Verfasst von: Caminopilger | 18. September 2022

Tag 28 25.06.2008 * von Melide nach O Pedrouzo 34 km (Camino Francés 2008 Pamplona – Santiago de Compostela gesamt 737,9 km)

Da sitze ich nun „müde und abgekämpft“ auf der Treppe der Albergue Porta de Santiago in der Avenida de Lugo in O Pedrouzo (La Coruña) und tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf. Einerseits bin ich froh, dass der Camino Francés in noch nicht mal 20 km „zu Ende gegangen ist“, andererseits ist mir klar, dass ich den Jakobsweg und meine Pilgerfreunde Carsten und Stephan schon sehr bald vermissen werde. Ein herrliches Durcheinander in meiner Gefühlswelt, das meine private Situation derzeit noch nicht einmal ansatzweise dabei berührt … .

Im Hier und Jetzt zählt nur das Ankommen in Santiago de Compostela am morgigen Tag. Ich bin sehr gespannt, wie ich, emotional betrachtet, mit der Situation umgehen werde, nach fast einem Monat auf dem Camino de Santiago den Stecker zu ziehen und die „Pilgertracht“ ablegen zu müssen. Der Alltag in der Heimat ruft und das Flugzeug ist bereits bestellt um mich wieder an den Niederrhein zu bringen.

Gefangen in meiner ganzen Gefühlsduselei konnte ich heute auf der 34 Kilometer langen Tagesetappe nach O Pedrouzo leider erneut nicht den fotografischen Ehrgeiz in mir wecken.

Eukalyptuswälder vor O Pedrouzo, leichte Bewölkung am Himmel

Der Morgen war dunkel in den Eukalyptuswäldern hinter Melide und der Himmel später am Tag zumeist bedeckt. Wir haben die heutige Strecke mehr oder weniger „abgespult“ und waren froh, die Etappe so gut überstanden zu haben. Carstens silberne Moonraker-Stiefel haben gehalten und werden für unser morgiges Pilgerfinale mit dem bekannten Panzerband noch einmal für die letzten Kilometer verstärkt.

Wir werden gemeinsam den Weg zu Ende gehen und das allein ist für mich eine unfassbar schöne Geschichte. Was heißt hier schon Geschichte? Lasst es mich viel lieber ein großes Glück in meinem jungen Pilgerleben nennen.

Ich verspreche hoch und heilig, morgen am Tag wieder häufiger den Auslöseknopf meiner Digicam zu betätigen, damit der hoffentlich stimmungsvolle und freudige letzte Tag auf dem Camino Francés für alle Zeiten digital festgehalten ist. Wobei auch dies muß ich im nun folgenden Satz etwas relativieren. Übervolle Speicherkarten mit hunderten schönen Fotos können nicht annähernd das „Erlebte“ auf dem Camino de Santiago ersetzen, das Gespräch, das Gefühl, die Gedanken und schlichtweg den Pilgermoment!

Ultreia aus O Pedrouzo

Caminopilger Heiner

Wald hinter Melide am Morgen mit gelbem Pfeil
Pilgergedächtnistafel am Waldrand
Bananenstauden am Haus
19,5 km vor Santiago de Compostela
Eucalyptusbäume in ihrer ganzen Pracht
Getrocknete Eukalyptusblätter vom Camino Francés 2008

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