15. Tag 12.06.2010
Santander droht wegen der Regenmassen im Atlantik zu versinken. Wir verlassen das schwankende Schiff sicherheitshalber mit dem Bus in Richtung Bilbao, da Familie Guggenheim uns morgen sehnsüchtig erwartet. Auf dem Weg dahin machen wir einen Halt in Castro Urdiales und hoffen, dass uns der Wettergott heute Nachmittag ein wenig besser gestimmt ist. Santander hat uns gestern insbesondere bei Nacht sehr gefallen. Bars, Restaurants und Bodegas waren randvoll mit froh gestimmten Menschen, die ihr Leben beim Rioja und kübelweise Sangria genossen. Als Geheimtipp darf vom Caminopilger das Restaurante Marucho, Tetuan 21 in Santander qualitativ und quantitativ hervorgehoben werden. Wir fühlten uns von dem preiswerten lokalen Fischrestaurant auf ganzer Linie verwöhnt. Fantastisch! Die Pilgerkluft streife ich erst am Montag wieder über, von daher möchte ich die sicherlich auch reizvollen Touristen-Tage in diesem Blog etwas kürzer fassen. Wir steigen jetzt gleich in den Bus ein und berichten dann morgen wieder vom aktuellen Wasserstand.
Buenos dias dende Santander
DC
Busfahrer
Veröffentlicht in Camino 2010, Camino del Norte | Schlagwörter: 2010, Camino de la Costa, Camino de Santiago, Camino del Norte, Jakobsweg
Cafe del Mar
14. Tag 11.06.2010
Was für ein Ausblick für ein Cafe!
Sitzen seit Stunden im Restaurante Balneario de la concha, aber irgendwie passen in unsere Mägen keine Tortillas, Tostadas und andere kantabrische Leckerbissen Meer. Dauerregen am Atlantik und dabei hat meine Purpurhändlerin ihre schönsten Bademoden im Pilgergepäck…. .
Wir werden das Beste aus der Situation machen und uns gleich in die Sinfluten stürzen um meinen kulturellen Horizont mit einem Museumsbesuch zu erweitern. Habe also die Pilgerrolle zur Seite gelegt und denke doch an die im Regen watschelnden Pilgerfreunde die mit ihren Outdoor-Klamotten heute wohl endgültig Baden gehen, ohne dass sie dafür den Atlantik nur ansatzweise benötigen würden. Haltet durch, die nächste Herberge kommt bestimmt 😉
Ola aus Santander
Freizeit-Pilger Heiner und Lydia
Und so sah es nachmittags aus….
Blick aus dem Museumsrestaurant (irgendwie isst Mann an verregneten Tagen noch Meer…):
Veröffentlicht in Camino 2010, Camino del Norte | Schlagwörter: 2010, Balneario de la concha, Camino de la Costa, Camino de Santiago, Camino del Norte, Jakobsweg
Endstation Mogro
13. Tag 10.06.2010
11:11 Uhr Mogro,
irgendwo in Nordspanien. Ich entscheide innerhalb weniger Sekunden, dass mein erster Teil des Caminos 2010 genau hier zu Ende geht. Einsetzender Dauerregen, Schafskälte und eine neben der Bar liegende lokale „Feve“ Bahnstation erleichtern mir die Entscheidung trockenen Fußes nach Santander zurückzukehren.
Die Verabschiedung von Regula, Daniel, Miguel (habe ihn in den letzten Tagen wieder eingeholt) und Rigo war kurz aber herzlich. Rigo überlegte für Minuten, ob er mir später am Abend zum Flughafen folgen soll um vorzeitig einen neuen Lebensabschnitt einzuläuten. Habe ihn davon überzeugen können, dass er seinen Weg hier noch nicht zu Ende gegangen ist und die Veränderungen in seinem Leben noch ein paar Tage auf seine Rückkehr warten koennen.
Unabhängig von Rigos Geschichte sammelt sich bei so manchem Menschen im Laufe des Lebens so EINIGES an und dann landest du früher oder später mit „Schwergewichtigem“ auf dem Camino… . Jede Geschichte ist individuell anders bestückt und dennoch tut es gut sich auszutauschen. Rigo bleibt für heute auf dem Camino und das ist gut so! Er wird mich via SMS über seinen weiteren Weg auf dem laufenden halten und wer weiß denn schon, ob wir uns auf unseren Wegen bis Santiago NICht doch noch einmal wiedersehen. Genießen kann man dies hier alles wenn man seinen Weg gefunden hat. Für meinen Teil moechte ich sagen duerfen, dass ich ihn nach fast 2 Jahren gefunden habe. Zeit spielt fuer die Pilger auf dem Camino del Norte nicht wirklich eine Rolle wenn man 840 km in den Stiefeln verbringt. Wie anders ist es zu erklären, dass ich erst beim Einsteigen in die Bimmelbahn bemerkt habe, dass ich meine Ge(h)hilfen an der Bar hab stehen lassen. Dann sitze ich eben noch ein Stündchen an der Bar und lausche den wohltuenden Klängen von Coldplay und U2. Der Inhaber der kleinen Bar ist in Personalunion Koch, Kellner und hat einen ausgezeichneten Musikgeschmack
Pride in the name of LOVE aus
Mogro, das ihr da draußen irgendwann einmal live und in Farbe sehen solltet.
DC,
der sich ab jetzt freudig auf die Ankunft seiner Partnerin vorbereitet. Schließlich müssen auch die Socken auf dem Camino mal gewaschen sein, wenn Mann Besuch bekommt.
Muss mich jetzt zum zweigleisigen Bahnsteig sputen, damit ich nicht zur „Number One at the end of the bar“ mutiere…..
Spruch des Tages für alle wetterfühligen Pilger:
„Ewiger Sonnenschein schafft eine Wüste.“
Veröffentlicht in Camino 2010, Camino del Norte | Schlagwörter: 2010, Camino de la Costa, Camino de Santiago, Camino del Norte, Jakobsweg, Mogro
Auszeit nach Santander
12. Tag 09.06.2010
Liege 8km hinter Santander in Sta. Cruz de Bezana in einem für Camino-Verhältnisse als First Class einzustufenden Bett und habe mit Rigo lediglich einen schnarchenden Mitschläfer im Doppelzimmer. Luxus, aus der Not geboren, da die Herbergsdichte nicht mit der des Hauptweges (Camino de Frances) zu vergleichen ist und wir hier und da gezwunden sind nach Alternativen Ausschau zu halten.
Der Weg aus Santander heraus war grässlich grau und staubig. Von der Schönheit der Stadt Santander haben wir bei einsetzendem Nieselregen nicht viel gesehen. Man darf sich den Jakobsweg nicht all zu rosa rot vorstellen, denn diese aspaltierten Tage sind einfach unausweislich. Wobei der gestrige Tag schon krasse Gegensätze mit sich brachte. Einer ergiebigen Wanderung entlang der traumhaften Küste mit einer „Überquerung“ des Atlantiks mittels Schiff nach Santander folgte schon bald darauf der industrielle Gau mit Streckenabschnitten entlang der Autobahn. Für mich persönlich war es trotz der Kürze der Strecke ein harter Tag, da ich mir am Vortag in den vom Regen aufgeweichten Stiefeln leider am großen Onkel, sprich Zeh des rechten Fußes, eine erste Blase erkämpft habe, die meinen Gang hat noch unrunder werden lassen.
Morgen werde ich lediglich 20km in Richtung Santillana del Mar absolvieren und mich dabei von der Gruppo Sportivo del Invalidos verabschieden. Von der uns fürsorglich betreuenden Krankenschwester Inga-Marie kann ich dies leider nicht, da sie ihrerseits in Laredo aufgrund diffuser Beschwerden einen (oder mehrere?) Ruhetag(e) einlegen musste. Regula, Miguel, Daniel, Rigo, Momo und auch Hannes werde ich heute zum letzten Mal ein Stück weit auf dem Weg begleiten dürfen und dann gilt es sich zu verabschieden, da ich am Nachmittag mit dem Bus in die Großstadt zurückfahren und am Flughafen meine Purpurhändlerin Lydia in die Arme nehmen werde. Der Caminopilger braucht nach den körperlich gesehen chaotischen Voraussetzungen in diesem Jahr diese schmückende und stärkende einwöchige Auszeit um Kräfte zu sammeln. Eine Prognose wie es danach bis zum Abflug nach Deutschland am 06.07.2010 weitergeht vermag ich nicht zu treffen, verraten darf ich allerdings schon, dass ich Santiago de Compostela liebend gerne als Fußpilger am 05.07.2010 erreichen würde.
Buenas Tardez aus Sta. Cruz de Bezana
Veröffentlicht in Camino 2010, Camino del Norte | Schlagwörter: 2010, Camino de la Costa, Camino de Santiago, Camino del Norte, Jakobsweg, Santander
Güemes, oder was?
11. Tag 08.06.2010
Das waren diese Nacht deutlich zu viele volle Biergläser! Die uns, insgesamt betrachtet, wohlgesonnenen Nonnen kehrten uns leicht irritiert um 09:30 Uhr aus dem Kloster und wir befanden uns mit immer noch leicht betäubten Häuptern auf der Pilgerpiste. Die Sommerfreuden vom vergangenen Tag waren heute auf der Strecke nach Güemes bereits Schnee von gestern. Die erneut bezaubernde Küste und das abenteuerliche Klettern in den Felsen gerieten am Nachmittag ein wenig aus dem Fokus, da der Wettergott es deutlich schlechter mit uns meinte. Der Camino ist bekanntlich ein tägliches Kommen und Gehen. Ein Begrüßen und Verabschieden und da, wo Miguel in der letzten Woche noch neben mir in der Spur lief verrichtete Rigo, 51 Jahre, aus Mainz seine Pilgerarbeit. Wir blieben den ganzen Tag zusammen und wurden auf der ersten Hälfte der Strecke vom tapfer kämpfenden Daniel aus den Staaten begleitet, der seinem Alter gerecht, den zweiten Teil der Strecke herzschonend im Taxi verbrachte und sich von diesem in die erneut bergige Zielregion befördern ließ. Er hatte wohl gerochen, dass Dauerregen zum Nachmittags Cafe con Leche nicht die schönste Begleitmusik darstellt. Wir trotzten den widrigen Verhältnissen und ich schmetterte ein „I’m singing in the rain“ in die kalabrischen Eukalyptuswälder. Singen im Regen tut der Seele gut! Nach 8 Stunden Wandern hatten wir 30 Kilometer zurückgelegt und waren froh in der in jederlei Hinsicht besonderen Herberge in Güemes angekommen zu sein. Wir rissen uns die nassen Kleider vom Leib und bekamen Obst und heißen Tee gereicht. Wer jemals die Chance hat den Camino del Norte zu bewundern, sollte an dieser Herberge nicht vorbeilaufen. Morgen erreiche ich aller Voraussicht nach schon gegen Mittag die am Atlantik befindliche Großstadt Santander.
Von dort berichte ich dann Meer an dieser Stelle.
Bis dahin verbleibt mit einem freundlichen Adios Amigos
DC
Veröffentlicht in Camino 2010, Camino del Norte | Schlagwörter: 2010, Camino de la Costa, Camino de Santiago, Camino del Norte, Güemes, Jakobsweg
Kategorien
- Camino 2008
- Camino 2009
- Camino 2010
- Camino 2012
- Camino 2013
- Camino 2014
- Camino 2015
- Camino 2016
- Camino 2022
- Camino 2023
- Camino de Madrid
- Camino de Santiago
- Camino del Norte
- Camino des Allemands
- Camino Frances
- Camino Sanabrés
- Camino Sulreste
- Camino Sureste
- Chemin de Saint-Jacques
- Jakobsweg
- Marillion
- Mosel-Camino 2013
- Trier – Le Puy
- Trier – Nancy
- Uncategorized










