Verfasst von: Caminopilger | 2. Juni 2010

Irreführer nach Gernika Lumo

5. Tag 02.06.2010
Heute hat mich mein ungeliebter gelber Outdoor Reiseführer gleich zwei Mal in den baskischen Wäldern ins Nirwarna geführt. Keine Ahnung wieviel zusätzliche Kilometer dies für mich bedeuteten…. . Wäre ich allerdings an einem reißenden Bach vorbeigekommen, hätte sich das irreführende Büchlein sicherlich von mir verabschieden müssen, da ich es liebend gerne mit Karacho im eiskalten Quellwasser versenkt hätte. Pilgerbruder Stephan aka JESUS hat auf unserem letztjährigen Camino-Kurztrip ein vergleichbares Wut-Szenario meinerseits mit abschließender Entsorgung eines Outdoor Jakobsweg-Reiseführers im Forellenteich beobachten dürfen. Für alle Interessierten hier mein Ratschlag: Kauft den ab diesem Monat auf dem Markt befindlichen Camino del Costa/Norte Reiseführer von Cordula Rabe aus dem Rother-Verlag.
Ansonsten habe ich meine geschundenen platten Füße halbwegs vernünftig ins Tagesziel gebracht. Von Chillen konnte man auf der siebenstündigen Etappe allerdings nicht gerade sprechen. Auf einer Schwierigkeitsskala von 1-6 würde die heutige Etappe von mir eine gehobene Drei bekommen. Nach der gestrigen extremen Strapaze bin ich nun einfach platt und froh um 16:00 Uhr in der Herberge gelandet zu sein.
Heute war übrigens der erste Tag an dem ich den Atlantik nicht gesehen habe.
Buenos Dias aus dem Baskenland.
Caminopilger

Tageskilometer am 4. Tag: 25km
Entfernung bis Santiago: 714,5 km

Wenn du an deine Stärke glaubst, wirst du täglich stärker.
Sind Ghandis Sprüche NICht aufbauend?

Verfasst von: Caminopilger | 1. Juni 2010

Das Comeback des Caminopilgers

4.Tag:
Die erste „Dreißiger“ Etappe wäre geknackt und ich darf verraten, dass ich zum Schluß der neunstündigen Leibesübung sprichwörtlich durch einige Höhen und Täler gewandert bin. Die 32,5 Kilometer von Zumaya nach Markina-Xemein gehören zum härtesten was ich mir in den letzten 3 Jahren auf den diversen Jakobswegen angetan habe.

Ein schier unglaubliches Streckenprofil. Nicht mehr endende Auf- und extreme Abstiege die ich, ohne auch nur einen einzigen Mitpilger auf der gesamten Strecke gesehen zu haben, heute zu bewältigen hatte. Kam mir fast wie ein Ausreißer bei der Spanienrundfahrt vor, der dem Hauptfeld uneinholbar entwischt ist. Kurz vor dem letzten Abstieg erreichte mich im zwischenzeitlich vernebelten Biskaya-Gebirge ein Anruf aus der Heimat. Die wärmende Stimme meiner Purpurhändlerin stärkte den zwischenzeitlich schwächelnden Pilger sehr und sorgte mit dafür, dass der letzte Berg vor der Herberge nicht zum Fallstrick wurde.
Übrigens, … die Schmerzen im rechten Fuß, die am Tag leider nicht völlig verschwunden sind, werden von mir kategorisch ignoriert, da diese je nach Belastung sowieso von einer Stelle (Fußballen) zur anderen Stelle (Ferse) wandern und ich manchmal selbst Schwierigkeiten dabei habe, das „aktuelle“ Schmerzzentrum zu bestimmen. Psychologisch gesehen kommt das ja fast einem Phantomschmerz gleich! Soweit ich meinen ausgeprägten Hang zum Leiden auf der Strecke bekämpfen möchte, denke ich in diesen Momenten an meinen schwer erkrankten Freund Harald und flüstere ein Stück weit vor mich hin, dass ich in diesem Jahr auch für ihn nach Santiago de Compostela pilgern möchte. Dadurch bessert sich zwar bedauerlicherweise nicht sein Krankheitsbild, hoffe aber das allein der Gedankengang UNS beiden gut tut.
Harald, ich grüße Dich an dieser Stelle besonders herzlich!
Abschließen möchte ich den heutigen Blogeintrag mit einem Selbstportrait bei Tageskilometer 28,5 kurz vor dem vitaminspendenden Telefonat.

Gewinner sehen anders aus, oder?
Ola aus dem Baskenland von einem müden niederrheinischen Pilger.

Tageskilometer am 4. Tag: 32,5 km
Entfernung bis Santiago: 739,5 km
(das war 2008 ungefähr die absolvierte Gesamtstrecke auf meinem ersten Camino von Pamplona nach Santiago de Compostela)

Verfasst von: Caminopilger | 31. Mai 2010

Berge&Meer Zumaya!

3.Tag:
Zumaya könnte ja dem Namen nach in Guatemala liegen… tut es aber nicht. Im tiefsten Baskenland liegt dieser wunderschöne Ort, nur ich Esel, um bei den Lieblingstieren aller Basken zu bleiben, hab einen Fehler gemacht und bin bei Tante Klara ( verbessere Santa Klara ) auf dem Bauernhof weit vom Geschehen aufgestiegen. Der Weg vom Meeresspiegel hinauf zu Klaras Kuhfladen ist so steil und mühsam, dass ich mein Pilgerbier heute gerne ausfallen lasse. Die großzügige private Herberge mit Einbauküche teile ich mir mit sage und schreibe einer! spanischen Pilgerin, die vor lauter frischen Blasen an den Füßen den Saal auch morgen bestimmt noch nicht verlassen kann. Wenn nur diese Schmeissfliegen und der dezente Landgeruch in der Herberge nicht wäre… . Mann könnte sich hier auf der Alm glatt wohlfühlen.
Die heutige Regenerations-Strecke habe ich gut überstanden, gleichwohl ich es bei Kilometer 10 infolge eines Druckschmerzes unter dem Innenspann für angebracht hielt, die Einlagen (siehe oben) zu wechseln. Morgen hört der Spaß dann wohl endgültig auf, denn es steht für meinen derzeitigen Zustand fast schon ein Pilger-Marathon auf dem Programm. 30 km durchs Gebirge hoch und runter nach Markina-Xemein. Mir bleibt keine andere Wahl, da es an alternativen Übernachtungsmöglichkeiten im zweiten Teil der Tagesetappe mangelt.
Mal schauen wie ich da durchkomme.
Ultreia.

Tageskilometer am 3. Tag: 17 km
Entfernung bis Santiago: 772 km

Verfasst von: Caminopilger | 30. Mai 2010

Klatschnass in Orio

Während Deutschland am Tag nach Lenas historischem Sieg in Oslo erwarteterweise im kollektiven Jubel versinkt, brachen heute auf der Strecke nach Orio hinter San Sebastian alle Dämme. Sturzbäche von oben, kilometerlange glitschige Steinwege, ich sehnte das Tagesziel herbei und erreichte dieses mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht nach 25 Wanderkilometern und erstaunlich langen 7 Stunden auf dem Camino. Die avisierte Herberge hier in Orio stellt fast schon Luxus dar. Jeder Pilger hat ne eigene Matraze im Kiefernbett und die Dusche hat zu allem Überfluß nen Haufen Massagedüsen, die ich nur mühevoll unter Kontrolle bekam.
Mühen hatte ich auch mit dem Namen des Zielortes. Gestern erzählte ich meiner Liebsten daheim, dass ich nach Orion pilgere und siehe da, die haben das N einfach gestrichen. Vielleicht hatte ich auch Deutschlands zweitgrößtes Versandhaus nach Beate Uhse im Kopf (Quelle gibt’s ja nicht Meer…).
Wie es auch sei, eins ist sicher, Lena Meier aus Landshut hatte ich beim Schreiben dieser Zeilen nicht im Ohr, mein iPhone versüßte mir die Wartezeit aufs Essen mit Depeche Mode live in Buenos Aires. Für immer und ewig ….. Policy of TRUTH!

Caminopilgerspruch des Tages:

„Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.“

Morgen werde ich zum Ausklang des Wonnemonats Mai lediglich fußschonende 17 Kilometer nach Zumaya in Angriff nehmen. Überholen wird mich so oder so KEINER, da ich ja fast immer als Letzter die Herberge verlasse….. .

Entfernung bis Santiago de Compostela: 784 Kilometer

Verfasst von: Caminopilger | 30. Mai 2010

Esel im Halteverbot

Bin soeben in San Sebastian gelandet, habe die Stiefel ausgezogen („So ganz toll läuft es heute nicht ….“) gefrühstückt und habe noch knapp 15 km vor der Brust. Weiß nicht so genau ob ich heute in der Pampa ein WLAN finde darum erzähle ich jetzt kurz die Geschichte vom Esel. Vor dem Einschlafen habe ich mich gestern noch zum Fußballschauen in eine urige Bar begeben. Villareal – Real SO. In der Bar hingen überall Fotos von einem uralten Mann mit seinen Haustieren, hier: diversen Eseln. Es versteht sich von selbst, dass er mit einem dieser schnuckeligen Wesen zur Kneipe geritten ist. Nicht in Ordnung fand ich dabei, dass er sein Beförderungsmittel im Halteverbot geparkt hatte. Die trauen sich DAS die Basken!
Buenos Dias aus SAN SEBASTIAN
Caminopilger h

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