Auf dem Camino trifft sich die Welt!
Carsten aus Hannover und zwei Pilgerinnen aus Asien.

Nach einer Woche auf dem „Camino de Santiago“ scheint der Körper sich in der Tat so langsam an die steinigen Anforderungen des Tages zu gewöhnen. Leichtere Ermüdungserscheinungen werden regelmäßig mit Lachsalven behandelt und führen alsbald zur Besserung des Gesamtzustandes. Daneben bekämpfen wir „reizende“ Stiche in unseren stählernen Kniegelenken selbstredend auch mit autogenem Training. „Rechtes Knie, schmerzfrei! Linkes Knie, schmerzfrei!“ so, oder so ähnlich, lauten die Parolen, die zumeist Carsten stimmgewaltig in die Weinberge und die Kornfelder der Region Rioja ausruft. Das Verrückte an der Geschichte ist, dass die Wehwehchen im wahrsten Sinne des Wortes verschwinden. Die Kunst des Weges ist eben, den Alltag zu vergessen und zu laufen, laufen und noch einmal zu laufen!

Die mich erreichende Nachricht aus der Heimat, dass es meinem Vater nach seiner schweren OP wieder besser geht, erleichtert und verschönert mir meinen Jakobsweg auf eine besondere Art und Weise.

Ich bin sehr dankbar und erleichtert.

Heute haben Carsten, Stephan und ich fast 30 km Strecke (inklusive gelaufener Umwege😉) geschafft.

man achte auf den traumhaft blauen Himmel

Der Stern am Himmel brannte bei unseren Pilger-Aktivitäten von früh bis spät. Das stabile Frühsommerwetter ist endgültig in Spanien angekommen.

„El Bacho“ hat auf der heutigen Etappe erneut 4 Liter Wasser verbraucht und in den 8 Stunden eigentlich alles verhältnismäßig gut im Griff gehabt.

Fahndungsfoto von El Bacho

Wir legen regelmäßig Pausen ein und genießen die Kommunikation mit Pilgern aus allen Erdteilen dieser Welt. In zwei Tagen erreichen wir nach längerer Zeit wieder eine größere Stadt. BURGOS! Heute haben wir übrigens zum ersten Mal kein Bett in der Pilgerherberge in Redecilla del Camino bekommen. Wir waren einfach „zu spät dran!“ Alles ausgebucht, freundliche Spanierinnen haben den erschöpften Pilgern ersatzweise eine Notunterkunft im Gemeindehaus eingerichtet. Nun schlafen wir auf dem Boden. Streiche komfortabele Schlaraffia-Matratze, setze Kartonage und Teppichbodenreste!

Stephan im Gemeindehaus, unser heutiges Schlafdomizil

Luxus sieht anders … .🤠

Buenas tardes

Die Bilder des Tages:

Hunde haben in Nordspanien leider häufig ein schweres Leben!
The real Camino de Santiago 😇
Oktopus-Caminoblume in blau …
… und Mohnblumen in rot
Bekanntschaft für wenige Minuten, den Namen des sympathischen britischen Schriftstellers habe ich mir leider nicht gemerkt.
Campo Municipal el Rollo
ein schöner namenloser Platz
Die asiatischen Pilgerinnen halten mich fest.
Sie wollten einfach auch ein Foto mit „Crocodile Dundee aus good old Germany“!
zeitgemäße ultraleichte Pilgerbekleidung sieht anders aus 🤠!
in Redecilla de Camino angekommen
Dieser Weg wird kein leichter sein!
2 x Knieschmerzen bei Heiner und Stephan 😂

Ich möchte zu Beginn meiner Schilderungen nicht verschweigen, dass ich 2008 leider rein gar nichts textlich zu diesem, landschaftlich betrachtet, sehr schönen Tag auf dem Camino Francés im seinerzeitigen Blog festgehalten habe.

Im Jahr 2008 war es zugegebenermaßen nahezu unmöglich jeden Tag einen internetfähigen PC auf dem Jakobsweg ausfindig zu machen, der dazu noch einen funktionstüchtigen USB-Anschluss haben sollte, damit ich über meinen Smartcardreader wenigstens ein Bild am Tag für die Familie und Freunde in der Heimat hochladen konnte. Es war ein so sehr schwieriges Unterfangen. Die Leitungen waren langsam, Flatrates und WLAN kannte man noch so gut wie gar nicht in Europa und Smartphones waren alles andere als verbreitet. Die Übertragung eines Fotos in das World Wide Web dauerte so manches Mal 15 Minuten und länger!

die Karte zur Gegend der vergangenen zwei Tage

Apple hatte erst 2007 das iPhone 3G auf den Markt gebracht und wurde deswegen von der ganzen Welt „bemitleidet“. Wie konnte ein Computerhersteller die Frechheit besitzen ein „Telefon“ herstellen zu lassen? Wie sehr sich, allein schon technisch betrachtet, die Zeiten in den 14 Jahren meiner Pilgerwanderungen geändert haben… .

Ich hatte damals schon ein iPhone 3G der zweiten Gerätegeneration in der Pilger-Tasche, habe dieses jedoch aufgrund der beschriebenen technischen Konstellation und seinerzeitigen europaweit zu beklagenden Kostenfallen nicht für die „Live-Berichterstattung“ vom Jakobsweg genutzt.

Zum Ausgleich für den nicht vorhandenen historischen „Tages-Pilgerbericht“ lade ich einfach mal ein paar Bilder mehr hoch, die die einzigartige Schönheit des Caminos aus meiner Sicht verdeutlichen.

Hola

Die Bilder des Tages:

ein vernünftiges Frühstück verleiht Pilgern Bärenkräfte
Pilger-Denkmal
So ein schöner blau weißer Himmel
Ort am Fluss
Nordspanische Hobbit-Unterkunft
Rio Najerilla
BAR Peregrino vom allerfeinsten!
bei Pepe könnte auch mal angestrichen werden!
Gasse zum Red Rock
Pilgerpause
hier geht es nach Santa Maria!
Bilder wie diese verzaubern den Tag
Stephan (ganz klein zu sehen)
Carstens hutloser Abstieg
Carsten und Stephan, die Vorhut
in der großen Albergue de Peregrino Azofra angekommen
2er Pilger-Kajüte
Das Wahrzeichen der Region: der Stier

Mehr als 100 km vom Start unseres Caminos in Pamplona entfernt sitzen wir auf der Terrasse eines Cafes in Navarrete und genießen um 17:00 Uhr das verdiente Pilgerbier vom Fass nach getaner Pilgerarbeit.

Auf der Strecke ist allerdings unstrittig Wasser unser Treibstoff. Ich zeichne mich durch einen ungeheuerlichen Flüssigkeitsverbrauch während der Wanderung aus. Dementsprechend häufig muss ich allerdings auch „technical stops“ einlegen. Dieser Umstand hat mir den schönen Kosenamen „El Bacho“ eingebrockt.

Wir sind im zweiten großen Weinbaugebiet im Norden Spaniens angekommen!

Rioja

Navarra haben wir hinter uns gelassen und Rioja erreicht.

Das Weinbaugebiet Rioja gehört mit einer Anbaufläche von 60.000 ha zu den bedeutendsten in Europa. Meine regelmäßigen Wassergaben werden sicherlich dazu beitragen, dass auch der 2008er Rioja ein guter Jahrgang wird …. .


Carsten entwickelt sich zum unverwüstlichen Kämpfer auf dem Weg! Er hetzt die Hügel hoch und fordert mich auf das Heftigste. Den Kreislaufkollaps bei mittlerweile steigenden Temperaturen verhinderte die Traubenzuckerzufuhr aus dem Hause Dextro-Energen.

Kim und Stephan

Einen zweiten zweifelhaften Spitznamen schenkte mir mein „schickes“ Leder-Outfit. Die supersympathische Kim aus Frankreich (aka „Mona Lisa“) nennt mich „Crocodile Dundee“ aus Deutschland. 🙂

Carsten grüßt herzlich die Ingrid aus Hannover.

Mein Lederhut vom Rucksack halb verdeckt

Buenos días desde Navarrete

Die Bilder des Tages:

Mystischer Morgen auf dem Weg
Pilgerstempel for free
Kunst auf dem Weg
urgemütliche nordspanische Bar
ausgelatschte Treter an jeder Ecke des Caminos
Wasser das Lebenselixier
Pilgerpiste
passt das Gepäck noch?
eine von vielen Brücken auf dem Weg
ich darf vorstellen: Tom Sawyer und Huckleberry Finn
Willkommen im Rioja Weinbaugebiet

zauberhafter bewölkter Camino de Santiago
das Bett in der Herberge ist safe
Ein LOWA mit flexibler Sohle

01.06.2008 15:15 Uhr
Weiß der Teufel in welchem Ort wir heute gelandet sind. Viana, oder so ähnlich? Die heutige Strecke war bei Dauerregen und tiefem Matsch wieder ein „klein wenig“ ermüdend, sodass wir nach unserer Einkehr in Viana geradewegs in die Bodega einfielen. Die erste Flasche Rioja wurde bereits um 13:30 Uhr geköpft und verbesserte schlagartig unsere regengeplagte Pilgerlaune. Beste Stimmung bei Stephan, 31 Jahre, Erzieher aus Heilbronn, Carsten, 38 Jahre, Tischlermeister aus Hannover und Heiner, 44 Jahre, Beamter aus Brüggen.

3 Pilger und eine Flasche Pilgerwein

Zur Abrundung des hervorragenden Pilgermenues gab es dann noch ein großes spanisches Bier und damit waren wir am Sonntagnachmittag gegen 15:00 Uhr bereits reif für das Pilger-Etagenbett. Die spanische Kapelle in der Tapas Bar schmetterte zu unseren Ehren auf das heftigste bekannte spanische Volkslieder. „La Bamba“ kam besonders gut bei uns an. Gesundheitlich gibt es nicht viel neues zu berichten. Pilger gewöhnen sich offensichtlich schnell an die Belastungen des Tages und der Rotwein scheint pilgerheilende Kräfte zu entfalten! Wie anders ist zu erklären, dass man zu jedem Pilgermenue eine Flasche Hauswein spendiert bekommt.

nordspanische Kapelle


Der „gastronomische Betrieb“ hat uns auf jeden Fall so gut gefallen, dass wir heute Abend dort wieder einziehen werden.

Viva Espania.

Es lebe der Camino de Santiago!

Die Bilder des Tages:

Frühstück in der Herberge
Man trägt heute Plastik auf dem Camino
namenloser Ort auf dem Camino
typische Landschaft auf dem Camino Frances
Stephan bleibt bei uns, nun laufen wir den Camino zu dritt 🙂
Welcher Pilger liebt sie nicht. Mohnblumen!
überraschendes Tagesziel Viana
beeindruckende Kunst
die Gassen von Viana
welch schönes Gebäude
verschwommener Blick aus der Herberge nach einem besonders schönen Abend
Pilgerromantik, Gemälde auf dem Weg: Klatschmohn und Berge

Welcher Wahnsinn treibt mich eigentlich auf diesen Camino?

und so sah die Wirklichkeit am heutigen Tag aus

Die gestrigen Fußschmerzen verstärkten sich heute Morgen um ein vielfaches. Mit 11 kg Pilgergepäck stand ich frisch gestiefelt vor der Pilgerherberge in Estela um den hügeligen Weg nach Los Arcos in Angriff zu nehmen. Der Spann des rechten Fußes war dermaßen blockiert, dass ich fast nicht losgegangen wäre. Mein Beinansatz meldete permanent Stiche und Dauerschmerzen. Ein Gefühl, als ob ich die ganze Nacht in einer Eishalle in zu engen Schlittschuhen Pirouetten für das Guiness Buch der Rekorde gedreht hätte. Alter Schwede! Ich humpelte in bester „Schnarchi-Manier“ zwei Stunden lang an der Seite meines Pilgerfreundes Carsten, der sich köstlich über meine eigenartigen Bewegungen amüsierte.

gefühlt 25 kg Gepäck lasten auf Carstens Rücken 😉

Die Kollegen in der Heimat hatten mir vor dem Abflug nach Nordspanien „das Aus“ am 19. Tag meiner Pilgerwanderung vorausgesagt. Am 3.Tag bereits aufgeben zu müssen kam überhaupt nicht in Frage! So biss ich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Zähne und nach 2 Stunden lösten sich tatsächlich alle Blockaden und ich war wieder wie ein Erstliga-Fohlen unterwegs!

Bei Dauerregen erreichten wir unser Etappenziel die Casa de Austria – Fuente des Los Arcos in 5 1/4 Stunden.

trübe Aussichten auf dem Camino de Santiago

Merke: Aller Pilgeranfang ist schwer!

Hola aus Los Arcos

Die Bilder des Tages:

Wasser und Wein am Morgen kostenlos für die Pilger in der Bodegas Irache
Mitpilger mit Hut
Wiedersehen auf dem Camino
endlich angekommen!
in der Albergue Casa de Austria
hört es denn gar nicht mehr zu regnen auf?
Kirchenportal Los Arcos
Geht es auch ne Spur freundlicher? Nein.
wie soll bei diesem Wetter die Kleidung nur trocknen?

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