dem nächsten schönen „Pilgermotiv“ wird verdrängt durch den absoluten Willen Santiago de Compostela näher zu kommen bzw. das Pilgerziel in letzter Konsequenz auch zu erreichen. Auch Gespräche mit anderen Pilgern werden seltener und kürzer. MANN läuft mit einem gewissen Tunnelblick durch die Botanik.
Habe mir viel Meer Gedanken um die Fortsetzung meiner „Pilger-Karriere“ gemacht und entschieden, dass nach dem Camino Francés, Camino Finisterre, Camino del Norte, Camino Primitivo und nun dem Camino Portugués, beim nächsten Jakobsweg irgendwas anderes sein sollte. Santiago de Compostela sollte nicht als ewiges Ziel für meine Pilgerwege herhalten müssen. Spontan kam mir heute Morgen folgender Gedanke in den Sinn. Ich möchte „in den nächsten Jahren“ fernab von Santiago einen längeren Jakobsweg laufen dürfen. Was liegt da näher als an die polnische Bałtyk (Ostsee) zu fahren und den polnischen Jakobsweg bis zur deutschen Grenze nach Görlitz zu laufen…. Okay muss mich jetzt erst einmal ein wenig bremsen. Zunächst heißt es die nächsten zwei Tage zu einem guten Abschluss zu bringen und dann kann MANN über alles mit Lidka sprechen. 😉
Bon Camino aus Galicia
Der humpelnde Caminopilger
Fotobeweise des kulinarischen Höhepunktes des heutigen Tages in der Cafeteria Termas, Caldas de Reis, Merluza a la plancha (es war so göttlich gut!)
Die übrigen Fotos des Tages:

PS: Dies ist der Pilgerstock eines Mitpilgers in der Herberge. Totenschädel eines Vierbeiners befestigt an einem Stück Wanderholz. Crazy!
Veröffentlicht in Camino 2013 | Schlagwörter: 2013, Caldas de Reis, Caminho Português, Camino de Santiago, Camino Portugues, Jakobsweg, Santiago de Compostela
„Tante Käthe“ ist weg, zu zweit in Pontevedra!
Pontevedra, immerhin 20 Kilometer näher an Santiago de Compostela herangekommen, eine Kilometerleistung, die jedoch zum Ausdruck bringt, dass es bei mir in der Endphase des Camino Portugues etwas „zähflüssiger“ läuft als noch in den Wochen zuvor. 65 Kilometer und dann ist mein diesjähriger Camino auch schon wieder Vergangenheit.
Während in Deutschland der Hochsommer brütet, schüttet es hier wie aus Eimern. Eigentlich wie immer in Galicien. Die Wetterfrösche versprechen für die nächsten Tage nix Gutes…. .
Heute sind die jungen Rennpferde, wie zuvor angekündigt, endgültig „ausgerissen“.
Um 07:10 Uhr in der Herberge Redondela beim täglichen Rucksackpacken im Halbdunkeln erfolgte eine kurze aber innige Umarmung. „We leave you. We see us again, take care!“ und schwupps da war die Tante Käthe weech.
Und mit Kate auch Heinz.
Carsten wartet derweil in Porto auf seinen Rückflug.
Gut, dass mir Forough nicht auch noch „durchgebrannt“ ist. Selbst wenn es so wäre, DAS ist nun einmal der Jakobsweg. Ein Kommen und Gehen wie ich es an dieser Stelle so häufig beschrieben habe. Pilger sind Zeitreisende, die nicht wissen, ob sie am nächsten Tag noch mit den gleichen rucksackbepackten Menschen ihre Lebenserfahrungen auf den steinigen Wegen austauschen. Diese Spielregel muss ein jeder ins Kalkül ziehen wenn er eine Pilgerreise auf den Jakobswegen in Angriff nimmt. MANN reist mit „alten“ Bekannten, einem Mann und einer Frau, zum Camino an und trudelt mit einer vorher völlig unbekannten Kriegerin namens Forough in Santiago de Compostela ein. Herrlich schön verrückt wie ich finde. Im Endeffekt aber auch nicht die ganze Wahrheit. Denn letztendlich läuft hier jeder seinen ureigenen Weg. Körperliche und seelische Verfassung, Motivation, Ziele, Befürchtungen, Schmerzen und Hoffnungen eines jeden einzelnen Pilgers, ob Mann oder Frau, können gar nicht deckungsgleich sein und führen zwangsläufig zu Verschmelzungen, Trennungen, Gruppenbildungen, Wiedersehen und Alleingängen auf einer 615 Kilometer weiten Strecke von Lissabon bis Santiago de Compostela. Heinz werde ich kommenden Mittwoch in Santiago wiedersehen. Kate nicht. That’s life. So ist der Camino!
Bon Camino Tante Käthe (liebevoll gemeint!)
Bon Camino Heinz.
PS: Es gibt nur ein’n Rudi Völler!
Der Caminopilger aus Pontevedra!
Blister-Archivfoto des Monats:
Die Fotos des heutigen Tages:
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