Verfasst von: Caminopilger | 25. Juni 2010

Gedanken beim Cafe con Leche

28.Tag 25.06.2010
Luarca, 10:30 Uhr morgens. Um ehrlich zu sein… Ich werde nach 600 Kilometern auf dem Camino so langsam in vielerlei Hinsicht müde, nicht nur, was das Körperliche angeht, sondern auch das Schreiben in diesem Blog. Von den 24,5 Tageskilometern habe ich knapp 10 km bewältigt und entschieden, heute Abend eine kreative Schreibpause einzulegen und lediglich die für sich sprechenden Fotos eines sehr schönen Morgens in Nordspanien hochzuladen.

Buenos Dias
DC

Verfasst von: Caminopilger | 24. Juni 2010

Dr. Müller-Wohlfahrt auf dem Camino

27.Tag 24.06.2010
Als ob der Mann nicht schon genug zu tun hat. Im Mai verdrehte sich U2’s Bono die Bandscheibe und M-W richtete den irischen Rücken in München. Gestern zwickte es Schweini gegen Ghana am Oberschenkel und wer war als erster in Südafrika zur Stelle? Ja, genau M-W, der beinahe Schwiegervater von uns Nationale Lothar Matthäus. Und heute um Elfe hatte M-W seinen Einsatz hier auf dem Camino del La Costa! Selbstredend er nicht persönlich, aber sein nach ihm benanntes Pilgerwunderheilmittel (Profelan nach Müller-Wohlfahrt) mit Arnikablüten.
Die landschaftlich sehr schöne Etappe von Soto de Luina-Cadavedo (25 km)

verlief ausschließlich auf der wenig befahrenden Nationalstraße N-632! Jede Menge Asphaltos, pures Gift für meinen hinkenden Knochen und zur Etappenmitte war dann erst mal Schluß mit lustig. Rechter Stiefel und qualmender Socken aus, 25 Gramm M-W Arnika auf die Knochenhaut geschmiert und einmassiert. So schaffte ich es sogar das Etappenziel um weitere 8 Kilometer bis zum Hostal in Canero auszuweiten. Die Begründung für die erneute Streckenverlängerung war recht simpel. Das Meer war wieder einmal viel zu weit von der kargen Pilger-Herberge entfernt!
In drei Tagen erreiche ich bereits Galicien, entferne mich damit in Richtung Santiago immer weiter von der Küste. Der Camino de la Costa geht genau dort in Ribadeo in den Camino del Norte über. Nun habe ich mit dem heutigen Abend noch vier Mal die Möglichkeit am Atlantik zu schlafen und das möchte ich auskosten.
Hola aus Canero-Luarca
DC
Tageskilometer am 24.06.2010: 33,1 km
Entfernung bis Santiago de Compostela: 262,4 km

Verfasst von: Caminopilger | 23. Juni 2010

Wie der Ochs vorm Berge

26. Tag 23.06.2010
Nach einer sehr erholsamen Nacht in Enriques Gästezimmer (endlich mal ein Bett mit 2,00 Meter Länge!) brachte der Tag heute sehr schöne Streckenabschnitte in Eukalyptuswäldern mit sich.

Bis zum Kilometer 22 lief wirklich alles wie geschmiert und ich hatte die industriellen Erlebnisse des Vortages längst vergessen.

Zwei liebe Telefonate mit meinem Freund Harald und einer reizenden Erdbeerpflückerin gaben mir noch einmal einen Motivationsschub für das letzte Drittel des langen Tages.
Doch dann … kam Seite 209 meines „aktuellen“ Irreführers.
Ich darf wie folgt auszugsweise zitieren: „… hier war die zukünftige Wegführung unklar. Im Prinzip müssen Sie aber ca. 800 m weitergehen, treffen auf das Dorf El Rellayo und erreichen einen (stillgelegten) Brunnen.“
Von nun an war nichts Meer wie vorher!
Kein Brunnen, stattdessen ein weggesprengtes Ortsende und wild gestikulierende einheimische Asturier, die sich über die geänderte Streckenführung nicht einig waren. Die Situation war für mich vergleichbar mit der Suche nach einer Örtlichkeit in einem weggebaggerten Braunkohlentagebaugebiet im Erkelenzer Land.
Hier in El Rellayo gibt’s definitiv keine braune Kohle aber dafür Spaniens größten Neubau einer Autobahnbrücke,

der, ohne mich zu fragen, gefühlte 5 Kilometer „meines“ Jakobsweges verschlungen hat.

Die auf den folgenden Seiten gedruckten Wegbeschreibungen hätte ich mir sparen können. Sie verwirrten mich zunehmend und so war ich bei azurblauem Sommerwetter wieder einmal ein „wenig“ länger auf dem Camino unterwegs und sah dadurch einen traumhaften Küstenabschnitt,

den ich, dem Reiseführer zufolge, nie hätte sehen dürfen. Alles wird gut!
Hola aus Soto de Luina
DC
Tageskilometer am 23.06.2010: 32 km (Irrwege nicht inbegriffen!)
Entfernung bis Santiago de Compostela: 295,5 km

Vielleicht hilft der folgende Spruch, damit ich diese Nacht nicht noch von meinem heißgeliebten Irreführer verfolgt werde
„Wenn man schlafen geht, soll man die Sorgen in die Schuhe stecken.“
Am besten reiß ich IHN nach dem Ghana-Spiel in zwei Teile und stecke diese in die miefigen Lowa-Boots…. .

Der finale Schuss des heutigen Abends:

Verfasst von: Caminopilger | 22. Juni 2010

Staubige Industriezonen

25. Tag 22.06.2010
Sollte es jemals eine Abstimmung hinsichtlich der schäbigsten Etappe des Camino de La Costa geben, dürfte mein heutiger Weg von Gijon nach Aviles eine große Chance haben den Wettbewerb zu gewinnen. Massenhaft Industrie entlang der Strecke

nach Gijon und vor Aviles. Nein, das hat wirklich keinen Spaß gemacht! Da konnte auch ein im mittleren Teil der Tagesstrecke liegender Wald nichts am fatalen Gesamteindruck ändern.
So langsam komme ich mir auf meinem diesjährigen Jakobsweg wie ein einsamer Wolf vor. Auch heute galt wieder, kein Pilger weit und breit in Sicht. Ein Bretone und zwei spanische Pilger aus Madrid hatten mir gestern am Strand in Gijon schon angekündigt, dass sie sich die unschöne Etappe nach Aviles aufgrund der „Rahmenbedingungen“ schenken und mit dem Zug fahren würden. Mein Pilgerstolz verhinderte, dass ich mich dieser Reisegruppe anschloss. Frustriert vom Staub und Dauerlärm der industriellen Zonen dachte ich dennoch so manches Mal an deren Worte, bin dann sogar in Aviles vor lauter Frust und entgegen der ursprünglichen Planung bis zum 6 Kilometer weit entfernten Meer nach Salinas weitergelaufen. Meine anschließende Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft im Badeort

blieb erfolglos, bis der Wirt des örtlichen Strandcafes Las Dunas, Enrique, mir in der Not sein privates Gästezimmer im direkt am Meer befindlichen Apartement unentgeltlich zur Verfügung stellte. Ein sehr schöner Abschluß eines ansonsten sehr staubigen Tages.
Buenos Tardez aus Salinas
DC
Tageskilometer am 22.06.2010: 32 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 330 km

Verfasst von: Caminopilger | 21. Juni 2010

Copa Rioja

24. Tag 21.06.2010
Es ist angerichtet! Sitze in der für mich unaussprechlichen „Xiringüelu“-Bar, Casa Bernardo N-10, Gijon, und warte auf den Anpfiff des Spiels Spanien -Honduras. Ein Teil der Gäste und des Bar-Personals ist in rot und gelb gewandt.

Da schmeckt der Rioja doppelt so gut. Habe zum zweiten Mal das Angebot des Tages „Copa Rioja“+Minitosta (Boquerones en vinagre con acetunas) zu 3,50 Euro bestellt und beides schmeckt vorzüglich. Hier bleib ich und feiere ein wenig, dass mein einsamer Lauf über die sieben Berge nach Gijon so prima geklappt hat. Vor dem Fußball war nach langer Zeit wieder einmal Baden im Atlantik angesagt.

Strahlend blauer Himmel und schon hat der Pilger die Badehose an!

Hoffen wir, dass die Spanier heut Abend nicht Baden gehen, damit ich ein wenig Stimmung

geboten bekomme. Copa Rioja forever.
Buenos Tardez aus Gijon
DC

Tageskilometer am 21.06.2010: 31 km
Entfernung nach Santiago de Compostela: 362 km

Ja und so sah das Sträschen nach dem sicherlich nicht glorreichen 2:0 gegen Honduras aus:

Und so sahen die Schlagzeilen am Morgen danach aus…

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