Stephan und Heiner in der Provincia de Palencia

Nachtrag 09.06.2008:


Fussballfans haben es als Pilger in diesen Tagen schwer. Nach unserer ersten Etappe über 30 km hatten wir uns gestern Abend so sehr auf Michael Ballack und Co. bei der Fußball-EM gefreut. Leider haben wir die Rechnung nicht mit der Wirtin gemacht und mußten in der Bar leidlich zur Kenntnis nehmen, dass „der Spanier an sich“ mehr auf Rafael Nadal und Motorsport steht. Mit Engelszungen konnte Stephan die Bedienung im Pilger-Cafe davon überzeugen, dass die Trikots mit dem Adler auf der Brust doch viel besser auf dem Fernseher zur Geltung kommen als spanische Tennisspieler und Formel 1-Autos. Nach dem zweiten großen „San Miguel“ lief dann auch das Fußballspiel gegen Polen auf dem erneut „riesigen“ Bildschirm. „Geht doch“, dachten wir in diesem Moment. Vielleicht haben wir dann beim 1:0 durch Lukas Podolski vielleicht auch ne Spur zu laut gejubelt. In der Halbzeit freuten wir uns noch freudetrunken auf das weitere Geschehen.

Da machte uns die „Señorita Bonita“ einen fetten Strich durch die Rechnung, schnappte sich die Fernbedienung und kappte ohne unsere Zustimmung den Strom. 21:45 Uhr, einmal noch schnell austreten, Zapfhahn zu, Flaschen leer, unmissverständliche Bettruhe wurde vom Pilger-Cafe befohlen!

der tägliche Fußball am Abend

Vom 2:0 durch „Poldi“ erfuhren wir dann erst im Schlafsack der Albergue El Puntido in Hontanas mittels einer aus der Heimat empfangenen SMS.

10.06.2008:

„Navigator“ Carsten läuft Jesus und mich derzeit auf dem Camino in Grund und Boden.

El Camino

Auf der heutigen Etappe gab er uns erneut „Saures“ und erreichte das Ziel sage und schreibe 1 1/2 Stunden vor uns beiden (Jesus&me) „Öko-Pilgern“. Die „heiligen drei Pilger-Könige“ stehen dennoch nicht vor der Trennung , da unser fürsorglicher Navigator als Vorbote stets das Tagesziel erkundet und die Betten, auch für die beiden Morgenmuffel in unserer Pilgergemeinschaft, reserviert. Vielen lieben Dank dafür Carsten!

Der zweite schwere Tag hintereinander forderte mit einer happigen 30 km Strecke seinen Tribut.

Der Innenmeniskus meines linken Kniegelenks meldet sich seit heute Nachmittag. Alte Fussballerverletzung versteht sich. „Schaun mer mal“, wie es dann morgen auf dem Weg bei mir so läuft.
Adios Amigos aus der Albergue En El Camino, in Boadilla del Camino

Gesamt-Laufleistung (Tag 1 bis 12): 286 km

Die Bilder des Tages:

Castrojeriz
es gibt einfach so viel zu fotografieren auf dem Camino
Die Muschel 🐚 im Stein
stolzer Spanier
sandfarbene Kirche
Symbol im Kirchengemäuer
Brücke im Fluss
Fernando, der seit Pamplona immer wieder wie ein Phantom auf dem Camino auftaucht!
ein Bild wie ein Gemälde
Stephan hat schwer zu tragen
schöne Bekanntschaften auf dem Weg
zwei bulgarische Pilgerinnen
Werbung entlang des Caminos
pilgerdarstellende Kunst
Der Camino Frances in Stein gemeißelt!

08.06.2008

Heute Morgen bin ich nur knapp einem „ätherischen Anschlag“ in der Albergue in Burgos „entgangen“. 

Bereits um 05:00 Uhr morgens packten die knapp 100 Pilger in der Holzbude ihre sieben Sachen und bereiteten sich in der Herberge physiotherapeutisch auf die anstehende schwere Tagesetappe vor. 

Ganze Salven von intensivst duftenden Salben, Wässerchen und rheumatischen Wundermitteln stiegen mir in die empfindliche Nase, da ich undankbarerweise ganz oben im Etagenbett lag. Pfeffersalbe, Pferdesalbe, Rheumon Gel und Finalgon, das ganze Programm der Pharmaindustrie wurde auf die geplagten Pilgerbeine und Füße geschmiert. 

Am frühen Morgen fühlte ich mich fast wie früher in einer besonders „aromatischen“ Umkleidekabine auf dem Land vor dem Anpfiff eines Fußballspiels. 

Hontanas auf Sand gebaut!

Wir haben auf jeden Fall die erste überaus anstrengende 30km+ Etappe blasenfrei überstanden, sind über Hornillos del Camino gut in dem pittoresken Dorf Hontanas angekommen und haben für uns drei in der Albergue erfreulicherweise zu später Stunde noch ein Bett ergattert! 

Zentrum Hornillos del Camino

a pro pro Fußballspiel:

Zur Belohnung schauen wir uns später am Abend in der einzigen Bar in Hontanas das EM-Fußballspiel Deutschland – Polen an. 

Hola amigos desde Hontanas

Die Bilder des Tages:

Der Esel und ich … eine Erfolgsstory!
Brunnen-Romantik
Bild aus der Rubrik „Ausgelatschte Treter“
Steingarten mit Jahreszahl
Wann sind wir endlich da, Carsten???
El Camino de Santiago
treue Herde
ganz normales Pilger-Outfit für die schwereren Etappen
wetterfestes Lieblingsschild von Hornillos del Camino
Natur
Blick aus der Albergue
Stephan und sein Tagebuch! Was da wohl alles für Geschichten für die Ewigkeit festgehalten sind … .
EM-Fußballspiel Deutschland-Polen auf einem riesigen „7K – Flat-Bildschirm“
„Jesus“ Stephan, „Navigator“ Carsten und „El Bacho“ Heiner

Gleichwohl die heutige Strecke, von der Entfernung her, eher dem normalen Anforderungsprofil einer Tagesetappe auf dem Camino Frances entspricht, waren wir am Ende der Etappe in Burgos „ganz schön“ platt! Burgos ist mit 175.000 Einwohner die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León.

Die Kathedrale ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe!

Da unser Frühstück heute Morgen recht spartanisch ausfiel, kehren wir gleich nach dem Beziehen der Feldbetten in die wunderschöne Stadt mit der zauberhaften gotischen Kathedrale ein.

Wir lassen uns in der Altstadt von Burgos kulinarisch verwöhnen. Am Abend wird es dann im Schlafsaal der „Albergue Amigos del Camino de Santiago“, mit sage und schreibe einhundert Mitpilgern in einer besseren Holzbude, „urgemütlich“.

Die staatlich geförderte Übernachtung in der Herberge kostet heute ganze 3,00 Euro pro Nase.

Da sollte im Pilger-Tagesbudget doch ein eher üppiges Essen mit einem leckeren Wein auf „uns Drei“ in Burgos warten.

Bon Camino desde Burgos

Die Bilder des Tages:

Erneut ein wunderschöner Morgen auf dem Jakobsweg.
Unsere Richtung stimmt!
Die heiligen drei „Pilgerkönige“ im Schattenspiel.
Schilder wie diese müsste man malen, wenn es sie nicht schon auf dem Camino geben würde!
Eine majestätisch schöne Stadt erwartet uns!
Der Bau der Kathedrale von Burgos wurde 1567 abgeschlossen.
Sicherlich das bisher eindrucksvollste Bauwerk auf dem Camino Frances.
Welch großartige Kunst!
Historisches Tor
Stephan und Carsten nach dem nachmittäglichen Schlaf in der Albergue.
Wer heiratet nicht gerne im Weltkulturerbe?
Tolle Grimasse!
Die Drei Tenöre von Burgos.
Historisches Stadttor
Heute wird es mit 100 Pilgern urgemütlich in der Albergue!
Macht Carsten rein gar nichts aus, er ist mal wieder der erste Schnarcher unterm Pilgerdach.
Erholung in der Herberge Atapuerca auf der Gartenbank.

06.06.2008 15:40 Uhr:
Heute sind wir eine anspruchsvolle „Bergetappe“ gelaufen. Wir erreichten unser in der Provinz Burgos gelegenes Etappenziel Atapuerca auf knapp 1.000 Meter Höhe.

Atapuerca steht aufgrund zahlreicher archäologischer Funde auf der Liste des Weltkulturerbes.

In Atapuerca wurden fossile Knochen der direkten Vorfahren der Neandertaler gefunden!

Unser derzeitiges Wandertempo würde es verhindern, bis zum 28.06.2008 in Santiago de Compostela ankommen zu können. Hinter Burgos werden wir also noch ne kräftige Schüppe drauflegen müssen, und dabei mehrere 30 km Strecken in Angriff nehmen, um unsere zeitliche Planung nicht „über den Haufen zu werfen“.

Meine Füße scheinen auf die Anstrengungen des Weges sehr gut vorbereitet zu sein. Mittlerweile klebe ich diese überhaupt nicht mehr mit Pflaster ab. Die sündhaft teuren Blasenpflaster werde ich wohl alle wieder unbenutzt nach Deutschland transportieren.

El Camino

Soweit man diesen Blog verfolgt, könnte man den Eindruck gewinnen, dass unser Jakobsweg eine reine Spaßveranstaltung sei. Dies ist er aber wirklich nicht. Tatsächlich haben wir tagsüber genug Zeit bei der körperlichen Anstrengung unsere Gedanken zu sammeln und über den Sinn oder Unsinn unserer Pilgerreise zu philosophieren! Dabei hat in der Tat jeder von uns „Dreien“ seinen Rucksack mit zusätzlichen mentalen oder körperlichen Belastungen zu schleppen. Die anfängliche Aktivität weicht immer mehr der Ruhe und Einkehr. Gleichwohl erlauben wir uns dabei auch gesellige Runden. Trübsal blasen kommt für uns nicht in Frage.

So langsam realisieren wir allerdings, dass die Zeit auf dem Camino endlich ist. Um so mehr genießen wir es, in vollen Zügen diese schöne Pilgererfahrung machen zu dürfen!

Hola aus Atapuerca

Die Bilder des Tages

Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Kirche am Morgen
518 km noch …
Carsten und Stephan schreiten voran
Pilger Heiner auf dem Weg.
saftige Pilgerwiese
etwas schief, aber schön
Betonbrunnen
3 französische Pilger in der Albergue
spanischer Schinken
wieder ein Stempel mehr 🤠
Der Pilger auf dem Weg zur Albergue

Die heutige Etappe nach Espinosa del Camino verlief verhältnismäßig unspektakulär.

Den Höhepunkt des Tages/Abends stellte sicherlich die in der Albergue vom Herbergsvater

Herbergsvater in Espinosa Del Camino

persönlich gekochte und hervorragend schmeckende Paella dar.

Eine besondere Geschichte vom vorangegangenen Pilgertag möchte ich an dieser Stelle noch nachreichen dürfen:

04.06.2008 21:15
Redecilla del Camino

Heute gab es nach langen Jahren wieder etwas auf die Hörner für mich!

Wir liegen auf dem Boden des Gemeindehauses, 58 km von Burgos entfernt, und müssen immer noch über den heute zu beklagenden „hinterhältigen“ Anschlag auf mich lachen.

der Boden des Gemeindehauses

Nachdem wir unsere Schlafsäcke auf dem rustikalen Steinboden ausgebreitet hatten wollten wir am späten Nachmittag „unserem“ Ortskern noch einen Besuch abstatten. Im Camino-Kurort Redecilla del Camino gab es mit dem „Cafe Lena El Horno“ allerdings nur eine Einkehrmöglichkeit. Besagte Lena erblickten wir beim Eintritt in das „Cafe“ mit missgestimmten Blick am einzig besetzten Tisch der Lokalität. In der hinteren Ecke ihres Cafés entdeckten wir zu unserer großen Freude einen spartanisch bestückten Tante Emma Laden, der sich später als einzige Einkaufsmöglichkeit im Umkreis von 15 Kilometern herausstellen sollte, mit einer angeschlossenen kleinen Backstube. Es war brütend warm in Lenas Laden. Einerseits war die Lokation etwas beklemmend, finster und grau, andererseits jedoch war diese auch mit einem sehr hohen „Kultfaktor“ behaftet! In bester Dumont-Reiseführer-Manier wollte ich das Geschehen der Nachwelt erhalten und zückte meine Digicam aus der Hosentasche. Wie von der Tarantel gestochen kam die Cafebesitzerin Lena „El Horno“ auf mich zugerannt und haute mit ihrer Faust auf meinen, noch nicht einmal ansatzweise fotografierenden, rechten Oberarm. Mit einiger Anstrengung konnte ich verhindern, dass die Digicam mit dem nordspanischen Boden Kontakt aufnahm. Doch da blies „Lena“ schon zur nächsten Attacke und schmiss mich im hohen Bogen aus ihrem Feinkostladen. Wie ein begossener Pudel stand ich da draußen ohne etwas Trinkbares oder Essbares in den Händen zu halten.

Ich bitte „Lena“ hiermit unmissverständlich um Entschuldigung für mein distanzloses Verhalten. Sie hat mich völlig zurecht auf „die Hörner genommen“.

auf dem Weg nach Redecilla del Camino

Erkenntnis des Tages: Backstuben, die nicht der EU-Norm entsprechen, fotografiert MANN besser nicht auf dem Camino de Santiago.

Hola aus Espinosa del Camino

Die Bilder des Tages:

Kunst auf dem Camino
Stephan, aka „Jesus“
Die Störche nisten sich ein!
düstere Wolken auf dem Camino de Santiago
Störche die Zweite
der Pilgertisch ist gedeckt in der Albergue
Kunst in der Albergue
Stephan bei der Abend-Lektüre

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