Verfasst von: Caminopilger | 29. Mai 2010

Geh(h)ilfen auf dem Camino

Kaputt aber glücklich liege ich im Feldbett in Pasaia. Allen Unkenrufen zum Trotz hat mein „Big Foot“ gehalten. Keine Ahnung wie das geht, irgendwie kommt mir das Phänomen SPANISCH vor! Nach der gestrigen Anreise hielt ich ein stundenlanges Wandern für völlig ausgeschlossen und überstehe dann doch heute per pedes die ersten 20 Tageskilometer durch das Jaizkibel-„Gebirge“. Der anfänglich völlig blockierte Fuß wurde von Stunde zu Stunde geschmeidiger und nach insgesamt 6 Stunden hatte ich die Strecke von Irun nach Pasaia durchs mehr oder weniger rund geschafft.
Vielleicht lag es an den Geh(h)ilfen!!! Pilgerfreund Heinz aus München, den ich 2008 auf dem „Camino de Frances“ kennengelernt habe, hatte mir vor meiner Abreise dringend geraten, Wanderstöcke mit in den Flieger zu nehmen und ich befolgte glücklicherweise seinen Rat. Die Guten aus dem Hause Leki schmücken ab sofort meinen Entengang. Was hab ich auf den Jakobswegen in den Vorjahren immer über diese Teleskop-Dinger gelästert….. Klack, klack, Klack! Betrachtet man daneben das Innenleben meiner wieder ausgegrabenen Lowa-Stiefel fallen sicherlich die kaminroten orthopädischen Einlagen aus dem Rahmen. Fehlen eigentlich nur noch die Stützstrümpfe! Wenn es nicht ganz täuscht, dann ist der Caminopilger in die Jahre gekommen, anders ist DIES alles nicht Meer zu erklären. Mal schauen, ob er morgen früh aus der Koje kommt…. .
PS: Meine Pilgerbrüder Carsten und Stephan haben mir heute schon „ein wenig“ auf dem Weg gefehlt. Es ist eine völlig neue Erfahrung für mich alleine den Jakosweg zu laufen. Keiner hört mein Gejammer und meine Flüche und nach dem Weg muß ich auf einmal selber schauen. Kein Navigator weit und breit in Sicht, oder etwa doch?
Carsten möchte mich Anfang Juli in Santiago empfangen. Darüber freue ich mich sehr, aber ich sollte derzeit noch nicht zu viel daran denken, denn bis dahin habe ich noch die Kleinigkeit von 825 Kilometern zu überstehen… .

Spruch des Tages:
„„Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.““

Verfasst von: Caminopilger | 28. Mai 2010

Angekommen in … IRUN

Café con leche und ein Bocadilla con Queso begleiten meinen ersten Besuch in einer Panderia in Irun. Etappenziel erreicht nennt man so etwas, allerdings war das auch keine große Kunst den spanischen Grenzort an der Atlantikküste erreicht zu haben. Der Billiggflieger von Düsseldorf nach Bilbao hatte über den Wolken ausnahmsweise nicht mit Asche zu kämpfen und der anschließende Wechsel des Beförderungsmittels stellte auch kein Hindernis dar, da der Reisebus mich im Dauerregen sanft nach Irun schaukelte. Selbst die Pilgerherberge habe ich schon gefunden, allerdings öffnet mein Nachtgemach erst um 16:00 Uhr. Da sollte doch gleich der Check-In störungsfrei verlaufen.
Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Morgen geht es dann los und ich hoffe, dass sich mein Problemfuß möglichst spät am Tag meldet.
Das Meer habe ich übrigens auf meinem soeben beginnenden Camino del Norte/ Camino del Costa noch nicht aus nächster Nähe gesehen.

Verfasst von: Caminopilger | 17. Mai 2010

Der rechte Knöchel von Michael Ballack

…war heute das ALLES andere in den Schatten werfende Thema in den Online-Gazetten Deutschlands. Was zählen Kriege, Umweltzerstörungen durch Öl-Multimiliardäre, Flugasche über Britanien und riesengroße Haushaltslöcher wenn das Model der Deutschen Bahn infolge eines eingegipsten rechten Knöchels nicht nach Südafrika fliegen kann.
Ballack nicht zur Fußball-WM und Caminopilger nicht zum Jakobsweg? Der aufmerksame Betrachter dieses Blogs hat die nervöse Stille an dieser Stelle schon mit einer gewissen Vorahnung zur Kenntnis genommen. Jawohl ja, ICH habe auch Knöchel, eigentlich Achilessehne, aber irgendwie WANDERN meine Probleme seit nunmehr 4 Wochen! von Tag zu Tag von Sehne zu Sehne und sind nunmehr am Fußgelenk angekommen, packen innen und außen fest zu und sorgen für eine chaotische Vorbereitung und Wechselbäder der Gefühle. 11 TAGE VOR DEM ABFLUG weiß ich wirklich noch nicht mit welchen Kräften ich von Irun nach Santiago kommen soll. Vielleicht lege ich mir in San Sebastian auf dem Wochenmarkt einen Esel zu. Entweder lebend oder aus Draht. Das ist mein ganzer Ernst, Freunde der Nacht, sollte mein rechter Fuß am 29.05.2010 gänzlich abgeschrieben sein, werde ich zum Öko-Pilger. Versprochen!
Heute hat mich mein Physio Pascal (PP) wild zugeklebt und noch mal zu später Stunde am Abend in den Wald geschickt und siehe da ich habe zumindest mal wieder 2 Stunden halbwegs rund 10 km Strecke bewältigt. 10 km x 90! und schon bin ich von Irun startend in Santiago de Compostela angekommen. Die Hoffnung der Pilger stirbt zuletzt ….. . Jakobus schenk mir Kraft!

Verfasst von: Caminopilger | 30. März 2010

Rain man

Heute plagte mich das schlechte Gewissen und brachte mich wieder auf die Piste. Aus dem von einer Jadefee angekündigten sonnenverwöhnten Ausritt wurde allerdings nichts. Es schüttete auf dem Weg zu meinem Bruder Arnd wie aus Kübeln! Zumindest hielten die gewachsten pechschwarzen Stiefel dem Regen stand und ich schaue auswärts im TV wie der FC Bayern gegen Manchester United ausrutscht. Mit freundlicher Unterstützung aus dem Hause Bitburger versteht sich. Aber nach all den Sorgen um den gesundheitlichen Zustand meines Sohnes nach der OP sei mir das leichte Biervergnügen gegönnt. Es geht aufwärts!

Verfasst von: Caminopilger | 23. März 2010

Anämie

Die Anämie (synonym: Blutarmut, Blutmangel) ist in der Medizin definiert als:
eine Verminderung der Konzentration des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und/oder
eine Verminderung des Hämatokrits (prozentualer Anteil der zellulären Elemente am Blutvolumen) und/oder
eine Verminderung der Anzahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) unter die der Altersnorm entsprechenden Menge (Erythrozytopenie).
Unter solch einer Anämie litt mein 21-jähriger Sohn Tobias offensichtlich seit Jahren ohne es wirklich zu wissen. Ein gestern in Köln erfolgter operativer Eingriff verlief glücklicherweise positiv und lässt hoffen, dass sein Blutbild bald schon besser wird.

Warum auch immer stellen die derzeitigen Krankenhausbesuche für mich ein Déjà-vu dar, da kurz vor meinem ersten Camino im Frühjahr 2008 mein Vater eine schwere Herz-Operation über sich ergehen lassen musste.

Vielleicht sind solche Ereignisse die wirklichen Signalgeber im Leben.

Kommerz, Wohlstand, Besitz und Vermögen sind nichts wert, wenn essenzielle Dinge wie das Leben eines Menschen in Gefahr ist.

Wir sollten uns viel intensiver um die kümmern, die wir lieben und die uns nahe sind.

Literaturtipp des Tages:

Last Lecture – Die Lehren meines Lebens von Randy Pausch

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