Verfasst von: Caminopilger | 7. Juni 2010

Baden in Laredo

10. Tag 07.06.2010
Die heutige Strecke nach Laredo war einfach wunderschön. Unglaubliche Küstenszenarien und unberührte Natur. Die 32 km vergingen wie im Flug und zur Belohnung wartete ein Bad im erstaunlich warmen kalabrischen Meer. Habe selbstredend auch in der hohen See meinen Lederhut nicht abgenommen und war damit für viele ein unerklärliches ausländisches Phänomen. Einen Platz in der Herberge konnten wir zur vorgeschrittenen Stunde leider nicht mehr ergattern. Anstattdessen landeten wir im Kloster! Nach einem vorsichtigen Klopfen öffneten sich die Tore des Klosters und eine Nonne nahm uns für 24 Stunden in ihren Orden auf und schenkte uns allen ein vorzügliches Bett. Der Kirchgang fiel für uns dennoch aus weil wir lieber dem Bier fröhnten. Davon habe ich zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Blogeintrags schon zu viel genossen, deshalb verbleibt es beim Schreiben dieser Zeilen und ich lade einfach ein paar „Meer“ Fotos hoch.
Der Camino ist auch in diesem Jahr ein wunderschönes Ereignis.
Liebe Grüße an Euch alle da draußen in der normalen Welt.
Gezeichnet vom glückseeligen Caminopilger, der seine Purpurhändlerin bei aller Pilgerfreude sehnsüchtig am Donnerstag in Santander erwartet.

Tageskilometer am 10. Tag: 32 km
Entfernung nach Santiago: 600 km

Verfasst von: Caminopilger | 6. Juni 2010

Klippengang nach Castro Urdiales

9. Tag 06.06.2010:
Heute haben wir nach 9 Tagen und rund 200 Kilometern auf dem Camino baskisches Gebiet verlassen und sind in Kantabrien angekommen. Zur Abwechslung blieben alle Reiseführer in den Taschen. Wir liefen stur entlang der Küste. Miguel, Daniel (zu dem ich später mehr erzählen werde) und ich mutierten im Laufe der Wanderung quasi zum Cliffhanger, da wir unerwarteterweise in den Klippen landeten und abenteuerliche Pfade finden mussten um weiter in Richtung Santander zu kommen. Nach all den vom Schmerz geprägten Blogeinträgen sei dem neutralen Beobachter die Frage erlaubt, warum Pilger diese Strapazen auf sich nehmen. Religiöse Gründe sind es in den allermeisten Fällen nicht. Dies weist die Statistik des Pilgerbüros in Santiago eindeutig aus. Mich motivieren wie in den letzten Jahren die Begegnungen.

Insbesondere mit Miguel habe ich in den letzten Tagen so viel Spaß, dass wir häufig wahre Lachsalven ablassen und allen Schmerz (sorry for that Sweet Harald!) und Anstrengung vergessen. Der heute in unserem Schlepptau befindliche 72 jährige Daniel aus Charlotte/North Carolina (USA) erzählte uns von seinem vor 2 Jahren erlittenen Herzinfarkt und seiner Sehnsucht nach dem Camino. Auf die Frage nach dem „Warum dies alles so far away from home“ antwortete der humorvolle Amerikaner: „Before I will die I wanted to do somethig what I couldn’t do before.“ Zwischendurch schwächelte Daniel kam dennoch gemeinsam mit uns glückseelig in Castro Urdiales an. Es war erst sein zweiter Tag auf dem Jakobsweg und er hatte Pilgeranschluss gefunden. Daniel, you did a great Job today!
Adios amigos aus Kantabrien.
DC

Tageskilometer am 9. Tag: 17 km
Entfernung bis Santiago: 630 km

Verfasst von: Caminopilger | 5. Juni 2010

Gruppo Sportivo del Invalidos

8. Tag 05.06.2010
Die Asphaltpilger haben zwischenzeitlich drastische personelle Verluste hinnehmen müssen. Am frühen Morgen machten sich die verschwiegenen zwei Franzosen aus dem Staub und waren den ganzen Tag nicht mehr gesehen. Der lustigen Venezianerin Valeria, die auf dem Weg ständig Heißhunger auf Schokolade und Gebäck hat, ging mit ihrem 13 kg „leichten“ Gepäck nach der Hälfte der Tagesstrecke die Puste aus. Sie blieb in Portugalete ganz einfach auf der Parkbank sitzen und erinnerte mich mit ihrem leeren Gesichtsausdruck doch sehr an die „Flasche leer“ ihres legendären Landsmannes Giovanni Trappatoni. Wie gut, dass unsere dänische Krankenschwester Inga-Marie nicht vorzeitig den Geist aufgegeben hat. Heute musste sie auf der Strecke nach Pobena ganze Arbeit verrichten. Dieses Mal traf es zur Abwechslung nicht mich, sondern den gebürtigen Madrilenen (Wohnsitz in Mallorca) Miguel, dessen Knieprobleme sogar zwei Ersthelfer-Einsätze von Schwester Inga-Marie in der Pampa bedingten.

Damit ist also der Beweis erbracht, dass die über 45jährigen Männer die wahren Weicheier auf dem Camino sind. Miguel (45) und ich (46) haben auf den heutigen 27 km viel über unsere altersbedingten? Wehwehchen und anderen Blödsinn gelacht.
Pobena Playa entschädigt absolut für den Asphalt der letzten Tage. Unseren aus der späten Ankunft (18:00 Uhr) geborenen Notfallplan am Strand schlafen zu müssen, werden wir nicht in die Tat umsetzen, da wir noch locker ein Bett in der unmittelbar am Meer gelegenen Herberge ergattern konnten. Wir befinden uns eben NICHT auf dem Camino Frances, sondern auf dem Camino del Norte und haben heute einen richtig guten Job gemacht, gleichwohl wir uns manchmal den
Kosenamen der „Invalidos“ ehrenhaft verdient haben.
Vamos a la playa aus Pabeno
DC (Der Caminopilger)

Tageskilometer am 8. Tag: 27 km
Entfernung bis Santiago: 660 km

Verfasst von: Caminopilger | 4. Juni 2010

Asphaltpilger in Bilbao

7. Tag 04.06.2010
Mein bisheriges Leistungstief! Aber ich war nicht allein. Sage und schreibe 7 Pilger die gemeinsam in der Lezama Herberge übernachtet haben rotteten sich auf der Piste zusammen und beschlossen bei zunehmend heißer Witterung nicht weiter als bis Bilbao zu laufen. Mitunter sah das Ganze in der Gruppe wie im Spielfilm „Pilgern auf Französisch“ aus.

Nur gebalgt haben wir (zwei Franzosen, ein Spanier, eine Italienerin, eine Dänin, eine Australierin und meine Wenigkeit) uns nicht. Ich musste leider zur Kenntnis nehmen, dass ebener Aspalt unter meinen wehleidigen Füßen tödlich für meine derzeitige Verfassung ist. Die freundliche Dänin nahm sich im Laufe des Tages meines erneut schmerzenden Fußes an und meinte nach umfangreicher Diagnostik, dass er müde sei. Müdigkeit gilt aber auf dem Jakobsweg nicht. Da müssten ja Alle aussteigen. Hoffe, dass es bald wieder gebirgiger wird. Logischerweise komme ich da als gebürtiger Allgäuer deutlich besser klar…. .
Eine Übernachtungsmöglichkeit haben wir nur mit großer Mühe in der 4 km vom Jakobsweg entfernten Jugendherge finden können. Bilbao ist an diesem Wochenende ausgebucht und für uns war nur noch in diesem Riesentempel (Kapazität: 120 Gäste) Platz. Dieser grobe Klotz könnte auch locker an der Costa Brava stehen und gewinnt sicherlich auch keinen Architektenpreis mehr.
Werde nun in Badelatschen relaxen und ein Stückchen Rasen in der Nähe des Guggenheim-Museums suchen um mir meine tägliche Unterfussmassage zu verpassen. Was tut ein Jakobspilger eigentlich noch ALLES um auf zwei Beinen in Santiago anzukommen?
Ola desde Bilbao, Caminopilger

Tageskilometer am 7. Tag: 17 km
Entfernung bis Santiago: 686 km

Verfasst von: Caminopilger | 3. Juni 2010

Lezama vor den Toren Bilbaos

6. Tag 03.06.2010
Nach 6 Stunden war heute Schluß. Der baskische Stern glühte ununterbrochen am Firmanent und ermattete den Caminopilger. Glücklicherweise habe ich meine ultra sensitive Haut zum Frühstück mit milchigen Produkten aus dem Hause La Roche Possay (LSF 50) überzogen. Hätte ich das nicht so zeitnah erledigt, wäre ich auf dem Weg sicherlich zum kaminroten Mayakrieger mutiert. Da hätte auch der Lederdeckel auf dem Kopf nicht viel retten können. Dankbar über die angebotene kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit kehrte ich 12 km vor der Großstadt Bilbao in die funkelnagelneue Herberge in Lezamo ein. Meine rechte Schulter zwickt zur Abwechslung! Krankentechnisch gesehen endlich mal was Neues, nur Fußgeschichten interessieren auf Dauer ja keinen Menschen Meer. An Sex&Crime mangelt es in diesem Blog ja sowieso…. . Wie soll ich da um Himmels Willen die derzeit erfreulich hohen Zugriffszahlen bis Santiago de Compostela aufrecht erhalten? Wandert einfach jeden Tag ein Stück weit mit mir, auch wenn nicht immer was Süßes im Rucksack sein kann. Der Jakobsweg ist ja schliesslich kein Zuckerschlecken!! Auf vielfachen Wunsch trete ich heute den Beweis an, dass ich mich hier in Nordspanien nicht alleine auf dem Camino del Norte befinde. Heute bin ich mit Regula aus Adelaide (Australien) und Miguel aus Mallorca gewandert. Es tut manchmal auf dem Weg gut nicht nur mit sich selbst allein zu sprechen …. .
Hasta La Vista! aus Lezamo
Caminopilger (noch läuft er), der diesen Blogeintrag NICht ohne diesen ach so wahren Spruch beenden möchte:

„Man klagt so sehr bei jedem Schmerz und freut sich so selten, wenn man keinen fühlt.“

Tageskilometer am 6. Tag: 24,5 km
Entfernung bis Santiago: 690 km

(Miguel und Regula auf dem iPhoto)

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